eine ganze Welt inmitten des Waldes

Schon äusserlich fällt „Wildwood“ aus dem üblichen (Bücher)rahmen. Mit einem Format von 15 x 19.5 cm entspricht es nicht gerade den gewohnten Massen für ein gebundenes Buch. Das farbenfrohe Cover, der Klappentext und auch der Trailer lassen auf ein märchenhaftes Abenteuer hoffen.

Nicht in ihrem schlimmsten Alptraum hätte sich die zwölfjährige Prue das ausmalen können. Ein Schwarm Krähen schnappt sich ihren einjährigen Bruder und fliegt mit ihm davon. Das alleine wäre ja schon eine Katastrophe. Aber mit anzusehen,  wie  die Krähen mit dem kleinen Mac in die „Undurchdringliche Wildnis“ verschwinden, ist mehr als beängstigend. Die „Undurchdringlche Wildnis“ ist für die Menschen rund um Portland eine absolute No-Go-Aerea.  Prue weiss nicht, was sie dort  erwartet; sie weiss nur eins: Sie muss Mac zurückholen. Curtis, ihr Mitschüler, folgt ihr unbemerkt und erweist sich als wahrer Segen bei der Rettungsaktion. Ein märchenhaftes Abenteuer beginnt und mit ihm der Kampf zwischen Gut und Böse.

„Das ist unglaublich“, murmelte Prue endlich. Inzwischen hatte sie sich von dem Schock etwas erholt, den Wald zum Leben erwachen zu sehen. „Ich kann gar nicht fassen, dass es all das hier die ganze Zeit gab und ich nichts davon wusste.“

Prue und Curtis gehen schon bald getrennte Wege und der Autor erzählt abwechselnd von ihm und von ihr. Sprechende Tiere verschiedenster Gattung, eine Räuberbande, eine Vogelarmee und vieles mehr kreuzen mal in guter, mal in schlechter Absicht,  die Wege der beiden Kinder. Aber Prue lässt sich von ihrem Ziel, Mac nachhause zu bringen, nicht abbringen. „Wildwood“ ist ein spannendes Kinder- und Jugendbuch, das auch Erwachsene begeistern kann. Mich jedenfalls hat es rasch in den Bann gezogen und mich so manches Mal an „Alice im Wunderland“ erinnert. Die paar Längen in der Geschichte – fünfhundert Seiten hätten es auch getan – sind verzeihlich. Die wunderschönen Illustrationen tun ihres dazu. Allerdings gehe ich wegen der stellenweise heftigen Kampfszenen nicht einig mit dem Verlag, der das Buch schon für Zehnjährige empfiehlt.

Fazit: Märchenhaftes All-Age-Abenteuer. Die Website von Colin Meloy und Carson Ellis lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Näheres zu diesem Titel gibt es hier 

Kinder zum Lesen verführen

Bevor ich jetzt viele Worte zu Band zwei der Trilogie rund um den tapferen kleinen Edward, empfehle ich einen kurzen Ausflug zur Rezension von Band eins.  Es ist schon ein Weilchen her, seit ich Edward kennen lernen durfte. Vielleicht schien mir auch darum der Einstieg in seine Welt etwas holprig. Wer aber die beiden Bände in einem Rutsch liest, wird diese Schwierigkeit sicher nicht haben.

Ganz schön happig, was da von Edward erwartet wird. Er soll ein Brückenbauer zwischen den Welten sein. Aber der Lohn der winkt, ist unfassbar: Wenn alles gut läuft, kann er seine totgeglaubte Mutter wiedersehen. Sie wird von dem berüchtigten Schakal gefangen gehalten. Was also bleibt ihm übrig, als all seinen Mut zusammenzunehmen und seinen Feinden entgegenzutreten. Ein Glück, dass er auf Verbündete zählen kann.

Wie schon beim ersten Band ist die Botschaft an seine jungen Leser augenfällig: Es lohnt sich, für eine wichtige Sache seinen ganzen Mut zusammenzunehmen; sogar dann, wenn man so etwas wie Mut noch gar nicht spürt. Auch dieses Mal ist die Gestaltung so, dass junge Leser dranbleiben können.

Fazit: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Jason Lethcoe mit seiner Trilogie nichtlesende Kinder zum Lesen verführt. Also Daumen hoch für dieses Buch.

Für weitere Informationen zu diesem Titel geht es hier lang.

Der mysteriöse Mr. Spines – Wings von Jason Lethcoe

Mit diesem Buch habe ich seit langem wieder einmal einen Ausflug in den Bereich Kinderbücher gewagt. Meine eigene Kinderzeit ist ja schon viele hundert Bücher her; und was soll ich sagen? Schön war’s.

Ich freue mich immer sehr, wenn ein Verlag sich die Mühe macht, ein Buch schön zu gestalten. Bei diesem ist das absolut gelungen. Das Cover ist nicht nur zauberhaft schön sondern vermittelt sofort einen Eindruck des Protagonisten Edward. Er ist ein einsamer, ein trauriger kleiner Junge. Er hat eine besondere Beziehung zu Karten, er ist gross, spindeldürr  und das ist das Spektakuläre an ihm:  er hat Flügel. Grosse, wunderschöne ebenholzfarbene Flügel. Bevor ich das Buch überhaupt erst aufschlage, hat Edward mich bereits eingesackt; er tut mir furchtbar leid.

Ich fange an zu lesen und erfahre, dass der 14jährige Edward MacLeod  Waise ist und auf eine Schule für schwererziehbare Kinder geht. Dort wird er unter anderem wegen seines heftigen Stotterns gemobbt.  Er hätte also eigentlich schon genügend Probleme. Und dann auch noch das: Eines Tages wachsen ihm diese Flügel. Gleichzeitig tauchen mysteriöse Gestalten auf, die behaupten bei einer wichtigen Aktion seine Hilfe zu brauchen.Und plötzlich steckt Edward mitten drin in einem lebensgefährlichen  Abenteuer, bei dem er erst herausfinden muss, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Für die eigentliche Zielgruppe – Leser ab zehn Jahren – ist das Buch perfekt gestaltet. Kurze Kapitel mit Überschriften, die richtig Lust auf’s Weiterlesen machen. Und falls einmal der Überblick über die verschiedenen Gestalten verloren gehen sollte, hilft das umfangreiche Glossar am Ende des Buches bestimmt weiter.

Fazit: Liebevoll gestalteter Auftakt zu einer mehrteiligen Abenteuergeschichte.

Wer noch mehr Details zu diesem Titel wissen möchte, geht am besten hier lang. Wer schon einen Blick auf die Cover der Fortsetzungen werfen will, sollte sich aufmachen zur Website von Jason Lethcoe. Wie nicht anders zu erwarten, sind sie märchenhaft.