ein missglücktes Experiment

Lesen ist eine wunderbare Sache. Allerdings auch ganz schön zeitraubend. Wer kann schon einen richtigen Wälzer in einem Rutsch weglesen?  Irgendwann muss jeder mal an die Luft.  Aber da gibt es eine Lösung: Das Hörbuch, wohlverstanden die ungekürzte Variante. Also Buch weglegen,  rein mit den Ohrstöpseln und einfach der Geschichte weiter lauschen. Abwechslung soll das Leben bunt machen. Für den Versuch habe ich  das äusserst vielversprechende „die Seelen der Nacht“  gewählt. Vermeintlich ein echter Leckerbissen.

Einmal und nie wieder.

Das Experiment war ein Reinfall, was allerdings nichts mit der gewählten Geschichte zu tun hat. Ein nahtloser Wechsel zwischen Geschriebenem und Gelauschtem ist für mich auch beim besten Buch nicht vorstellbar. Ich erkläre das Experiment somit als missglückt.

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Aber erst einmal zu „die Seelen der Nacht“

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Man nehme einen Teil Charlaine Harris, ein wenig Joanne K. Rowling, dazu einen grösseren Schuss Stephenie Meyer und eine Prise Anne Rice. Die vielversprechende Mischung rüttle und schüttle man kräftig durcheinander, ziehe das Ergebnis auf 800 Seiten Länge und packe all das in ein ansprechendes Äusseres. So in etwa hatte ich mir das vorgestellt.

Soweit, so gut……

Gleich zu Beginn der Geschichte sieht man es vor sich, das Objekt der Begierde; das magische in Leder gebundene und mit einem Bann belegte Manuskript. Es wird das Leben der Protagonistin, Diana, verändern und die Leserschaft des Buches beschäftigen; lange beschäftigen. Ganz bewusst habe ich das Wort „beschäftigen“ gewählt. Denn in Atem gehalten, haben mich die Geschehnisse zwischen diesen Buchdeckeln nicht. Vorab bemerkt: Ich hatte grosse Erwartungen an „die Seelen der Nacht“. Der Einstieg in die Geschichte fühlt sich angenehm gemächlich an. Erst einmal ankommen, in der Welt dieser verschiedenen Wesen, die sich so selbstverständlich unter Menschen bewegen. Die Vorgeschichte von Diana scheint recht interessant zu sein, ist sie doch der hochintelligente Spross einer alten Hexen-Dynastie und verdient ihre Brötchen ganz bürgerlich als Historikerin. Dass sie magische Fähigkeiten hat, weiss sie,; nutzen will sie diese Gabe aber nicht. Das klingt doch schon mal sehr sympathisch. Die Sympathie verfliegt leider bald; sehr bald.

Vorhang auf für Matthew, 1500 Jahre alter Vampir, fantastisch schön, fantastisch allwissend, fantastisch, fantastisch. Kaum hat Amor seinen Pfeil auf Diana Bishop‘s helles Köpfchen abgeschossen, scheinen ihre Hirnzellen zu schrumpfen. Von da an stellt sie ihr Licht unter den Scheffel und hat nur eins im Sinn: Matthew hier, Matthew da.

Das magische Manuskript weckt Begehrlichkeiten in den verschiedenen magischen Volksgruppen und so bleibt es nicht aus, dass Diana in Gefahr gerät. Spannung liegt in der Luft. Leider verfängt sich die Autorin in langatmigen Beschreibungen und Wiederholungen. Weder Inhalt noch Schreibstil haben mich zu fesseln vermocht. Eintauchen in die von Deborah Harkness geschaffene Welt war mir nicht möglich und ich habe angesichts der insgesamt 800 Seiten in der Hälfte aufgegeben. Das Lesen – und Lauschen –  hat mich schlicht und einfach gelangweilt.

Fazit: Nichts für mich.

Für weitere Infos zum Buch geht es  hier lang.

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Die Seelen der Nacht von Deborah Harkness

Hörbuch „Die Seelen der Nacht“ von Deborah Harkness, gelesen von Dana Geissler.  27 Std. 53 Min. (ungekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für 20,95 € oder im Flexi-Abo für 9.95 €. Zur Hörprobe geht es hier lang.  

