Claude Cueni – Der Henker von Paris

9783857874338Fast hätte ich es ungelesen in die Bücherei zurückgebracht. Denn die ersten fünfzig Seiten dieses historischen Romans über die Henker-Dynastie Sanson waren zäh. Nicht eben wegen des unschönen Themas an sich sondern wegen des Schreibstils. Die Sprache wirkte auf mich allzu hölzern. Also Buch einpacken und zurück in die Bücherei damit; das war zumindest der Plan. Hätte ich auf dem Weg dorthin nicht mangels Alternative noch ein wenig weitergelesen. Und wider Erwarten wurde die Sache wahnsinnig interessant. Das Buch wollte unbedingt fertig gelesen werden.

Claude Cueni’s Roman handelt von einem Mann, der aufgrund seiner Herkunft dazu verdammt ist, Henker zu werden. Der Beruf des Henkers wird von Vater zum Sohn weitergegeben; so war das schon immer und da interessiert nicht, dass Charles-Henri Sanson sich zum Arzt berufen fühlt. Es gibt kein Entrinnen. Weder für ihn noch für seinen Erstgeborenen.  Alleine während  dieser Revolution richtet Sanson unter anderem mit Hilfe der eiligst erfundenen Guillotine rund dreitausend Menschen hin. Das Volk ist in einem wahren Blutrausch und Sanson muss als sogenannter „Monsieur de Paris“ richten. Wer nun glaubt, dass es sich hier einfach um einen gruseligen Roman handelt, täuscht sich. Claude Cueni hat  gründlich recherchiert. Die Sanson-Henkersdynastie gab es tatsächlich. Und Charles-Henri Sanson war der letzte grosse Henker von Paris. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie er gelebt hat, dem sei dass vorliegende Buch ausdrücklich empfohlen.

Fazit: Interessantes Buch rund um ein wirklich grausiges Thema.  

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Leserausch garantiert!

041998224-im-rausch-der-freiheitMit 1150 Seiten ist Edward Rutherfurd‘s Reise durch 400 Jahre New Yorker Geschichte ein echter Wälzer. Von der Mitte des 17. bis ins 21. Jahrhundert begleiten wir vier Einwandererfamilien. Sie stammen aus Holland, Deutschland, Italien und England und suchen alle auf die eine oder andere Art ihr Glück. Rutherfurd lässt uns tief eintauchen in die jeweiligen Familiengeschichten; Wer Familienromane mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Zwischen diesen Buchdeckeln findet sich vieles, was man schon über die Ereignisse in diesen vier Jahrhunderten gehört oder gelesen hat.. Ob Sklaverei, Bürgerkrieg, Prohibition mit ihren Flüsterkneipen, Rassenunruhen, Korruption oder Little Italy. All das und vieles mehr kommt zur Sprache. Persönlichkeiten wie der grosse Caruso, George Washington, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt. Multimillionär John Jacob Astor und der legendäre Bankier J.P. Morgan werden auf solch lebendige Art porträtiert, dass man sie förmlich vor sich sieht. Das gilt übrigens auch für die vier fiktiven Einwandererfamilien mit ihren zahlreichen Nachkommen.

Schon die ersten Seiten haben die Filmspule zum Kopfkino der allerfeinsten Sorte anlaufen lassen. Auf wundersame Weise wurde ich ins 17. Jahrhundert reingezogen um 1150 Seiten später im 21. Jahrhundert wieder ausgespuckt zu werden. „Im Rausch der Freiheit“ ermöglicht mit seinem Mix aus Geschichtsbuch und Roman einen echten Lese-Rausch. Wer dieses Buch wie ich in mehreren grossen Happen  verschlingt, wird das fehlende Personenverzeichnis kaum vermissen.

Ich werde mich künftig auf jeden Fall an die Fersen von Edward Rutherfurd heften. Wer so schreibt, den behalte ich im Auge.

Fazit: Mitreissend und ausserordentlich interessant. Absolute Leseempfehlung!

