Ein kapitales Lese-Erlebnis

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Gute Bücher zu lesen, ist eine wahre Freude. Sie mit Gleichgesinnten zu lesen, ist doppelte Freude. Laufend das Lese-Erlebnis zu teilen, zu reflektieren, gemeinsam zu staunen, ist ein Geschenk. Die folgende Rezension von John Lanchester’s „Kapital“ ist das Ergebnis einer Leserunde mit meiner  Lovelybooks-Freundin „thursdaynext“.
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Mit Marx hat der Inhalt des Buches fast nichts am Hut. Abgesehen von moralisch sehr fragwürdigen Geldschaufelpraktiken und haarsträubenden Boni für Investmentbanker. Hier ist es eher „das Gespenst Finanzkrise“,  welches die Banker auf sehr hohem Niveau jammern und wehklagen lässt. Wir haben es ihnen gegönnt und uns fürstlich dabei amüsiert.
Aber erst eimal von vorn: Die Pepys Road und ihre Bewohner haben scheinbar Glück. Ihre Häuser und Grundstücke sind richtig was wert. So etwas zu besitzen hat eine ganz gewaltige Kehrseite, denn es weckt bei Aussenstehenden eine Menge Begehrlichkeiten. Ausserdem kann wer viel besitzt auch viel verlieren. Das vordergründige Glück ist also ziemlich brüchig. So unterschiedlich die Einwohner auch sein, eines haben sie gemeinsam: In ihren Briefkästen landen regelmässig Postkarten, auf denen geschrieben steht: „Wir wollen das, was ihr habt!“
Fast ist es, als würde man mit einem Mikroskop über dieser Strasse schweben und die Menschen in ihr beobachten.  Da ist zum Beispiel der Investmentbanker Robert Yount mit seiner Frau Arabella und den zwei gemeinsamen Söhnen.  Arabella hat so hohe Ansprüche, dass die Höhe des jährliche Bonus zum Fixpunkt seines Daseins wird. Beim Lesen bis zu seiner Bonusverhandlung scheint das Papier regelrecht zu knistern vor lauter Spannung, welcher Felsbrocken da auf Robert zurollt und ihn ordentlich plattmachen wird. Denn ein Bonus von unter einer Million bedeutet, seiner shoppingsüchtigen Arabella das Budget zusammenstreichen zu müssen. Und das wird sie nicht einfach kampflos hinnehmen. Aber die Yount’s sind nur eine Familie in der Pepys Road. Da ist auch noch Freddy Kamo, Fussballhoffnung aus Senegal, der mit seinem Vater in ein schickes Haus einzieht; ein Kulturschock bleibt nicht aus. Und die Witwe Petunia, deren Haus beim Eintreten ein anno dazumal-Gefühl verströmt. Nicht zu vergessen, die pakistanische Familie, die unten in ihrem Häuschen einen Tante Emma-Laden führt und die einmal jährlich von der Schwiegermutter aus Pakistan wie ein Panzer überrollt wird. Rohinka, die junge Ehefrau und Mutter, haben wir ganz besonders in unser Leserherz geschlossen.
„Kapital“ bietet hervorragende Charakterstudien. Keine Längen, keine Langeweile. Nur herausragendes Lesevergnügen.  Etliche der Charaktere haben wir liebgewonnen, einige blieben unsympathisch. Aber jeder einzelne löste Gefühle und grosses Kopfkino aus. Die Auflösung, woher denn diese Postkarten kommen und welche Absicht dahinter steht, fanden wir am Ende ziemlich langweilig. Aber es spricht doch sehr für den Schriftsteller, wenn der Aufhänger gar nicht mehr aufhängt sondern die Menschlein zwischen den Buchdeckeln das Zepter übernehmen.
 