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Die Tribute von Panem gibt’s jetzt auch bei Audible im Download

Wer schon länger Elfbox liest, weiss, dass der erste Band der Trilogie rund um Katniss Everdeen mich begeistert hat –  wer die Rezension dazu noch nicht gelesen hat, darf das an dieser Stelle gerne nachholen. Dass es das Hörbuch jetzt auch als Download bei Audible gibt, hat das Elfenherz natürlich hüpfen lassen. Wo doch Platz im bibliophilen Haushalt je länger je mehr ein rares Gut wird….. 🙂

Hörbuch „Tödliche Spiele“ (Die Tribute von Panem 1) von Suzanne Collins, gelesen von Maria Koschny. 6 Std. 23 Min. (gekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für 17.95 € oder im Flexi-Abo für 9.95 €. Zur Hörprobe geht es hier lang. 

Vorhang auf

Vorhang auf für eine neue Gastrezensentin auf Elfbox. Streuner hat sich ganz dem Genre Fantasy verschrieben und das sind auch ihre Rezensionen: Fantastisch!

Ihr Debüt bei uns gibt sie mit ihrer Rezension von


Denn es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen…

Wenn Rumo, Walter Moers und Dirk Bach aufeinandertreffen, dann möchte ich schon fast die Hände falten und vor ihnen niederknien.
Nun ja – ist vielleicht ein bisschen arg schwülstig, aber ich habe gerade die letzte CD aus dem Laufwerk geholt und kann mich vor lauter Begeisterung nur schwer wieder einkriegen. 

Meine Erfahrungen im Hörbuchbereich sind noch sehr, sehr spärlich. Jahrelang habe ich mich geweigert ein Buch in gesprochener Form bei mir zu Hause einziehen zu lassen. War das ein Fehler?
 Nun – ich denke, es gibt Hörbücher und es gibt HÖR-ERLEBNIS-BÜCHER. Ein solches Erlebnisbuch ist Rumo & die Wunder im Dunkeln für mich. Unbeschreiblich mit welchen Emotionen Dirk Bach mich diese Geschichte erleben ließ. 

Er flüstert und winselt – er wimmert und heult – er brummt und schnurrt – er jubelt, kräht, singt und schreit, dass einem die Ohren klingen und ich mit einem Dauergrinsen oder auch schaurigem Gruseln überhaupt nicht mehr die Stop-Taste drücken mag.
Er verleiht jeder Figur im Roman, mit einer ganz auf diesen Charakter zugeschnittenen Stimme, eine unverwechselbare Persönlichkeit. Wirklich grandios!
Ich bin mir sicher, dass mir das gedruckte Buch auch sehr gut gefallen hätte. Genauso überzeugt bin ich aber auch, dass es erst durch Dirk Bach zum Rundum-Wohlfühl-Erlebnis für mich wurde.

Meine Lese- bzw. Hörempfehlung:
 Viele verbinden Walter Moers mit dem TV-Käpt’n Blaubär. Ja, der stammt von ihm und auch diese Figur mag ich. Aber alles was ich bisher von ihm gelesen habe (Die Stadt der träumenden Bücher, Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär und Rumo)  fällt nicht in die Kategorie Kinderbuch. Vor allem bei Rumo geht es sehr blutrünstig und niemals zimperlich zu. Das ist nichts für Kinder und auch nichts für zartbesaitete Leser. Zu letzteren gehöre ich eigentlich auch, aber im Genre Fantasy macht mir das ganze Blutvergießen nur wenig bis überhaupt nichts aus.

 Auch Dirk Bach mochte ich schon immer (vor allem als Lukas aus der TV-Serie). Es soll Menschen geben, die jetzt nicht so viel mit ihm anfangen können. Lassen Sie mich sagen, dass Sie hier einen ganz anderen Dirk Bach erleben, als den, den sie aus dem Dschungelcamp oder den Comedy-Sendungen kennen. 

Das Genre „humorvolle Fantasy“ muss einem allerdings sympathisch sein, wenn man dieses Buch genießen will. Walter Moers hat unzählige abgedrehte Ideen, die er, mit Hilfe seines Sprechers Dirk Bach, dem Hörer mit einer solchen Sprachgewalt um die Ohren haut, dass einem hin und wieder schwindelig werden kann. 

