Malorie Blackman – Himmel und Hölle

185822328_617730afd1In der Regel lasse ich mich von den Lobhudeleien auf den Buchumschlägen nicht verführen. Die Verlage müssen ihr Produkt ja anpreisen. Aber „… von den TIMES-Lesern zu den „100 Lieblings-büchern aller Zeiten“ gewählt“ hat mich dann doch aufhorchen lassen. Also gleich mal in der Bibliothek eingepackt und mitgenommen.
Nur so viel: In der von Malorie Blackman erschaffenen Trilogie geht es um die Zweiklassen-Gesellschaft der schwarzen Alphas und der weissen Zeros.  Zur detaillierten Inhaltsbeschreibung geht es hier lang  Die Protagonisten, das Alpha-Mädchen Persephone und der Zero-Junge Callum, erzählen ihre Geschichte abwechselnd aus ihrer eigenen Perspektive. Das hat den wunderbaren Effekt, dass beide einen  gleichermassen ans Herz wachsen. „Himmel und Hölle“ ist stellenweise recht vorhersehbar.  Was aber keineswegs störend ist, schliesslich handelt es sich hier nicht um einen Krimi. Hier geht es um etwas ganz anderes. Man nehme einen grossen Teil Gesellschaftskritik, einen ordentlichen Teil Spannung und einen Schuss Liebesgeschichte. Ja, das ist der Stoff, aus dem dieses Jugendbuch mit Pageturner-Qualität gesponnen wurde. Und wenn ich die Ohren spitze, höre ich den Fortsetzungsband „Asche und Glut“ schon ganz leise nach mir rufen. Bibliotheken sind was Feines…

Manchmal lohnt sich das Schwimmen mit dem Bestseller-Strom durchaus

Nein, dieses Buch lese ich nicht! Was derart gehypt wird, kann mich mal. Muss ich denn wirklich lesen, was scheinbar  alle lesen? Wenn ein Buch in aller Munde ist, löst das bei mir  erst einmal Abwehrreflexe aus. Also habe ich bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erst einmal auf Durchzug gestellt. Bis zum Tag X, als die „lies es!“-Botschaft von Christine Westermann durch den Äther direkt in mein Ohr rauschte.. Mhm, Christine Westermann hat sich in der Vergangenheit als die Frau mit den todsicheren Buchempfehlungen gezeigt. Na dann bitte, her mit dem Schicksal!
Und ja, Bingo!
Eine ganze Woche habe ich daran gelesen; langsam, denn ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte um Hazel Grace und Augustus kein Ende hat. Nach der Lektüre habe ich die Geschichte dann gleich meiner Lovelybooks-Freundin Streuner empfohlen, schwimme also seither beim Hype voll mit. Sie hatte es natürlich schon längst gelesen. Und was soll ich sagen; ihre Rezension sagt eigentlich alles.

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Vorhang auf für Streuner

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„Du hast mir mit deinen gezählten Tagen eine Ewigkeit geschenkt“