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ein historischer Pageturner

9783746623757Zuerst den Film, dann das Buch und dann nochmals den Film. Dieses an sich unsinnig klingende Prinzip habe ich bei Cormac McCarthy’s „die Strasse“ verfolgt. Ja, manche Filme lassen mich Bücher lesen, denen ich ansonsten keine Chance geben würde. Bei „Die Schwester der Königin“ habe ich das Prinzip leicht abgewandelt; Film, Film, Film, Film, nochmals Film – notabene schon ein wenig zeitlich verteilt – und dann das Buch. Nach dieser Lektüre kann ich mir die Rückkehr zum Film allerdings sparen. Denn meines Erachtens wurde da den potentiell klingelnden Kinokassen zuliebe gekürzt, geändert, geopfert.
Aber erst mal zum Inhalt. „Die Schwester der Königin“ ist ein historischer Roman, der seinen Rahmenhandlung direkt aus den Geschichtsbüchern gepflückt hat.  Wie viel historische Korrektheit in dem Roman steckt, kann und will ich nicht beurteilen. Es geht um Intrigen, Liebe und Verrat am englischen Königshof und beginnt im Jahr 1521. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Mary Boleyn, die auf Befehl ihrer Familie Mätresse von König Henry VIII wird. Mary ist zu dieser Zeit 14 Jahre alt und verheiratet. Den Entscheid ihrer Familie in Frage zu stellen, wagt Mary nicht. Einen eigenen Willen zu haben, scheint dieser Zeit für Frauen undenkbar. Der König braucht einen Thronfolger und einen solchen zu „beschaffen“ würde der Familie Ansehen und Macht verschaffen. Wie Schachfiguren werden Mary und ihre Schwester Anne herumgeschoben. Die egoistische und machtgierige Anne Boleyn ist das pure Gegenteil von Mary. Sie verdrängt auf Befehl ihrer Familie nicht nur Mary sondern auch Königin Katharina von Aragon, die langjährige Ehefrau des Königs. Und Anne erreicht ihr Ziel tatsächlich: Sie wird Königin von England. Aber der König ist ein launischer und tyrannischer Herrscher und Ehemann. Und wenn er Verrat wittert, reagiert er unbarmherzig.  Königin Anne zahlt einen hohen Preis für ihren Aufstieg.
Fazit:  Ein ungeheuer fesselnder historischer Roman. Ein echter Page-Turner. Auch wer um historische Romane sonst einen Bogen macht, kriegt hier echtes Kopfkino geboten
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DAS Antikriegsbuch schlechthin

9783716026625Nein, dies sind nicht die Memoiren eines Vietnam-Veteranen. „Matterhorn“ ist ein Roman. Und doch, ist er für Karl Marlantes weit mehr als das. In den 661 Seiten stecken seine Erinnerungen, seine Albträume, all das Unaussprechliche, das niemand hören wollte. 2010 in den USA erschienen, war „Matterhorn“ wochenlang auf den Bestsellerlisten und hat unzählige Preise eingeheimst.

Im Zentrum des Geschehens steht der 19jährige Second Lieutnant Waino Mellas. Er erhält den Befehl, an einem Hügel, genannt „Matterhorn“ an der Grenze zu Laos und Nordvietnam eine Feuerunterstützungsbasis auszubauen. Ein Befehl, der den jungen Männern alles abverlangt. Kaum geschafft, führt ein weiterer Befehl Mellas‘ Truppe vom „Matterhorn“ weg. Diese zweite Mission, die Nachschublinien der Vietcong zu unterbrechen, führt die schon erschöpften Männer direkt durch die Hölle und zurück. Nachdem klar ist, dass die Vietcong „Matterhorn“ besetzt haben, folgt der wahnwitzige Befehl, die zuvor selber ausgebaute Stellung zurückzuerobern. Koste es, was es wolle.

Er dachte an den Dschungel, der um ihn herum schon wieder nachwuchs, um die Narben zu bedecken, die sie geschlagen hatten. Er dachte an den Tiger, der tötete, um zu fressen. War das böse? Und Ameisen? Sie töteten ebenfalls. Nein,der Dschungel war nicht böse. Ihm war alles gleichgültig. Genau wie der Welt an sich.

Hier geht es nicht einfach um abscheuliche Verbrechen, die Menschen einander im Krieg  antun. Hier geht es auch um das unmenschliche Leben in der grünen Hölle. Um Blutegel, Krankheiten, Erschöpfung. Um tödliche Raubtiere, um Rassenkonflikte innerhalb der Truppe und um die permanente Panik, dass der nächste Schritt der letzte sein könnte. Anfangs habe ich mir die zugegebenermassen idiotische Frage gestellt, ob „Matterhorn“ in erster Linie ein Männerbuch ist. Die Frage war schon für mich nach wenigen Kapiteln beantwortet. „Matterhorn“ ist vor allem ein Menschenbuch. Das Wort „Vietnamkrieg“ weckt bei vielen die Assoziation mit Filmen, die die Kinokassen ordentlich klingeln liessen. Filme dieser Art sind gar nicht meins und ich habe keinen davon als Ganzes angeschaut, denn sie strahlen für mich etwas Kriegsverherrlichendes aus. Mit „Matterhorn“ hat Karl Marlantes etwas Gegenteiliges geschafft. Einen wahrhaftigen Antikriegsroman. Ich habe grössten Respekt vor diesem Mann.