Fazit: Gesellschaftskritik mit  großer Portion Menschenliebe. Charmant und flüssig zu lesen.  Absolute Leseempfehlung!
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Zurück vom Regenplaneten

1256777254765Mit diesem zweiteiligen Werk habe ich einen ersten Ausflug in die Welt des SciFi gewagt und damit gleich einen Volltreffer gelandet. Karsten Kruschel hat mich in fremde Welten entführt und mit seiner bildhaften Sprache mitten auf dem Regenplaneten abgesetzt. Mehr kann man sich von einem Buch nicht wünschen.

„Vilm – der Regenplanet“

Die Menschheit beschränkt sich nicht mehr nur auf den Planeten Erde. Inzwischen reisen sie mit Hilfe von Sternenschiffen und siedeln sich auf verschiedensten Planeten an. Einer dieser Schiffe ist die „Vilm van der Oosterbrijk“. An Bord herrscht eine Zweiklassengesellschaft. Die normalen Passagiere und die abgehobenen Zentralier. Nur letztere wissen, wie das Schiff zu bedienen ist. Bis zum Tag X, an dem die „Vilm van Oosterbrijk“ verrückt spielt und auf den nächstgelegenen Planeten stürzt. Es sind nur wenige Menschen, die den Absturz überleben. Sie landen in einer  seltsamen  dauerverregneten Welt. Die Hoffnung auf Rettung schwindet bald, also wird höchst kreativ versucht, aus den Trümmern des Schiffs Brauchbares für das Leben im Regen zu finden. Es bleibt nichts anderes, als sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Der Regenplanet mit seiner eigentümlichen Flora und Fauna ist nun mal ihr neues Zuhause. Unter den Gestrandeten befinden sich auch Kinder. Dass eines nach dem anderen von einer Art Diphterie befallen wird, sorgt für Angst und Schrecken. Die medizinische Versorgung auf dem Regenplaneten ist recht begrenzt. Aber die Kinder überleben nicht nur sondern sie verändern sich. Es entstehen symbiotische Beziehungen mit den sogenannten Eingesichtern. Eine Evolution im Schnelltempo in einem eigentümlichen Ökosystem, das beim Lesen fast körperlich spürbar ist. In „Vilm – der Regenplanet“ werden die Schweinwerfer kapitelweise auf einzelne Protagonisten gerichtet. Mit dieser Erzählweise schafft es Karsten Kruschel, dass die Leserschaft den Personen recht nah auf den Pelz rückt.

„Vilm – Die Eingeborenen“

Zwanzig Jahre nach der Bruchlandung auf dem Regenplaneten werden die Schiffbrüchigen entdeckt. Aber nicht alle wollen gerettet werden. Nur wenige nehmen das Angebot des Rettungsschiffs, Armorica, den Regenplaneten zu verlassen, an. Im Gegenteil; die Eingeborenen fordern höchst selbstbewusst, dass ihr Planet vom Planetenverband als eigenständig anerkannt und respektiert wird. Aber unbekannte Welten haben die Mächtigen schon immer fasziniert und Begehrlichkeiten geweckt. Und wer sagt denn, dass die Vilmer mit ihrem eigentümlichen Verhalten überhaupt als menschlich zu bezeichnen sind….

Fazit: Faszinierend. Absolute Leseempfehlung auch für Sci-Fi-Neulinge. Ich werde dann mal die Suchscheinwerfer nach weiteren Sci-Fi-Perlen auswerfen. Anregungen sind ausdrücklich erwünscht. 

Die beiden Werke gibt es sowohl gedruckt als auch als eBook. Ich persönlich habe die eBooks verschlungen.

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Bücherelfe

Leserausch garantiert!