Mein erster Roman von John Green.
Mein zweiter Roman, in dem das Thema Krebs eine Rolle spielt.
Eigentlich mache ich, als Realitätsflüchtling, um solche Romane einen großen Bogen. Realität hab ich zu Hause genug und Literatur, die eventuelle Depressionen auslösen kann, gehört nur selten zu meinem bevorzugten Lesefutter. Manchmal macht mich aber die Inhaltsbeschreibung so neugierig, dass ich doch einen Versuch wage. So ging es mir schon bei „Die Bücherdiebin“ oder auch „Sieben Minuten nach Mitternacht“.
Und ich gestehe: auch einem gelegentlichen Hype kann ich mich nicht immer entziehen.
Dieses Buch hat jenseits des großen Teichs schon vor seinem Erscheinen einen riesengroßen Hype ausgelöst. Kommt ja eher selten vor, war aber ein sehr gelungener Schachzug des Autors.
Na gut – vor ein paar Wochen hat ein weiteres Buch einen noch viel größeren Hype ausgelöst. DER Wirbel lässt mich allerdings völlig kalt.
Nun aber zu diesem Buch:
Wie fast immer bin ich auch hier der Meinung, dass jedes Wort zum Inhalt ein Wort zu viel wäre. Lest euch die Inhaltsangabe oder den Klappentext durch und ihr wisst in groben Zügen, um was es geht. Den Rest lasst euch von John Green erzählen, der es auf so wunderbare Art und Weise schafft, seinen Charakteren Leben einzuhauchen. Ich habe nicht nur mit seinen Figuren mitgefühlt und mitgelitten.
– Ich war Hazel (mit dem Sauerstoffwagen im Schlepptau)
„Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt.“
– Ich war die starke Mutter oder auch der weinende Vater.
– Ich war der tobende Isaac und ich war sogar die grausame Monica.
– Aber vor allem war ich Augustus, der sympathische Junge, der so gerne ein Held sein will.
Ich habe mich andauernd gefragt, was ich selbst mit einer Krebs-Diagnose tun würde. Den Kopf einziehen und nur noch heulen, heulen, heulen? Und wenn alle Tränen vergossen sind? Sammelt man dann neue? Oder versucht man mit der Krankheit zu leben und so etwas wie Normalität in seinen Alltag zu bringen? Fragen, die sich wohl jeder stellt, der dieses Buch liest, denn wir alle kommen irgendwann nicht an diesem Thema vorbei. Entweder weil wir selbst betroffen sind oder weil sich der Krebs Verwandte, Bekannte oder Freunde aussucht.
„Nicht mal der Krebs ist ein richtiger Schurke: der Krebs will auch nur überleben.“
Es gibt so viele tiefgründige Sätze in diesem Buch, die ich am liebsten auf ein Stück Papier pinseln und die Wände damit tapezieren möchte. Ein philosophischer, trotz des ernsten Themas humorvoller, aber auch ein sehr schmerzhafter Roman. Letzteres nicht nur für mich, sondern auch für meine Lesebrille, die just auf Seite zweihundertundirgendwas bei dem Versuch, den beiden Gießkannen in meinem Gesicht Einhalt zu gebieten, das Zeitliche gesegnet hat. Na ja – kein großer Verlust – war schon länger mal Zeit für eine neue Lesehilfe.
Mein Fazit mache ich mir diesmal ganz einfach und zitiere einen Satz von Seite 36:
„Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben.“
Lest es!
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Danke, Streuner, für diese so treffenden Worte. Und danke, Christine Westermann, für die Beseitigung der elfschen Abwehr!
Weitere Infos zu diesem Kleinod gibt es hier.

eine ganze Welt inmitten des Waldes

Schon äusserlich fällt „Wildwood“ aus dem üblichen (Bücher)rahmen. Mit einem Format von 15 x 19.5 cm entspricht es nicht gerade den gewohnten Massen für ein gebundenes Buch. Das farbenfrohe Cover, der Klappentext und auch der Trailer lassen auf ein märchenhaftes Abenteuer hoffen.

Nicht in ihrem schlimmsten Alptraum hätte sich die zwölfjährige Prue das ausmalen können. Ein Schwarm Krähen schnappt sich ihren einjährigen Bruder und fliegt mit ihm davon. Das alleine wäre ja schon eine Katastrophe. Aber mit anzusehen,  wie  die Krähen mit dem kleinen Mac in die „Undurchdringliche Wildnis“ verschwinden, ist mehr als beängstigend. Die „Undurchdringlche Wildnis“ ist für die Menschen rund um Portland eine absolute No-Go-Aerea.  Prue weiss nicht, was sie dort  erwartet; sie weiss nur eins: Sie muss Mac zurückholen. Curtis, ihr Mitschüler, folgt ihr unbemerkt und erweist sich als wahrer Segen bei der Rettungsaktion. Ein märchenhaftes Abenteuer beginnt und mit ihm der Kampf zwischen Gut und Böse.