Fazit: Beeindruckend! Ein Roman, der lange nachhallt und dem ich eine grosse Leserschaft wünsche. Im Mai 2013 erscheint ebenfalls im Arche Verlag Karl Marlantes zweites Buch „Was es heißt, in den Krieg zu ziehen“. Meine Aufmerksamkeit ist ihm jetzt schon sicher.
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Ein Juwel für die Abteilung Familienroman

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Der Westen Kanadas ist in den sechziger Jahren ein beliebter Fluchtpunkt für junge us-amerikanische Kriegsgegner. So auch für den jungen Hippie, Richard Jorden, der sich selber River nennt. Er heuert bei der Farmerfamilie Ward als Helfer an. Mit seiner sanften, freundlichen Art schleicht er sich schon bald in die Herzen der einzelnen Familienmitglieder.

RIVER JORDEN. Wie ein Fluss strömte er in unser Leben, so leicht, wie das Wasser seinen Lauf findet. Und wie Wasser sollte er zur rechten Zeit die ausfransenden Ränder des Widerstands runterspülen.

Noch ahnt niemand, dass River‘s Ankunft Dinge ins Rollen bringt, die wie eine Naturgewalt über die Familie brettern und das bisherige Idyll zerstören werden.

Natalie Ward, inzwischen 52 Jahre alt, blickt auf ihre Kindheit zurück. Auf dringenden Wunsch Ihrer sterbenskranken Mutter kehrt sie noch einmal zurück auf die Farm. Es ist an der Zeit, mit Geheimnissen aufzuräumen. Es ist an der Zeit, das Schreckliche irgendwie einzuordnen. Es ist an der Zeit zu verzeihen.

„So ist das mit den Worten“, sagte Boyer, „einmal ausgesprochen, sind sie wie verschüttete Milch, man kann sie unmöglich wieder einsammeln. Worte sind zu mächtig, als dass man sie gedankenlos benutzen sollte…“

Inhaltlich mehr zu verraten, wäre eine wahre Schande. Denn Donna Milner versteht es, die Geschichte leise vor sich hinplätschern zu lassen und dann und wann kleine Hinweise zu geben, was schiefgehen könnte. Bis zum ganz grossen Knall! Der Ausgang der Geschichte ist bis fast zum Schluss nicht vorhersehbar.  Wenn das Ende dann da ist, könnte man es durchaus als sehr amerikanisch und kitschig bezeichnen. Was mich bei diesem Roman aber ganz und gar nicht stört sondern ganz im Gegenteil einfach passend ist.

Fazit: Ein Juwel für die Abteilung „Familienroman“. 

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geteiltes Leid ist halbes Leid

959 Seiten sind ein ganz schöner Brocken. Aber dicke Wälzer haben mich noch nie abschrecken können; schon gar nicht, wenn die Inhaltsangabe so viel verspricht wie diese.

Lucy Marsden ist neunundneunzig Jahre alt, als sie sich entschließt, einem jungen Besucher ihre Lebensgeschichte und die ihres Mannes auf Band zu diktieren. Sie berichtet, wie William More Marsden im Alter von dreizehn Jahren zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Ned Smythe in den Dienst der Konföderiertenarmee – der Rebellen, wie sie auch genannt werden – gepreßt wird. Sie erzählt, wie Ned wenig später auf schreckliche Weise zu Tode kommt und wie William Marsden sein Leben lang unter diesem Jugendtrauma leidet. Sie schildert, wie sie dem damals schon fünfzigjährigen Bürgerkriegsveteranen Marsden mit fünfzehn Jahren begegnet und ihn bald darauf heiratet. Wie sie den Rausch der Liebe und die Hölle der Ehe kennenlernt. Wie sie neun Kinder gebärt und wieder verliert. Wie ihr Castalia, die ehemalige Sklavin ihres Gatten, als Haushälterin zugeteilt wird und wie sie über alle Rassenschranken und Vorurteile hinweg versucht, deren Freundschaft zu gewinnen. Sie berichtet vom Warten auf den Tod. Und davon, wie sie ihm immer wieder ein Schnippchen zu schlagen versucht.