041998224-im-rausch-der-freiheitMit 1150 Seiten ist Edward Rutherfurd‘s Reise durch 400 Jahre New Yorker Geschichte ein echter Wälzer. Von der Mitte des 17. bis ins 21. Jahrhundert begleiten wir vier Einwandererfamilien. Sie stammen aus Holland, Deutschland, Italien und England und suchen alle auf die eine oder andere Art ihr Glück. Rutherfurd lässt uns tief eintauchen in die jeweiligen Familiengeschichten; Wer Familienromane mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Zwischen diesen Buchdeckeln findet sich vieles, was man schon über die Ereignisse in diesen vier Jahrhunderten gehört oder gelesen hat.. Ob Sklaverei, Bürgerkrieg, Prohibition mit ihren Flüsterkneipen, Rassenunruhen, Korruption oder Little Italy. All das und vieles mehr kommt zur Sprache. Persönlichkeiten wie der grosse Caruso, George Washington, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt. Multimillionär John Jacob Astor und der legendäre Bankier J.P. Morgan werden auf solch lebendige Art porträtiert, dass man sie förmlich vor sich sieht. Das gilt übrigens auch für die vier fiktiven Einwandererfamilien mit ihren zahlreichen Nachkommen.

Schon die ersten Seiten haben die Filmspule zum Kopfkino der allerfeinsten Sorte anlaufen lassen. Auf wundersame Weise wurde ich ins 17. Jahrhundert reingezogen um 1150 Seiten später im 21. Jahrhundert wieder ausgespuckt zu werden. „Im Rausch der Freiheit“ ermöglicht mit seinem Mix aus Geschichtsbuch und Roman einen echten Lese-Rausch. Wer dieses Buch wie ich in mehreren grossen Happen  verschlingt, wird das fehlende Personenverzeichnis kaum vermissen.

Ich werde mich künftig auf jeden Fall an die Fersen von Edward Rutherfurd heften. Wer so schreibt, den behalte ich im Auge.

Fazit: Mitreissend und ausserordentlich interessant. Absolute Leseempfehlung!

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Bücherelfe

Bücherelfe

Kleiner Roman, ganz gross.

9783455403848Jocelyne ist 47 Jahre alt und ihre Ehe mit Jocelyn – diese beinah gleichen Namen haben mich beim Lesen übrigens genervt – ist im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre gekommen. Frust macht sich breit. War das wirklich alles? So hatte sich Jocelyne das Leben nicht vorgestellt.

„Jedes Mal überrascht es mich, wenn ich Jo nach Hause kommen höre. Ein Riss in der Seide meines Traums. Ich ziehe mich hastig wieder an. Schatten bedecken die Klarheit meines Körpers. Ich weiss um die seltene Schönheit unter meinen Kleidern. Aber Jo sieht sie nie.“

Die Geschichte handelt in einer kleinen Ortschaft in Nordfrankreich. Jocelyne mag die Arbeit in ihrem Kurzwarenladen und die Kontakte, die ihr Handarbeiten-Blog bringt. So ereignislos wie ein kleines Bächlein plätschert ihr Leben dahin; weder ist sie besonders unglücklich noch besonders glücklich. Eine seltsame Art der Taubheit macht sich breit. Bis der grosse Knall in Form eines 18 Millionen Lottogewinns in ihr Leben einbricht. Wobei es eigentlich ein sehr leiser Knall ist, denn Jocelyne beschliesst, weiterzuleben wie bisher und erzählt keiner Menschenseele davon. Zu gross ist ihre Angst, mehr zu verlieren als sie gewonnen hat. Aber seit wann lassen sich Tragödien durch Wegsehen verhindern?

Kein Wort zuviel steckt in diesen 126 Seiten. Wie lange Grégoire Delacourt wohl an diesen Sätzen gefeilt hat,  bis sie in solch scheinbarer Leichtigkeit übers Papier geschwebt sind. Sein Schreibstil macht es einen leicht, einfach mitzugehen mit Jocelyne und ihren versteckten 18 Millionen. Sie ist eine Protagonistin, die ich auf der letzten Seite nur ungern verabschiedet habe.

Fazit: Ein stiller und unaufgeregter Roman über das, was im Leben wichtig ist. Empfehlenswert für alle, die leise Töne mögen. 