Wer jetzt sagt: „Na gut – damit komme ich klar“, dem kann ich nur empfehlen, sich das Hörbuch zu besorgen, sich ein gemütliches Plätzchen zu suchen und mit Rumo auf die große Suche nach dem silbernen Faden zu gehen. 
Viel Spaß beim Hören!

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Danke, Streuner, für diese wunderbare Rezension. Wer jetzt Lust auf Rumo und sein Heimatland Zamonien bekommen hat, darf hier lauschen und dort hinschauen. Ich habe diesem HÖR-ERLEBNIS-BUCH übrigens schon längst gelauscht. Falls da draussen jemand im Besitz des legendären „Vergiss-mich-Pulvers“ ist, bitte ich um sofortige Lieferung. Ich würde es nämlich wahnsinnig gerne nochmals zum ersten Mal hören.

Jetzt auch bei Audible: Stephenie Meyer’s Bis(s) zum Morgengrauen – ungekürzte Lesung von Annina Braunmiller


Bella, 17 Jahre alt und nicht gerade mit Selbstsicherheit gesegnet, zieht zu ihrem Vater auf die Halbinsel Olympic, genauer gesagt nach Forks; dem Ort in den Vereinigten Staaten mit der höchsten Niederschlagsrate. Abgesehen von allen Schwierigkeiten, die ein solcher Umzug mit sich bringt, lässt sie schon die Aussicht auf Dauerregen schaudern.

Sehr schnell findet sie in der neuen Schule Anschluss; etwas, das sie von ihrem bisherigen Wohnort, dem sonnigen Phoenix, gar nicht gewohnt ist. Und bevor sie sich’s versieht, wird ihr bis anhin eher langweiliges Leben Leben spannend; Schuld daran sind die Cullens. In der Schulkantine fallen sie ihr zum ersten Mal auf, die drei Jungs und die zwei Mädchen. Sie halten sich abseits von allen anderen. „Ich starrte sie an, weil ihre so verschiedenen und doch gleichen Gesichter umwerfend und überirdisch schön waren“. Bella kommt bald hinter das düstere Geheimnis der Familie Cullen. Sie sind Vampire. Sie haben sich zwar entschieden, ihren Durst nicht an Menschen sondern an Tieren zu löschen, aber Bella bringt den bis anhin so beherrschten Edward schier um den Verstand.

„Edwards Anblick in der Sonne war ein Schock. Ich starrte ihn zwar schon den ganzen Nachmittag lang an, konnte mich aber einfach nicht daran gewöhnen. Seine Haut war blütenweiss, vielleicht mit einem Hauch einer Rötung von der Jagd am Vortag, und sie glitzerte, als hätte man Tausende winziger Diamanten in sie eingelassen.“

Es kommt, wie es kommen muss. Bella und Edward verlieben sich. Es ist eine Liebe gegen alle Vernunft und unvermittelt schwebt Bella in tödlicher Gefahr. Denn nicht alle Vampire wollen so leben wie die Cullens.

Stephenie Meyer hat die seltene Gabe, mit einer sehr einfachen Sprache zu fesseln. Die einzelnen Charaktere und die Schauplätze sind so gut beschrieben, dass mein inneres Auge sehr schnell Bilder aufsteigen lässt. Ich hatte das Buch lange vor der – meiner Meinung nach gut gelungenen – Verfilmung gelesen und freue mich sehr, dass es nun endlich als ungekürzte Lesung vorliegt. Dass die Geschichte von Annina Braunmiller, der deutschen Synchronsprecherin von Kristen Stewart – der Film-Bella – gelesen wird, ist eine ganz besondere Zugabe und verleiht beim Hören ein Kino-Feeling.

Fazit: Zauberhaft, gefährlich, magisch. Prädikat Lieblings-Hörbuch!