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Wer hätte auch geahnt, dass dieses Buch gefühlte 2000 Seiten lang ist. Ein höchst seltsames Lese-Erlebnis; denn der beiläufig plappernde Erzählstil war nicht nur so gar nicht nach meinem Geschmack sondern hat mich zeitweilig regelrecht genervt; Dennoch war kein Loskommen von dieser Geschichte;  fast kam es mir vor, als sässe Lucy Marsden mir  im Lehnstuhl gegenüber und verlange mit strengem Blick absolute Aufmerksamkeit. Sehr schräg. Was ein Geschenk, dass es da eine Leidensgefährtin gab. Thursdaynext hat das Buch zufällig zeitgleich angefangen zu lesen. Hier eine kleine Kostprobe unseres Austauschs:

.… kam der Anfang dich ob der Sprache auch so schwer an ? Durchhalten !!!

… .bei der Rebellenwitwe halte ich noch etwas durch. Aktuell auf Seite 300. Die Sprache wird leider nicht besser *seufz* Aber die Geschichte ist noch zu gut, um abzubrechen. Aber ich kann für nichts garantieren…

… Habe die Witwe nach der Hälfte erstmal weggelegt , die Sprache ist einfach nicht zum drangewöhnen

… beruhigt , dass du sie ebenfalls mühselig findest 😉  Die Sprache ist abscheulich! Das Blöde ist , die Geschichte an sich interessiert mich. Mal sehen, ob ich einfach mal überblättere und den Rest mit 99 im Altersheim lese.

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Vorhang auf für Thursdaynext’s Rezension zur Rebellenwitwe.

„Dann ist er gestorben. Hat sein müssen.“

Lucille Marsden, aufgewachsen in einer Kleinstadt in Carolina, 15 jährig verheiratet mit einem traumatisierten“Rebellenheld“ der Konförderierten, mittlerweile im Altersheim einsitzend erzählt von ihrem Leben.

Pragmatisch dramatisch und mit, von Humor geprägtem, unbeugsamen Überlebenswillen 
schildert sie ihre 99 Erdenjahre auf 958 Seiten.
Ausschweifend, in scheusslich authentischer Sprache. Mehrmals war ich versucht das Buch ad acta zu legen. Genervt von Stil und Inhalt. Es kam immer wieder zurück und krächzte „Lies mich!“

Lucille gebar neun Kinder. Trotz einer Hochzeitsnacht die mehr einer Vergewaltigung glich, einer nie aufgehobenen Distanz, bedingt durch seelische Kriegsverletzungen und das (zu ihrer Zeit) noch erhebliche Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern, liebte sie ihren Cap. Manchmal. 
Wie in einer langjährigen Ehe üblich mal mehr, mal weniger. 
Geduldig und mitleidig erträgt sie seine Marotten, die Waffensammlung unter dem Bett, das nächtliche Kriegsalbträumen, die sexuelle Gier.

Cap scheint es wert gewesen zu sein. Mir, die ich im 21. Jahrtausend lebe, ist allerdings immer noch nicht verständlich weswegen. 
Vielleicht machte das die Faszination dieses Buches aus. Verstehen zu wollen, warum die träumerisch pragmatische Lucy ihren Alten nicht gleich nach der ersten bezogenen Prügel
 um die Ecke gebracht, sondern ihn jahrzehntelang mitgeschleift und erduldet hat. 
Humor, Sex, Erzählkunst und Helfersyndrom erscheinen als Begründung einfach nicht ausreichend.
 Captain Willi Marsden starb übrigens auf zwei verschiedene Arten!

Selbst Castalia, Lucilles anfängliche Feindin und später beste Vertraute, die in Nerz gehüllte ehemalige Marsden Sklavin, ertrug diesen nie ganz aus dem Krieg zurückgekehrten Macho, unter dessen Mutter und Herkunftsfamilie sie und zig andere vor der Befreiung gelitten haben.

Die stärksten Stellen waren für mich immer jene, in welchen Lucy ihren Alltag mit den Kindern, das Leben in der Kleinstadt, die Entwicklung in den verschiedenen Jahrhunderten 
schildert. 
Trotz des „tu und tät“-Erzählstils bunt, anschaulich und augenzwinkernd weise.
 Auch die Überlebenstips fürs Altersheim (vielleicht kann man sie mal brauchen) waren beeindruckend .
Wie sie sich ihre Neugier auf das Leben erhalten konnte, ist bewundernswert erzählt. 
Die Kriegserlebnisse des 13 jährigen Willie Marsden, dem späteren Cap, bleiben dagegen blass. 
Castalias und Lucilles innere Stärke prägt dieses Buch. 
Der verloren gegangene Süden schimmert durch, ebenso wie das Leid welches der Bürgerkrieg einer ganzen Generation Amerikaner angetan hat.