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ein historischer Pageturner

9783746623757Zuerst den Film, dann das Buch und dann nochmals den Film. Dieses an sich unsinnig klingende Prinzip habe ich bei Cormac McCarthy’s „die Strasse“ verfolgt. Ja, manche Filme lassen mich Bücher lesen, denen ich ansonsten keine Chance geben würde. Bei „Die Schwester der Königin“ habe ich das Prinzip leicht abgewandelt; Film, Film, Film, Film, nochmals Film – notabene schon ein wenig zeitlich verteilt – und dann das Buch. Nach dieser Lektüre kann ich mir die Rückkehr zum Film allerdings sparen. Denn meines Erachtens wurde da den potentiell klingelnden Kinokassen zuliebe gekürzt, geändert, geopfert.
Aber erst mal zum Inhalt. „Die Schwester der Königin“ ist ein historischer Roman, der seinen Rahmenhandlung direkt aus den Geschichtsbüchern gepflückt hat.  Wie viel historische Korrektheit in dem Roman steckt, kann und will ich nicht beurteilen. Es geht um Intrigen, Liebe und Verrat am englischen Königshof und beginnt im Jahr 1521. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Mary Boleyn, die auf Befehl ihrer Familie Mätresse von König Henry VIII wird. Mary ist zu dieser Zeit 14 Jahre alt und verheiratet. Den Entscheid ihrer Familie in Frage zu stellen, wagt Mary nicht. Einen eigenen Willen zu haben, scheint dieser Zeit für Frauen undenkbar. Der König braucht einen Thronfolger und einen solchen zu „beschaffen“ würde der Familie Ansehen und Macht verschaffen. Wie Schachfiguren werden Mary und ihre Schwester Anne herumgeschoben. Die egoistische und machtgierige Anne Boleyn ist das pure Gegenteil von Mary. Sie verdrängt auf Befehl ihrer Familie nicht nur Mary sondern auch Königin Katharina von Aragon, die langjährige Ehefrau des Königs. Und Anne erreicht ihr Ziel tatsächlich: Sie wird Königin von England. Aber der König ist ein launischer und tyrannischer Herrscher und Ehemann. Und wenn er Verrat wittert, reagiert er unbarmherzig.  Königin Anne zahlt einen hohen Preis für ihren Aufstieg.
Fazit:  Ein ungeheuer fesselnder historischer Roman. Ein echter Page-Turner. Auch wer um historische Romane sonst einen Bogen macht, kriegt hier echtes Kopfkino geboten
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365 Tage, 365 Bücher und ein lila Sessel

cover final-sankovitchNina Sankovitch war schon immer eine leidenschaftliche Leserin. Diese Liebe zu Büchern wurde ihr in die Wiege gelegt.  Als ihre Schwester erst 46jährig an Krebs stirbt, ist Nina Sankovitch’s  Trauer grenzenlos. Und so verschreibt sie sich eine unkonventionelle und aufwändige Selbsttherapie. Sie liest 365 Bücher in 365 Tagen und bespricht jedes einzelne auf ihrem sehr bald vielbeachteten Blog readallday.   Durch die Bücher findet sie zurück in ein erfülltes Leben. Wie sie diesen von Oktober 2008 bis Oktober 2009 dauernden Lesemarathon erlebt,  welche Erinnerungen ihr dabei durch den Kopf gehen und was das Gelesene in ihrem Innern bewirkt, berichtet sie in „Tolstoi und der lila Sessel“. Dass ihr Ehemann und ihre vier gemeinsamen Söhne ihre experimentelle Therapie unterstützen, hat schon fast etwas Märchenhaftes.

Ich wollte in Büchern versinken und als ganzer Mensch wieder auftauchen.

Vier Regeln erlegt sie sich auf: Die Bücher dürfen nicht mehr als 2,5 cm dick sein. Jedes Genre ist erlaubt und am Sonntag ist Krimi-Tag. Jedes Buch wird am Tag nach der Lektüre rezensiert.

