Ein wildes Herz von Robert Goolrick

Ein wildes Herz von Robert GoolrickVirginia, 1948. Eines Tages kreuzt er plötzlich auf in der beschaulichen Kleinstadt Brownsburg. Mit seinem alten ramponierten Pickup kommt Charlie Beale in der 538 Seelen-Gemeinde an und beschliesst, sich dort niederzulassen. Sein einziger Besitz scheinen nebst dem Auto die zwei Koffer zu sein; einer prallvoll mit Geld, der zweite enthält seine rasiermesserscharfen Schlachtermesser. Man muss wissen, Charlie Beale ist Metzger. Es dauert nicht lange, und er fängt an beim einzigen Metzger im Dorf zu arbeiten. Keiner schneidet die Steaks so perfekt wie er und die Hausfrauen schliessen ihn schnell ins Herz. Als er die auffallend schöne Sylvan kennen lernt, ist es um ihn geschehen. Wie ein Pinup-Girl sieht sie aus und passt so gar nicht in das verschlafene Nest. Sie ist mit dem reichsten – und hässlichsten – Mann in Brownsburg verheiratet. Auf welch ungewöhnliche Weise diese Ehe zustande kam, soll jeder selbst lesen. Es wäre eine wahre Schande, das an dieser Stelle zu verraten.
 
„Er wäre für sie gestorben, so wie er jetzt für sie lebte, für Sylvan und nur für Sylvan. Für sie würde er zu einem besseren Menschen werden, und er würde geduldig sein wie der bibliosche Hiob, er würde nichts sagen, keinen Druck ausüben, er würde alles wollen und nichts erwarten.“
Für den fünfjährigen Metzgerssohn, Sam, wird Charlie Beale  so etwas wie ein  zweiter Vater. Wie ein junger Hund begleitet der ihn bald auf Schritt und Tritt. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie liebevoll Charlie mit dem Kleinen umgeht. Sylvan erwidert Charlie’s Werben und eine amour fou nimmt ihren Lauf. Die anfänglich gemächlich anlaufende Geschichte nimmt bald ordentlich Fahrt auf und endet in einer Tragödie, die keiner vorhersehen kann. Ich habe das Buch an einem Wochenende beinahe in einem Rutsch weggelesen. Ein Pageturner,  wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.
 
„Es ist die Geschichte dieser Welt, und das Notizbuch eures kleinen Lebens, und wenn ihr zu Asche geworden seid und im tiefen Dunkel des Grabes liegt, wird es eure Geschichte erzählen.“
 
Fazit: Irrsinnig spannender Roman mit Figuren, die einen lange nicht mehr loslassen. 
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Ein kapitales Lese-Erlebnis

