365 Tage, 365 Bücher und ein lila Sessel

cover final-sankovitchNina Sankovitch war schon immer eine leidenschaftliche Leserin. Diese Liebe zu Büchern wurde ihr in die Wiege gelegt.  Als ihre Schwester erst 46jährig an Krebs stirbt, ist Nina Sankovitch’s  Trauer grenzenlos. Und so verschreibt sie sich eine unkonventionelle und aufwändige Selbsttherapie. Sie liest 365 Bücher in 365 Tagen und bespricht jedes einzelne auf ihrem sehr bald vielbeachteten Blog readallday.   Durch die Bücher findet sie zurück in ein erfülltes Leben. Wie sie diesen von Oktober 2008 bis Oktober 2009 dauernden Lesemarathon erlebt,  welche Erinnerungen ihr dabei durch den Kopf gehen und was das Gelesene in ihrem Innern bewirkt, berichtet sie in „Tolstoi und der lila Sessel“. Dass ihr Ehemann und ihre vier gemeinsamen Söhne ihre experimentelle Therapie unterstützen, hat schon fast etwas Märchenhaftes.

Ich wollte in Büchern versinken und als ganzer Mensch wieder auftauchen.

Vier Regeln erlegt sie sich auf: Die Bücher dürfen nicht mehr als 2,5 cm dick sein. Jedes Genre ist erlaubt und am Sonntag ist Krimi-Tag. Jedes Buch wird am Tag nach der Lektüre rezensiert.

Atemlos und innerhalb eines Wochenendes habe ich Nina Sankovitch’s literarische Reise zurück ans Licht mitverfolgt und dabei nicht nur Bücher entdeckt, die ich unbedingt noch lesen muss sondern mich auch an Bücher erinnert, die schon seit einiger Zeit unbeachtet in meinem Regal stehen.

Als Sahnehäubchen sind am Ende von „Tolstoi und der lila Sessel“ alle 365 Titel aufgelistet. Nach der Lektüre nicht sofort in die nächste Buchhandlung zu stürmen, verlangt einiges an Selbstdisziplin…

Ich sass allein mit meinem Buch unter dem Licht der Lampe, und mir war, als sässe ich in einem dunklen Theatersaal vor eine Bühne, auf die ein Scheinwerfer gerichtet ist. Das ganze Stück wurde für mich allein gegeben, ohne Pause, ohne Unterbrechung, jedes Wort in Festbeleuchtung.

Fazit: Eine ganz persönliche Liebeserklärung an die Literatur und eine Schatzkiste voller Buchtipps. „Tolstoi und der lila Sessel“ ist ein wunderbares Geschenk für alle Büchernarren.  Wobei mein Exemplar garantiert für alle Zeiten ein festes Zuhause in meinem Bücherregal haben wird.

Für weitere Infos zu diesem Kleinod geht es hier lang.dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

Zwei an einem Tag von David Nicholls

Einmal mehr hatte hier Christine Westermann eine Perle in meine Richtung geschickt. Und einmal mehr muss ich ihr recht geben.

Dexter und Emma lernen sich am Ende des Studiums kennen. Emma selber sieht sich eher als Mauerblümchen während Dexter ein Womanizer ist wie er im Buche steht. Er ist ungemein attraktiv, er ist cool und zu allem Übel ist er sich all dessen bewusst. Jedes weibliche Wesen, das nicht bis drei auf den Bäumen ist, nimmt er mit. Und genauso schnell, wie er sie verführt hat, genauso schnell wendet er sich schon der Nächsten zu. Emma weiss, dass eine Affäre mit Dexter ihr das Herz brechen würde. Deshalb lässt sie die Finger davon und die beiden werden beste Freunde; echte beste Freunde. Zwanzig Jahre gehen ins Land und jeweils am 15. Juli, dem Jahrestag des Kennenlernens, werden wir Zeuge davon, wo Dexter im Leben steht und was bei Emma passiert. Mir als Leserin ist sehr schnell klar, dass die beiden füreinander bestimmt sind. Dass sie ständig aneinander vorbeilaufen, treibt mich mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung. „Jetzt macht doch endlich“, möchte ich die beiden anschreien. Aber es hilft nichts; da muss ich durch. Ob sie sich am Ende finden? Lest selber.