Hörbuch „Bis(s) zum Morgengrauen“ von Stephenie Meyer, gelesen von Annina Braunmiller. 13. Std. 34 Min. (ungekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für € 27.95 oder im Flexi-Abo für € 9,95.  Zur Hörprobe geht es hier lang:



Die verborgene Sprache der Blumen von Vanessa Diffenbaugh, gelesen von Laura Maire

Als die neunjährige Victoria Jones zu der alleinstehenden Elisabeth kommt, hat sie bereits eine Odyssee in verschiedenen Pflegefamilien und Einrichtungen hinter sich. Auch dieses Mal wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis Elisabeth sie zurückbringt; so zumindest denkt Victoria und macht sich sogleich an „die Arbeit“. Aber was Victoria auch anstellt, wie unmöglich sie sich auch benimmt, Elisabeth steht wie ein Fels in der Brandung und scheint sie mit regelrechter Verzweiflung zu lieben. Eine fast unerträgliche Erfahrung für Victoria. Elisabeth weiht Victoria nach und nach in die Geheimnisse der Blumenwelt ein. Denn wer die Bedeutung der einzelnen Blumen kennt, kann sie für sich sprechen lassen. Es wundert also nicht, dass aus Victoria eine erfolgreiche Floristin wird. Sehr genau hört sie zu, für welche Gelegenheit ihre Kundschaft Blumen möchte und erzielt mit ihrem geheimnisvollen Wissen stets die gewünschte Wirkung. Als sie mit Grant einen Gleichgesinnten kennen lernt, könnte in ihrem Leben endlich das Glück einkehren. Aber im Leben ergeben Eins und Eins nur selten Zwei…

Weil voller Zeitsprünge, erfordert die in Ich-Form erzählte Geschichte beim Zuhören einiges an Aufmerksamkeit. Was aber problemlos zu bewältigen ist, denn Laura Marie liest, als ginge es um ihr Leben. Nach den ersten paar Sätzen hat sich mich derart in den Bann geschlagen, dass ich nichts anderes kann, als ihr zuzuhören. Also seid vorsichtig, bevor ihr euch die Hörprobe reinzieht. Es könnte sein, dass ihr den ganzen Rest auch noch hören wollt. Ich muss mir jetzt erst einmal verkneifen, beim nächsten Besuch in meiner Lieblingsbuchhandlung das entsprechende Buch zu bestellen. Denn ich würde zu gerne wissen, was gekürzt wurde und nachschlagen können, welche Bedeutung die einzelnen Blumen haben. Schliesslich will ich beim nächsten Blumenstrauss dessen Botschaft entschlüsseln können…

Fazit: Berührende aber zu keiner Zeit kitschige Geschichte, fantastisch vorgetragen von Laura Marie. Mit diesem, ihrem Debütroman hat Vanessa Diffenbaugh die Latte für ihr nächstes Buch sehr hoch gelegt.

Hörbuch „Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh, gelesen von Laura Maire. 07 St. 33 Min. (gekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für € 13.95  oder im Flexi-Abo für € 9,95. Für weitere Infos geht es hier lang

Indische Erzählungen von Rudyard Kipling, gelesen von Ulrich Noethen

Rudyard Kipling’s „Indische Erzählungen“ lassen mich eintauchen in die Zeit um 1900, als Indien noch britische Kronkolonie war; als die Briten voller Hochmut auf die indische Bevölkerung herabsah. Drei Geschichten lang lausche ich Ulrich Noethen, der sicherlich die allerbeste Wahl für dieses Hörbuch war. 

Ohne kirchlichen Segen

Es ist eine ganz grosse Liebe zwischen dem britischen Beamten und der sechzehnjährigen Inderin. Als der gemeinsame Sohn geboren wird, scheint das Glück vollkommen. Gemeinsam mit der Mutter der jungen Inderin leben sie in einem Haus nahe der Stadt. Die junge Frau geht vollkommen in ihrer Mutterrolle auf; Aber immer wieder ziehen dunkle Wolken über dem Glück auf; denn die Beziehung ist ohne kirchlichen Segen. Und vor allem die junge Frau leidet sehr darunter, dass sich dieser Status nicht ändern wird.

Die Geisterrikscha

Aus den Notizen im Nachlass eines verstorbenen jungen Briten, geht hervor, dass er sich verfolgt fühlte. Einst unsterblich verliebt in eine verheiratete Frau, hat er die Liasion auf höchst unfeine Weise beendet. Der Frau – sie hatte für ihn, ihre grosse Liebe,  alles aufgegeben –  brach das buchstäblich das Herz. Nach ihrem Tod, verliebte sich der Brite erneut. Kurz nach seiner Verlobung wird er verfolgt; Wo immer er auch unterwegs ist, lauert ihm die Tote auf. Mit Rikscha und ihren Bediensteten steht sie auf all seinen Wegen und fleht ihn an, zu ihr zurückzukehren. 