So faszinierend der Lebenstil des alten Südens war. Es ist gut, dass er unterging und mit ihm die Sklaverei. Auch dies wird in der „Rebellenwitwe“ klar herausgearbeitet. 
Jeder Krieg gründet auf finanziellen Interessen. Der amerikanische Bürgerkrieg wurde nicht geführt 
um die Sklaverei abzuschaffen, dieser Grund war vorgeschoben um die wirtschaftlichen Begehrlichkeiten des Nordens zu kaschieren. Die Abschaffung der Sklaverei war lobenswerter Nebeneffekt, edelte aber eben diesen genauso dreckigen, blutigen, grausamen Krieg der darin allen anderen gleicht.

Die Faszination von Allan Gurganus Roman liegt eben darin die Kleinigkeiten der Geschichte herauszuarbeiten . 
Versüßt mit feststehenden alltäglichen Lebensweisheiten, welche man sich immer mal wieder ins Gedächtnis rufen sollte . Man wird sie benötigen.

Fazit: Ein Roman der nervt, plagt und dennoch nicht loszuwerden ist.
Bewertung schwierig. Mehr als drei Wochen mit vielen Unterbrechungen hat mich dieses 
Buch begleitet. 
Vier Sterne werden es nun doch. Für fünf war es eine zu große Plage und drei sind definitiv zuwenig.

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Ich habe dieser Rezension nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen. Danke thursday für diese treffenden Worte. Es war mir eine Freude, mit dir gemeinsam zu leiden….

Der lange Weg von Joseph Boyden

„Wir sind grosse Jäger und die besten Freunde, stimmt’s“?“

Seit Kindertagen verbindet die beiden kanadischen Cree-Indianer Elijah und Xavier eine gemeinsame Geschichte. Schon bald kristallisiert sich heraus, was die beiden so sehr unterscheidet und was ihr weiteres Leben beeinflussen wird. Ganz anders als  Xavier hat Elijah bei der gemeinsamen Jagd keinerlei Scheu, Tiere zu töten. Im Gegenteil, es scheint ihm sogar Spass zu machen.

Auf Drängen von Elijah verdingen sich die beiden bei der kanadischen Armee und ziehen nach Flandern auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Anfangs als Wilde belächelt, verschaffen sie sich bald Respekt. Und wie schon auf der Jagd in ihren Kinderzeit teilen sie sich die Rollen. Xavier ist der Beobachter, Elijah der zielsichere Scharfschütze. Je länger je mehr verfällt Elijah in einen Rausch, unternimmt immer gefährlichere, blutigere  Aktionen. Xavier versucht verzweifelt, seinen Freund vor sich selber zu retten.

Schwer traumatisiert, verletzt – auf dem Schlachtfeld hat er ein Bein verloren – und abhängig von Morphium kehrt Xavier zurück aus dem Krieg. Seine Tante Niska, traditionell lebende Cree-Indianerin und Schamanin, holt ihn am Bahnhof ab und will ihn mit dem Kanu den Fluss entlang zurück nach Hause bringen. Xavier hat mit seinem Leben schon abgeschlossen. Drei Tage dauert die Reise; drei Tage, in denen Tante Niska mit allen Mitteln versucht, seine Seele so zu berühren, dass er weiterleben kann. Und so erzählt sie ihm Geschichten aus seiner Kindheit, aus ihrer Kindheit. Geduldig, in kraftvollen Bildern und mit sanfter Stimme.

Joseph Boyden, Kanadier mit indianischen, schottischen und irischen Wurzeln webt in diesem Roman unterschiedliche Zeitebenen zu einem raffinierten Teppich. Als hätte er mir mit dem Aufschlagen der ersten Seite einen Kompass überreicht, weiss ich immer, wo wir uns gerade befinden. Als würde ich auf leisen Sohlen durch die Wälder  streifen….

Fazit: Aussergewöhnlich, faszinierend, mystisch. Absolut lesenswert! Ein Autor, den ich auf alle Fälle im Auge behalten werde.

Wir bedanken uns beim Knaus-Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat. Für weitere Informationen zu diesem Titel geht es hier lang.