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Gute Bücher zu lesen, ist eine wahre Freude. Sie mit Gleichgesinnten zu lesen, ist doppelte Freude. Laufend das Lese-Erlebnis zu teilen, zu reflektieren, gemeinsam zu staunen, ist ein Geschenk. Die folgende Rezension von John Lanchester’s „Kapital“ ist das Ergebnis einer Leserunde mit meiner  Lovelybooks-Freundin „thursdaynext“.
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Mit Marx hat der Inhalt des Buches fast nichts am Hut. Abgesehen von moralisch sehr fragwürdigen Geldschaufelpraktiken und haarsträubenden Boni für Investmentbanker. Hier ist es eher „das Gespenst Finanzkrise“,  welches die Banker auf sehr hohem Niveau jammern und wehklagen lässt. Wir haben es ihnen gegönnt und uns fürstlich dabei amüsiert.
Aber erst eimal von vorn: Die Pepys Road und ihre Bewohner haben scheinbar Glück. Ihre Häuser und Grundstücke sind richtig was wert. So etwas zu besitzen hat eine ganz gewaltige Kehrseite, denn es weckt bei Aussenstehenden eine Menge Begehrlichkeiten. Ausserdem kann wer viel besitzt auch viel verlieren. Das vordergründige Glück ist also ziemlich brüchig. So unterschiedlich die Einwohner auch sein, eines haben sie gemeinsam: In ihren Briefkästen landen regelmässig Postkarten, auf denen geschrieben steht: „Wir wollen das, was ihr habt!“
Fast ist es, als würde man mit einem Mikroskop über dieser Strasse schweben und die Menschen in ihr beobachten.  Da ist zum Beispiel der Investmentbanker Robert Yount mit seiner Frau Arabella und den zwei gemeinsamen Söhnen.  Arabella hat so hohe Ansprüche, dass die Höhe des jährliche Bonus zum Fixpunkt seines Daseins wird. Beim Lesen bis zu seiner Bonusverhandlung scheint das Papier regelrecht zu knistern vor lauter Spannung, welcher Felsbrocken da auf Robert zurollt und ihn ordentlich plattmachen wird. Denn ein Bonus von unter einer Million bedeutet, seiner shoppingsüchtigen Arabella das Budget zusammenstreichen zu müssen. Und das wird sie nicht einfach kampflos hinnehmen. Aber die Yount’s sind nur eine Familie in der Pepys Road. Da ist auch noch Freddy Kamo, Fussballhoffnung aus Senegal, der mit seinem Vater in ein schickes Haus einzieht; ein Kulturschock bleibt nicht aus. Und die Witwe Petunia, deren Haus beim Eintreten ein anno dazumal-Gefühl verströmt. Nicht zu vergessen, die pakistanische Familie, die unten in ihrem Häuschen einen Tante Emma-Laden führt und die einmal jährlich von der Schwiegermutter aus Pakistan wie ein Panzer überrollt wird. Rohinka, die junge Ehefrau und Mutter, haben wir ganz besonders in unser Leserherz geschlossen.
„Kapital“ bietet hervorragende Charakterstudien. Keine Längen, keine Langeweile. Nur herausragendes Lesevergnügen.  Etliche der Charaktere haben wir liebgewonnen, einige blieben unsympathisch. Aber jeder einzelne löste Gefühle und grosses Kopfkino aus. Die Auflösung, woher denn diese Postkarten kommen und welche Absicht dahinter steht, fanden wir am Ende ziemlich langweilig. Aber es spricht doch sehr für den Schriftsteller, wenn der Aufhänger gar nicht mehr aufhängt sondern die Menschlein zwischen den Buchdeckeln das Zepter übernehmen.
 
Fazit: Gesellschaftskritik mit  großer Portion Menschenliebe. Charmant und flüssig zu lesen.  Absolute Leseempfehlung!
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Leserausch garantiert!

041998224-im-rausch-der-freiheitMit 1150 Seiten ist Edward Rutherfurd‘s Reise durch 400 Jahre New Yorker Geschichte ein echter Wälzer. Von der Mitte des 17. bis ins 21. Jahrhundert begleiten wir vier Einwandererfamilien. Sie stammen aus Holland, Deutschland, Italien und England und suchen alle auf die eine oder andere Art ihr Glück. Rutherfurd lässt uns tief eintauchen in die jeweiligen Familiengeschichten; Wer Familienromane mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Zwischen diesen Buchdeckeln findet sich vieles, was man schon über die Ereignisse in diesen vier Jahrhunderten gehört oder gelesen hat.. Ob Sklaverei, Bürgerkrieg, Prohibition mit ihren Flüsterkneipen, Rassenunruhen, Korruption oder Little Italy. All das und vieles mehr kommt zur Sprache. Persönlichkeiten wie der grosse Caruso, George Washington, Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt. Multimillionär John Jacob Astor und der legendäre Bankier J.P. Morgan werden auf solch lebendige Art porträtiert, dass man sie förmlich vor sich sieht. Das gilt übrigens auch für die vier fiktiven Einwandererfamilien mit ihren zahlreichen Nachkommen.