Der Bisara von Pooree

Wer den juwelenbesetzten Holzfisch „Bisara von Pooree“ stiehlt, wird gleichzeitig mit einer wundersamen Macht ausgestattet. Jede Frau, deren Liebe er sich wünscht, wird ihm sogleich verfallen. Aber wehe, das Schmuckstück gerät auf rechtmässige Art und Weise in jemandes Besitz. Schreckliches wird ihm widerfahren und auf den Tag genau drei Jahren nach Erhalt wird er sterben. 

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Zugegeben, Ulrich Noethen könnte wohl auch das Telefonbuch vorlesen und nicht nur ich würde gebannt zuhören. Seit seiner Glanzleistung bei der ungekürzten Lesung von Margret Mitchell’s „Vom Winde verweht“ ist er für mich einer der besten Schauspieler auf dem Hörbuchmarkt. Meine Erwartungen an „Indische Erzählungen“ war schon allein seinetwegen sehr hoch. Und die Erwartungen wurden erfüllt. Ich war 144 Minuten unterwegs in der britischen Kronkolonie Indien; voller Farben, Gerüche und Exotik. Ein wahres Hörvergnügen.

Für weitere Informationen zu diesem Titel geht es hier lang. 

Ascheherz von Nina Blazon, gelesen von Nina Petri

Elfbox freut sich ganz besonders über die Gastrezension von Nina. Sie ist eine dieser ganz besonderen Bücherjunkies, mit denen sich die Elfe regelmässig im realen Leben trifft. Und wo gehen die beiden wohl hin? Na? Ins Nasobem natürlich; und anschliessend ins Bücherbrocky. Jeweils in Begleitung der wunderbaren ganz persönlichen bibliophilen Buchhändlerin. Wahre Highlights sind diese Nachmittage!

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Ascheherz erzählt die Geschichte von Summer, die nach einem Unfall mit einem Gedächtnisverlust aufwacht und nicht mehr weiss wer oder was sie ist. Erschwerend hinzu kommt, dass Summer schlimme Alpträume quälen, in denen sie regelmässig einem Mann begegnet mit schwarzen Handschuhen und einem Schwert, welchen sie den Blutmann nennt und der sie umbringen will.

Summer ist ständig auf der Flucht und wechselt ihre Identitäten. Zurzeit lebt sie als Schauspielerin in einem Theater. Als sie glaubt dort, unter den Zuschauern den Blutmann entdeckt zu haben, spürt sie, dass es höchste Zeit ist weiter zu ziehen. Unverhoffte Unterstützung erhält sie von Anzej, der am Morgen ihrer Flucht plötzlich in ihrem Zimmer steht. Dank ihm gelingt ihr die Flucht. Während ihrer Reise Richtung Nordland, erinnert sich Summer Stück für Stück an Ereignisse aus ihrer Vergangenheit.

Bald schon erkennt sie, dass sie eine Zorya ist und den Menschen den Todeskuss bringt. Die Gewissheit eine Verräterin zu sein, trifft sie wie ein Schlag, als sie sich zurück erinnert, wie sie einen Mann vor dem Todeskuss bewahrt hatte. Sie hat aus Liebe gehandelt, ein Verlangen, welches für eine Zorya eigentlich fremd ist und für das sie nun mit ihrem Leben bezahlen muss.

Nina Blazon gelingt es eine Welt zu erschaffen, die überzeugt und aussergewöhnlich ist. Mit ihrer bildhaften Sprache fällt es dem Leser leicht in die Welt einzutauchen. Anfangs ist die Geschichte zwar sehr langatmig, doch wer sich davon nicht abhalten lässt, wird mit dem Fortschreiten der Geschichte belohnt. Die langsam wiederkehrende Erinnerung von Summer hält die Spannung aufrecht und allmählich fügen sich die Puzzleteile zusammen. Das Ende überrascht durchaus und es klärt sich alles auf. Die Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod gelingt der Autorin sehr gut. Die Protagonistin Summer überzeugt mit ihrem authentischen Charakter ebenso, wie die restlichen Figuren, die Nina Blazon erschaffen hat.

Ich danke der wunderbaren Bücherelfe, für die ich dieses Hörbuch als Gastrezensentin hören durfte.