„Zwei an einem Tag“ ist eine der besten Liebesgeschichten, die mir bisher unter die Augen gekommen ist. Witzig, betörend und poetisch. Sowohl Emma als auch Dexter haben sich auf ihre ganz eigene Art in mein Herz geschlichen und ich habe die beiden am Ende des Buches nur sehr ungern verlassen. Bei aller Beweihräucherung muss ich aber doch eines kritisieren: Die Kurve zu einem stimmigen Ende hat David Nichols meiner Meinung nach nicht gekriegt. Aber weil alles davor so umwerfend geschrieben war, sei ihm das verziehen. Dieses Buch war mein erstes, aber ganz bestimmt nicht mein letztes Buch von David Nichols.

Diese wunderbare Geschichte wurde inzwischen sehr gelungen verfilmt. Da bleibt es nicht aus, dass Kein & Aber die Gunst der Stunde nutzt und mit einer kleinformatigen Sonderausgabe aufwartet. Und was für eine! Fast 800 Seiten in Dünndruck, gebunden in leuchtend orangefarbenes Leinen. Dass auch an ein Lesebändchen gedacht wurde, ist ein kleines aber feines Detail.  Wer noch nicht im Kino war – unbedingt nachholen (!) – kann auf dem dezenten Umschlag dieser Sonderausgabe einen Blick auf die Darsteller von Em und Dex – Anne Hathaway und Jim Sturgess – werfen. Optisch ein wahres Juwel für das Bücherregal.

Es soll ja Leserinnen und Leser geben, die es grundsätzlich ablehnen, Verfilmungen von geliebten Büchern anzuschauen. Ich gehöre nicht dazu und gebe diesen – nicht immer aber immer öfter –  eine Chance. Bei „Zwei an einem Tag“ hat sich das gelohnt.

Fazit: Danke, Herr Nicholls. Danke, Frau Westermann!

Für weitere Infos zur Sonderausgabe von „Zwei an einem Tag“ geht es hier lang.

Wem dieser Titel gefällt, den könnte auch „Elf Leben“ von Mark Watson begeistern.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

„Ich bin das Christkind“, sagte er leise. „Was?“, lachte sie auf. „Wer bist du?“ „Das Christkind“. Josh schaute sie ernst an. Mit einem Blick, der keinen Zweifel duldete.

Nur 89 Seiten dick ist dieses rotsamtene Büchlein mit goldener Aufschrift. Darin versteckt sich eine anrührende aber keineswegs kitschige Geschichte.

Es ist Dezember, als die mit beiden Beinen fest am Boden stehende Anne auf der Strasse den etwa zwölfjährigen Josh kennenlernt. Sie kann sich nicht erklären, was an diesem Jungen sie so sehr berührt. Dass er freundlich und bestimmt darauf besteht, das Christkind zu sein, findet sie bestenfalls originell. Aber Josh scheint anders zu sein; anders als alles was Anne bisher begegnet ist. Mit stiller Beharrlichkeit hält er an seiner Aussage fest; bis die harte Schale Annes irgendwann Risse bekommt.

Fazit: Eine kurze Geschichte mit Tiefgang; Das perfekte Mitbringsel im Advent für alle, die gerne zwischen den Zeilen lesen.

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Elfe an Storch…..

Da will man nur mal wieder einen Cappuccino in bibliomaner Umgebung geniessen und schon kriegt man von der Lieblingsbuchdealerin wieder Inspirationen vorgesetzt…..

Vergesst sie, die Söckchen und Mützchen und Plüschbärchen als Mitbringsel zur ersten Baby-Besichtigung. Viel besser ist dieses Bilderbuch, das den Mamis und Papis auf hinreissende Art und Weise nahe bringt, warum ihre Minis – und sie selbst – Bücher brauchen. Eigentlich sollte der Storch  das Buch standardmässig gleich mitliefern…

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