Atemlos und innerhalb eines Wochenendes habe ich Nina Sankovitch’s literarische Reise zurück ans Licht mitverfolgt und dabei nicht nur Bücher entdeckt, die ich unbedingt noch lesen muss sondern mich auch an Bücher erinnert, die schon seit einiger Zeit unbeachtet in meinem Regal stehen.

Als Sahnehäubchen sind am Ende von „Tolstoi und der lila Sessel“ alle 365 Titel aufgelistet. Nach der Lektüre nicht sofort in die nächste Buchhandlung zu stürmen, verlangt einiges an Selbstdisziplin…

Ich sass allein mit meinem Buch unter dem Licht der Lampe, und mir war, als sässe ich in einem dunklen Theatersaal vor eine Bühne, auf die ein Scheinwerfer gerichtet ist. Das ganze Stück wurde für mich allein gegeben, ohne Pause, ohne Unterbrechung, jedes Wort in Festbeleuchtung.

Fazit: Eine ganz persönliche Liebeserklärung an die Literatur und eine Schatzkiste voller Buchtipps. „Tolstoi und der lila Sessel“ ist ein wunderbares Geschenk für alle Büchernarren.  Wobei mein Exemplar garantiert für alle Zeiten ein festes Zuhause in meinem Bücherregal haben wird.

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Geiz ist nicht geil!

9783593396644Es mag ja noch Menschen in unseren Breitengraden geben, die die schicken Manufactum-Kataloge nicht kennen. Ich oute mich hier schon einmal als Fan davon.  Und das obwohl meine letzte Anschaffung, eine platzsparende Salatschleuder , mich nicht in Begeisterungsstürme versetzen konnte. Im Gegenzug dazu ist die vor Jahren aus dem Hause Manufactum bei mir eingezogene Papiertopfpresse der Hammer.
„In vielen Ländern der Welt kann eine Familie von einer Kuh leben. In unserer modernen Welt kann selbst ein lediger und kinderloser Bauer nicht einmal von hundert Kühen leben“.
Billig, billiger am billigsten. „Notdurftanstalten“ nennt Uli Borchardt die Supermärkte, Discounter und Billigwarenhäuser in die der Durchschnittsbürger pilgert wie die Lemminge in Richtung Abgrund. Dass die Tomaten nie Erde gesehen haben, die in China unter fragwürdigen Bedingungen produzierte Gartenschere, die Schnäppchen-Stiefel weil kaputt und planmässig nicht reparierbar nach einer Saison zur Wegwerfware mutieren, ist zur Normalität geworden.  Die „Geiz ist geil“-Mentalität ist in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Es wird ignoriert, dass dieses Verhalten sich nicht verträgt mit der Idee, dass alle für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden wollen. Dass Sortenvielfalt und solides Handwerk vom Einheitsbrei-Allerlei verdrängt wird, scheint kaum zu interessieren. Dabei ist es wesentlich preiswerter, auf Qualität zu setzen. Jedes Jahr zwei Paar Wegwerfschuhe zu kaufen ist nachweisbar teurer als alle fünf Jahre ein solides Paar. Mit dem vorliegenden Buch plädiert Uli Burchardt für das Prinzip  „kaufe weniger, aber wertvoller!“ Der Autor war Marketing- und Vertriebschef bei Manufactum. Diese Tatsache ist natürlich stark spürbar und so kommt das Buch stellenweise auch ein wenig wie eine Werbeschrift für Manufactum rüber. Weil seine Aussagen aber so schlüssig sind, stört das beim Lesen überhaupt nicht. Es steckt sehr viel Wissenswertes zwischen diesen, nebenbei bemerkt hochwertig gestalteten, Buchdeckeln.
Fazit: Informativ und spannend. Ein Buch, dem ich eine ganz grosse Leserschaft wünsche. Absolute Leseempfehlung!
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