Für weitere Infos inkl. Hörprobe geht es hier lang.

Das Labyrinth der Wörter von Marie-Sabine Roger, gelesen von Stephan Benson

„Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren zu können.“

Unterschiedlicher könnten sie nicht sein; die beiden Protagonisten dieser zauberhaften Geschichte. Germaine,  der sich mit schmalem schulischem Rucksack ausgestattet als Hilfsarbeiter durchs Leben schlägt und Margueritte, die kultivierte alte Dame. Die beiden verbindet erst einmal nur eines: Die Faszination für die Tauben im Park. Über diese Gemeinsamkeit kommen sie erstmals miteinander ins Gespräch. Ich sehe die beiden förmlich vor mir, wie sie nebeneinander auf der Parkbank sitzen und die Tauben zählen. Germaine, der riesige breitschultriger Kerl mit ruppiger Sprache; Margueritte, die  zierliche grauhaarige Dame mit  ihrer  gewählten Ausdrucksweise. Die beiden beschenken sich gegenseitig mit etwas, was es nirgends zu kaufen gibt; mit Zeit. Und weil Germaine zum ersten Mal in seinem Leben echte Aufmerksamkeit erhält, lässt er sich ganz mutig auf ein Abenteuer ein. Auf das Abenteuer, sich mit Wörtern zu beschäftigen, mit Sätzen, mit Büchern. Und ihm dabei zuzusehen ist ist einfach wunderbar. Zu verfolgen, wie sein inneres Auge anfängt Bilder zu produzieren während er sich erst von Margueritte vorlesen lässt und später dann alleine liest, erzeugt Gänsehaut. Wir alle, die Bücher lieben, kennen dieses Kopfkino und mal ehrlich, wie oft wünschen wir uns, dieses Gefühl jemandem vermitteln zu können, der mit Büchern nichts anfangen kann?  Margueritte hat diese Fähigkeit und macht Germaine’s Leben auf ihre ganz eigene Art um so vieles reicher und versetzt ihm letztendlich Flügel.

Das Hörbuch – fantastisch gelesen von Stephan Benson – hat mich genau so begeistert wie zuvor schon das Buch. Einen passenderen Sprecher hätte man wohl kaum finden können. Vor meinem inneren Auge sind sehr schnell Bilder von diesem grossen, schwerfälligen Germaine aufgetaucht. Schade nur, dass die Geschichte für das Hörbuch gekürzt wurde. Hätte ich das Buch nicht schon gelesen, würde ich es spätestens nach diesem Hörbuch tun.

Fazit: Ungeheuer liebenswerte Geschichte, perfekt vorgetragen. 


Hörbuch „Das Labyrinth der Wörter“ von Marie-Sabine Roger, gelesen von Stephan Benson. 03 Std. 55 Min. (gekürzt). Im Download bei Audible erhältlich für € 10,95  oder im Flexi-Abo für € 9,95. Zur Hörprobe geht es hier lang.

Stephenie Meyer’s Bis(s) zum Abendrot – die ungekürzte Lesung

Die Geschichte rund um Bella Swan und Edward Cullen geht in die dritte Runde. Zugegeben, ich bin etwas voreingenommen an dieses Hörbuch rangegangen. Wie könnte ich es nicht mögen? Die von Stephenie Meyer geschaffene, ganz eigene  Welt hat mich längst eingefangen.

Bella hat sich entschieden. Sie wird Edward folgen mit allen Konsequenzen. Am Ende des Schuljahres will sie sich von ihrem menschlichen Leben verabschieden. Die Entscheidung bringt für sie neue Ängste mit sich; Wie wird die Verwandlung sein? Werden die Cullens ihren Blutdurst in erträgliche Bahnen lenken können? Wie kann sie die Trennung von ihren Eltern ertragen?   Für Jacob ist die Vorstellung, Bella auf diese Art zu verlieren, entsetzlich.. Verzweifelt versucht er, Bella von ihrer Entscheidung abzubringen.

Unvermittelt droht neue tödliche Gefahr. Bald wird klar, dass hinter einer Serie von rätselhaften Morden in Seattle eine Armee neugeborener Vampire steckt. Und diese haben nur ein Ziel: Bella zu töten. Um sie zu schützen, bleibt den Cullens nur eines. Sie müssen sich mit ihren Erzfeiden, den Werwölfen, verbünden und sich gemeinsam dem Kampf stellen.