„Das ist unglaublich“, murmelte Prue endlich. Inzwischen hatte sie sich von dem Schock etwas erholt, den Wald zum Leben erwachen zu sehen. „Ich kann gar nicht fassen, dass es all das hier die ganze Zeit gab und ich nichts davon wusste.“

Prue und Curtis gehen schon bald getrennte Wege und der Autor erzählt abwechselnd von ihm und von ihr. Sprechende Tiere verschiedenster Gattung, eine Räuberbande, eine Vogelarmee und vieles mehr kreuzen mal in guter, mal in schlechter Absicht,  die Wege der beiden Kinder. Aber Prue lässt sich von ihrem Ziel, Mac nachhause zu bringen, nicht abbringen. „Wildwood“ ist ein spannendes Kinder- und Jugendbuch, das auch Erwachsene begeistern kann. Mich jedenfalls hat es rasch in den Bann gezogen und mich so manches Mal an „Alice im Wunderland“ erinnert. Die paar Längen in der Geschichte – fünfhundert Seiten hätten es auch getan – sind verzeihlich. Die wunderschönen Illustrationen tun ihres dazu. Allerdings gehe ich wegen der stellenweise heftigen Kampfszenen nicht einig mit dem Verlag, der das Buch schon für Zehnjährige empfiehlt.

Fazit: Märchenhaftes All-Age-Abenteuer. Die Website von Colin Meloy und Carson Ellis lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Näheres zu diesem Titel gibt es hier 

Die Insel. Die Kinder. Das Grauen

Bist du bereit für dieses Abenteuer?

Da hat uns der Pan-Verlag ganz schön heiß gemacht mit dem vielversprechenden Trailer zum Buch. Die Aufmachung des selbigen, sowie die unheimlichen Fotos, waren dann auch für mich Grund genug, mein angestammtes Psycho-Krimi- und Thriller Genre vorübergehend zu verlassen und ich las: Die Insel der besonderen Kinder.

Schon das Buch an sich ist durch Aufmachung und Gestaltung etwas Besonderes und schon allein der Optik wegen eine Bereicherung für jedes Bücherregal. Allerdings zahlt der Leser auch einen Preis dafür und bewundert nicht nur die eindrucksvollen Fotografien ….  sondern riecht sie auch deutlich.

Ransom Riggs schreibt seinen Text in einem wunderbaren Stil, der den Leser zu verzaubern und zu fesseln weiß. Andererseits macht sie auch das innere Auge Dinge sehend, die so schnell nicht mehr loslassen. Seitdem sehe ich ständig die Kinder mit Gasmasken fasziniert auf einen lodernden Himmel schauen ….. ich denke, die Filmrechte dürften auch schon unter Dach und Fach sein. Manche der herauf beschriebenen Szenen, ließen mich zweifeln, ob „Jugendbuch“ in Ordnung ist.

Mit fortschreitender Geschichte, wurde es mir mit der fantastischen Literatur allerdings etwas zu bunt und zu fantastisch (Sorry. liebe Fantasy-Fans).  Besonders zum Ende empfand ich das ansonsten so gelungene Debüt als eine Mischung aus vielem (und vor allem bekannten)….. ein bisschen Inselabenteuer, ein bisschen Lovestory, ein bisschen Harry Potter und die Monster könnten geradewegs einem Steven King Roman entsprungen sein. Die Schlusssequenz zieht sich fast endlos – ich hab sie letztendlich nur noch quergelesen – um dann zu einem offenen Ende zu gelangen – Fortsetzung ist natürlich schon in Planung!

Fazit: Der Genre-Ausflug hat sich durchaus gelohnt. Nette Idee, nettes Buch. Für fünf Sterne und den Gedanken „ich muss unbedingt die Fortsetzung lesen“ reichte es aber leider nicht.

Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang. 

wenn das Monster erscheint; sieben Minuten nach Mitternacht

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Wer meint, Lesen sei eine einsame Sache, irrt gewaltig.  Wir, die Lesen als wahre Leidenschaft betreiben,  tauschen uns aus und tauchen förmlich ab in das Geschehen zwischen den Buchdeckeln. Im besten Fall endet dieses gemeinschaftliche Lesen in einer ebensolchen Besprechung. Wie die vorliegende, in der thursday und ich uns mit „sieben Minuten nach Mitternacht“ beschäftigt haben.

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Sieben Minuten nach Mitternacht, wacht Conor aus einem Albtraum auf. Um ihm aus seinem ganz persönlichen Albtraum in der Realität herauszuhelfen, braucht es ein Monster.
 Es erscheint.

Wir sind lange um dieses Buch mit fragendem Blick herumgeschlichen. Sollen wir das wirklich lesen? Denn was hochgejubelt wird – und dieses Buch hat beim Lovelybooks-Leserkompass 2011 immerhin den 2. Preis bei der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“ gewonnen – reizt uns in der Regel nicht. Aber dass Patrick Ness richtig gut schreiben kann, wissen wir;  Immerhin hat thursday die Teile eins und zwei seiner New World-Trilogie mit Begeisterung gelesen. Die Elfe hinkt noch etwas hinterher und hat Teil zwei und drei noch vor sich. Für manche, die schon alle gelesen haben, ein beneidenswerter Zustand…..

Aber jetzt zu „sieben Minuten nach Mitternacht“:

Die Geschichte baut auf dem Plot der 2007 an Krebs verstorbenen Siobhan Dowd, auf. Ness lernte diese nie persönlich kennen, schätzte ihre Bücher aber sehr.

„Ich hatte damals das Gefühl – und habe es bis heute -, als sei mir ein Staffelstab in die Hand gedrückt worden, als habe eine einzigartige Schriftstellerin mir ihre Geschichte mit den Worten übergeben:
 „Jetzt bist du dran. Lauf los. Stifte Unruhe“. Genau das hat „Sieben Minuten nach Mitternacht“ bei Bücherelfe und thursday getan!

Der Roman erschüttert. Kratzt an den Tabuthemen Krebs und Tod. 
Zerrt die Sprachlosigkeit, die entsteht und auf alle Beteiligten übergreift, wenn jemand davon betroffen ist, schmerzhaft ans Licht und zeigt auf, wie 
durch eben dieses Verschweigen das Leid noch viel unsäglicher wird.
 Ness beherrscht die einfache klare Sprache meisterlich und führt gerade damit in Abgründe. Er zeigt auch auf, wie entscheidend es ist, dass bei einer solchen Katastrophe eine Person den „Fels in der Brandung-Part“  übernimmt und die Übersicht behält. In Conor’s Geschichte hat die Grossmutter diese Funktion inne. Mit scheinbarer Gleichmut hilft sie Conor letztendlich das Schreckliche zu ertragen.

„Du und ich, Conor“, sagte sie, „wir passen nicht besonders gut zusammen, oder?“. „Nein“, sagte Conor. „Ich glaube nicht.“  „Ich auch nicht.“ Sie bog so schnell um eine Kurve, dass Conor sich am Türgriff festklammern musste, um aufrecht sitzen zu bleiben. „Aber wir werden es lernen müssen, weisst du“, sagte sie. Conor schluckte. „Ich weiss“. Ein Schluchzen brach aus ihr heraus. „Ja, nicht wahr?“, sagte sie. „Natürlich weisst du das“.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist brutal, schonungslos obwohl oder gerade weil das instinktive Gefühl des Lesers mit Sätzen,  die zwischen den Zeilen stehen, direkt angesprochen wird.

Ein großes Lob an Jim Kay, den Illustrator , der mit seinen sensiblen, aus- und eindrucksvollen schwarzweißen Monsterzeichnungen das Beklemmende zauberisch skizzierte.