Schon die ersten Seiten haben die Filmspule zum Kopfkino der allerfeinsten Sorte anlaufen lassen. Auf wundersame Weise wurde ich ins 17. Jahrhundert reingezogen um 1150 Seiten später im 21. Jahrhundert wieder ausgespuckt zu werden. „Im Rausch der Freiheit“ ermöglicht mit seinem Mix aus Geschichtsbuch und Roman einen echten Lese-Rausch. Wer dieses Buch wie ich in mehreren grossen Happen  verschlingt, wird das fehlende Personenverzeichnis kaum vermissen.

Ich werde mich künftig auf jeden Fall an die Fersen von Edward Rutherfurd heften. Wer so schreibt, den behalte ich im Auge.

Fazit: Mitreissend und ausserordentlich interessant. Absolute Leseempfehlung!

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Bücherelfe

Bücherelfe

ein historischer Pageturner

9783746623757Zuerst den Film, dann das Buch und dann nochmals den Film. Dieses an sich unsinnig klingende Prinzip habe ich bei Cormac McCarthy’s „die Strasse“ verfolgt. Ja, manche Filme lassen mich Bücher lesen, denen ich ansonsten keine Chance geben würde. Bei „Die Schwester der Königin“ habe ich das Prinzip leicht abgewandelt; Film, Film, Film, Film, nochmals Film – notabene schon ein wenig zeitlich verteilt – und dann das Buch. Nach dieser Lektüre kann ich mir die Rückkehr zum Film allerdings sparen. Denn meines Erachtens wurde da den potentiell klingelnden Kinokassen zuliebe gekürzt, geändert, geopfert.
Aber erst mal zum Inhalt. „Die Schwester der Königin“ ist ein historischer Roman, der seinen Rahmenhandlung direkt aus den Geschichtsbüchern gepflückt hat.  Wie viel historische Korrektheit in dem Roman steckt, kann und will ich nicht beurteilen. Es geht um Intrigen, Liebe und Verrat am englischen Königshof und beginnt im Jahr 1521. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Mary Boleyn, die auf Befehl ihrer Familie Mätresse von König Henry VIII wird. Mary ist zu dieser Zeit 14 Jahre alt und verheiratet. Den Entscheid ihrer Familie in Frage zu stellen, wagt Mary nicht. Einen eigenen Willen zu haben, scheint dieser Zeit für Frauen undenkbar. Der König braucht einen Thronfolger und einen solchen zu „beschaffen“ würde der Familie Ansehen und Macht verschaffen. Wie Schachfiguren werden Mary und ihre Schwester Anne herumgeschoben. Die egoistische und machtgierige Anne Boleyn ist das pure Gegenteil von Mary. Sie verdrängt auf Befehl ihrer Familie nicht nur Mary sondern auch Königin Katharina von Aragon, die langjährige Ehefrau des Königs. Und Anne erreicht ihr Ziel tatsächlich: Sie wird Königin von England. Aber der König ist ein launischer und tyrannischer Herrscher und Ehemann. Und wenn er Verrat wittert, reagiert er unbarmherzig.  Königin Anne zahlt einen hohen Preis für ihren Aufstieg.
Fazit:  Ein ungeheuer fesselnder historischer Roman. Ein echter Page-Turner. Auch wer um historische Romane sonst einen Bogen macht, kriegt hier echtes Kopfkino geboten
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365 Tage, 365 Bücher und ein lila Sessel

cover final-sankovitchNina Sankovitch war schon immer eine leidenschaftliche Leserin. Diese Liebe zu Büchern wurde ihr in die Wiege gelegt.  Als ihre Schwester erst 46jährig an Krebs stirbt, ist Nina Sankovitch’s  Trauer grenzenlos. Und so verschreibt sie sich eine unkonventionelle und aufwändige Selbsttherapie. Sie liest 365 Bücher in 365 Tagen und bespricht jedes einzelne auf ihrem sehr bald vielbeachteten Blog readallday.   Durch die Bücher findet sie zurück in ein erfülltes Leben. Wie sie diesen von Oktober 2008 bis Oktober 2009 dauernden Lesemarathon erlebt,  welche Erinnerungen ihr dabei durch den Kopf gehen und was das Gelesene in ihrem Innern bewirkt, berichtet sie in „Tolstoi und der lila Sessel“. Dass ihr Ehemann und ihre vier gemeinsamen Söhne ihre experimentelle Therapie unterstützen, hat schon fast etwas Märchenhaftes.