Ob gerade die Zielgruppe, Jugendliche,  damit klarkommt . Wir können es nicht beurteilen.
 Uns hat das Buch gebeutelt, durch den Wolf gedreht und nicht losgelassen. Extrem schmerzvolles Lesen, welches den Kopf auch während der Nichtlesezeit mit der ganzen sich auftuenden Gefühlspalette beschäftigt hielt, war das Ergebnis.

Am Ende wird Ness mit diesem Satz das gesamte Buch einfangen: „Wenn du die Wahrheit aussprichst,“ flüsterte das Monster ihm ins Ohr, „wirst du allem ins Auge blicken können, egal was passiert“.

Alleine lassen sollte man sein Kind mit diesem Buch nicht!  Für ein Kind, das aktuell mit einer solchen traumatischen Situation konfrontiert ist, könnte es hilfreich sein. 
Vielleicht. Einmal gelesen wird man es jedenfalls nie mehr aus dem Kopf schaffen können. 
Und das ist gut so!

Fazit: 5 Sterne, Strike Mr. Ness! 

Für weitere Infos inkl. Leseprobe zu diesem Titel geht es hier lang.

Die Tribute von Panem gibt’s jetzt auch bei Audible im Download

Wer schon länger Elfbox liest, weiss, dass der erste Band der Trilogie rund um Katniss Everdeen mich begeistert hat –  wer die Rezension dazu noch nicht gelesen hat, darf das an dieser Stelle gerne nachholen. Dass es das Hörbuch jetzt auch als Download bei Audible gibt, hat das Elfenherz natürlich hüpfen lassen. Wo doch Platz im bibliophilen Haushalt je länger je mehr ein rares Gut wird….. 🙂

Hörbuch „Tödliche Spiele“ (Die Tribute von Panem 1) von Suzanne Collins, gelesen von Maria Koschny. 6 Std. 23 Min. (gekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für 17.95 € oder im Flexi-Abo für 9.95 €. Zur Hörprobe geht es hier lang. 

Der Märchenerzähler von Antonia Michaelis

Vorab eines: Antonia Michaelis‘ Sprachstil mag ich sehr.  Sie zaubert zwischendurch Poesie pur aufs Papier und hat es sich damit auf jeden Fall verdient, dass ich mir ihre anderen Bücher näher anschaue. Aber die Geschichte mit dem Märchenerzähler kann ich einfach nicht mögen. Was genau mich stört, kann leider nicht ganz ohne Spoiler beschrieben werden. Wer also beabsichtigt, sich das Buch noch zu Gemüte zu führen, sollte vielleicht das Lesen dieser Rezension vertagen.

Die Welt der Märchen war einfach: Gut und Böse, kalt und warm, Sommer und Winter – schwarzes Schiff und weisse Segel.

Ich verzichte für einmal bewusst auf nähere Angaben zum Inhalt. Die Gefahr, zu viel zu verraten wäre gross. Wer mehr wissen will als der Trailer preisgibt, kann hier nachlesen.

Abel und Anna entsprechen so gar nicht den Menschen, die ich mir für eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte wünsche. Denn sie begegnen sich zu keinem Zeitpunkt auf Augenhöhe.  Dass Anna Abel unentwegt anschmachtet und dieser sie meist im Regen stehen lässt, macht keinen der beiden sympathisch. Natürlich haben beide für ihr jeweiliges Verhalten letztendlich Gründe.  Ob es gute Gründe sind, müssen die geneigten Leserinnen – in der Mehrzahl wird die Leserschaft des Märchenerzählers wohl weiblich sein – selber entscheiden.  Mir genügen sie jedenfalls nicht. Denn nichts rechtfertigt das, was Abel seinen Mitmenschen antut; gar nichts. Ganz abgesehen davon ist das Ende dieser Geschichte allzu Friede, Freude, Eierkuchen und das ist für mein Empfinden einfach eine höchst seltsame Botschaft.

Fazit: Sprachlich Top, Inhaltlich Flop. Wegen Ersterem werde ich mir weitere Bücher von Antonia Michaelis sicher näher anschauen.