Ich wollte in Büchern versinken und als ganzer Mensch wieder auftauchen.

Vier Regeln erlegt sie sich auf: Die Bücher dürfen nicht mehr als 2,5 cm dick sein. Jedes Genre ist erlaubt und am Sonntag ist Krimi-Tag. Jedes Buch wird am Tag nach der Lektüre rezensiert.

Atemlos und innerhalb eines Wochenendes habe ich Nina Sankovitch’s literarische Reise zurück ans Licht mitverfolgt und dabei nicht nur Bücher entdeckt, die ich unbedingt noch lesen muss sondern mich auch an Bücher erinnert, die schon seit einiger Zeit unbeachtet in meinem Regal stehen.

Als Sahnehäubchen sind am Ende von „Tolstoi und der lila Sessel“ alle 365 Titel aufgelistet. Nach der Lektüre nicht sofort in die nächste Buchhandlung zu stürmen, verlangt einiges an Selbstdisziplin…

Ich sass allein mit meinem Buch unter dem Licht der Lampe, und mir war, als sässe ich in einem dunklen Theatersaal vor eine Bühne, auf die ein Scheinwerfer gerichtet ist. Das ganze Stück wurde für mich allein gegeben, ohne Pause, ohne Unterbrechung, jedes Wort in Festbeleuchtung.

Fazit: Eine ganz persönliche Liebeserklärung an die Literatur und eine Schatzkiste voller Buchtipps. „Tolstoi und der lila Sessel“ ist ein wunderbares Geschenk für alle Büchernarren.  Wobei mein Exemplar garantiert für alle Zeiten ein festes Zuhause in meinem Bücherregal haben wird.

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Geiz ist nicht geil!

9783593396644Es mag ja noch Menschen in unseren Breitengraden geben, die die schicken Manufactum-Kataloge nicht kennen. Ich oute mich hier schon einmal als Fan davon.  Und das obwohl meine letzte Anschaffung, eine platzsparende Salatschleuder , mich nicht in Begeisterungsstürme versetzen konnte. Im Gegenzug dazu ist die vor Jahren aus dem Hause Manufactum bei mir eingezogene Papiertopfpresse der Hammer.
„In vielen Ländern der Welt kann eine Familie von einer Kuh leben. In unserer modernen Welt kann selbst ein lediger und kinderloser Bauer nicht einmal von hundert Kühen leben“.
Billig, billiger am billigsten. „Notdurftanstalten“ nennt Uli Borchardt die Supermärkte, Discounter und Billigwarenhäuser in die der Durchschnittsbürger pilgert wie die Lemminge in Richtung Abgrund. Dass die Tomaten nie Erde gesehen haben, die in China unter fragwürdigen Bedingungen produzierte Gartenschere, die Schnäppchen-Stiefel weil kaputt und planmässig nicht reparierbar nach einer Saison zur Wegwerfware mutieren, ist zur Normalität geworden.  Die „Geiz ist geil“-Mentalität ist in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Es wird ignoriert, dass dieses Verhalten sich nicht verträgt mit der Idee, dass alle für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden wollen. Dass Sortenvielfalt und solides Handwerk vom Einheitsbrei-Allerlei verdrängt wird, scheint kaum zu interessieren. Dabei ist es wesentlich preiswerter, auf Qualität zu setzen. Jedes Jahr zwei Paar Wegwerfschuhe zu kaufen ist nachweisbar teurer als alle fünf Jahre ein solides Paar. Mit dem vorliegenden Buch plädiert Uli Burchardt für das Prinzip  „kaufe weniger, aber wertvoller!“ Der Autor war Marketing- und Vertriebschef bei Manufactum. Diese Tatsache ist natürlich stark spürbar und so kommt das Buch stellenweise auch ein wenig wie eine Werbeschrift für Manufactum rüber. Weil seine Aussagen aber so schlüssig sind, stört das beim Lesen überhaupt nicht. Es steckt sehr viel Wissenswertes zwischen diesen, nebenbei bemerkt hochwertig gestalteten, Buchdeckeln.
Fazit: Informativ und spannend. Ein Buch, dem ich eine ganz grosse Leserschaft wünsche. Absolute Leseempfehlung!
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DAS Antikriegsbuch schlechthin

9783716026625Nein, dies sind nicht die Memoiren eines Vietnam-Veteranen. „Matterhorn“ ist ein Roman. Und doch, ist er für Karl Marlantes weit mehr als das. In den 661 Seiten stecken seine Erinnerungen, seine Albträume, all das Unaussprechliche, das niemand hören wollte. 2010 in den USA erschienen, war „Matterhorn“ wochenlang auf den Bestsellerlisten und hat unzählige Preise eingeheimst.

Im Zentrum des Geschehens steht der 19jährige Second Lieutnant Waino Mellas. Er erhält den Befehl, an einem Hügel, genannt „Matterhorn“ an der Grenze zu Laos und Nordvietnam eine Feuerunterstützungsbasis auszubauen. Ein Befehl, der den jungen Männern alles abverlangt. Kaum geschafft, führt ein weiterer Befehl Mellas‘ Truppe vom „Matterhorn“ weg. Diese zweite Mission, die Nachschublinien der Vietcong zu unterbrechen, führt die schon erschöpften Männer direkt durch die Hölle und zurück. Nachdem klar ist, dass die Vietcong „Matterhorn“ besetzt haben, folgt der wahnwitzige Befehl, die zuvor selber ausgebaute Stellung zurückzuerobern. Koste es, was es wolle.

Er dachte an den Dschungel, der um ihn herum schon wieder nachwuchs, um die Narben zu bedecken, die sie geschlagen hatten. Er dachte an den Tiger, der tötete, um zu fressen. War das böse? Und Ameisen? Sie töteten ebenfalls. Nein,der Dschungel war nicht böse. Ihm war alles gleichgültig. Genau wie der Welt an sich.

Hier geht es nicht einfach um abscheuliche Verbrechen, die Menschen einander im Krieg  antun. Hier geht es auch um das unmenschliche Leben in der grünen Hölle. Um Blutegel, Krankheiten, Erschöpfung. Um tödliche Raubtiere, um Rassenkonflikte innerhalb der Truppe und um die permanente Panik, dass der nächste Schritt der letzte sein könnte. Anfangs habe ich mir die zugegebenermassen idiotische Frage gestellt, ob „Matterhorn“ in erster Linie ein Männerbuch ist. Die Frage war schon für mich nach wenigen Kapiteln beantwortet. „Matterhorn“ ist vor allem ein Menschenbuch. Das Wort „Vietnamkrieg“ weckt bei vielen die Assoziation mit Filmen, die die Kinokassen ordentlich klingeln liessen. Filme dieser Art sind gar nicht meins und ich habe keinen davon als Ganzes angeschaut, denn sie strahlen für mich etwas Kriegsverherrlichendes aus. Mit „Matterhorn“ hat Karl Marlantes etwas Gegenteiliges geschafft. Einen wahrhaftigen Antikriegsroman. Ich habe grössten Respekt vor diesem Mann.

Fazit: Beeindruckend! Ein Roman, der lange nachhallt und dem ich eine grosse Leserschaft wünsche. Im Mai 2013 erscheint ebenfalls im Arche Verlag Karl Marlantes zweites Buch „Was es heißt, in den Krieg zu ziehen“. Meine Aufmerksamkeit ist ihm jetzt schon sicher.
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Für weitere Infos inkl. Leseprobe und Interview von Karl Marlantes geht es hier lang.