Bisher eher im Hintergrund geblieben, bekommen in diesem Band sowohl Jasper als auch Rosalie etwas mehr Raum. Es wird klar, weshalb Rosalie gegenüber Bella so kaltherzig reagiert und wie Jasper’s Leben aussah, bevor er auf Alice traf und Teil der Cullen-Familie wurde.  Auch der Stammesgeschichte der Werwölfe wird ein eigenes Kapitel gewidmet.

Stephenie Meyer hat die aussergewöhnliche Liebesgeschichte in die nächste Runde geschickt.  Edward Altruismus wirkt stellenweise etwas überzogen. Auch Bella’s Unsicherheit hat mich manchmal sogar leicht genervt. Und doch, es hilft nichts, auch der vorliegende Band hat mich gepackt. Gelesen von Annina Braunmiller und Max Felder –  die deutschen Film-Stimmen von Bella und Jacob – ist es Hör-Kino vom Feinsten.

Fazit: Zauberhaft, gefährlich, magisch. Prädikat Lieblings-Hörbuch! Ich hoffe, dass die Fortsetzung nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Wir danken dem Hörbuch Hamburg-Verlag, der uns diesen Titel aus der Silberfisch-Produktion zur Rezension überlassen hat. Für weitere Informationen inklusive Hörprobe geht es hier lang.

Nichts was im Leben wichtig ist von Janne Teller

Es gibt Geschichten, die uns ratlos zurücklassen und bei denen es uns schwer fällt, die Eindrücke in Worte zu fassen. Da tut es gut, sich auszutauschen und gemeinsam zu rezensieren. Und so haben wir – Bri und Bücherelfe – es wieder getan. Und das war wirklich nicht „Nichts“.

„Nichts bedeutet irgendetwas, das weiss ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“

Mit dieser Erkenntnis, klettert Pierre Anthon am ersten Schultag nach den Ferien auf den Pflaumenbaum und drangsaliert seine Klassenkameraden bei jedem Vorbeigehen mit eben dieser Aussage. Er wirft mit Pflaumen und Worten. Am Anfang halten alle es für einen vorübergehenden Scherz. Aber das ist es nicht. Pierre Anthon ist es ernst, todernst. Was wenn er recht hat? Unruhe macht sich unter den Kindern breit. Und so schmieden sie einen Plan. Es wäre doch gelacht, könnten sie Pierre Anthon nicht davon überzeugen, dass er irrt. Denn er muss sich doch irren; oder nicht? Jeder hat doch etwas, was ihm wichtig ist, richtig wichtig ist, was so richtig Bedeutung hat. Wenn sie diese Dinge zu einem Berg auftürmen und diesen Berg Pierre Anthon zeigen, wäre das doch der Beweis, dass er unrecht hat, dass das Leben Sinn macht.

„Nichts bedeutet irgendetwas, das weiss ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“

Zunächst wird um Bedeutung gebeten: die Jugendlichen gehen im Dorf umher und sammeln ein, was anderen Menschen bedeutsam erscheint. Aber bald ist das nicht mehr genug, denn es ist ja nichts, was für sie selbst Bedeutung hat, nichts was sie selbst schätzen, lieben, vermissen werden, wenn es auf dem Berg liegt.

Aber Bedeutung war möglich, das war sicher:
„… Wir waren gerade in die siebte Klasse gekommen, und wir fühlten uns alle so modern und kannten uns im Leben und in der Welt aus, und wir wussten natürlich längst, dass sich alles mehr darum drehte, wie etwas aussah, als wie es tatsächlich war. Unter allen Umständen war am wichtigsten, dass aus einem etwas wurde, das nach etwas aussah. Zwar hatten wir von diesem Etwas nur ungenaue Vorstellungen, aber es ging jedenfalls nicht darum, in einem Pflaumenbaum zu sitzen und Pflaumen auf die Straße zu werfen. …“

Und damit beginnt die Suche nach Bedeutung bei jedem selbst. Zunächst sind es freiwillig gegebene Habseligkeiten, als aber klar wird, dass zwar Stücke auf dem Berg landen, die vermisst werden werden, es aber nicht die absoluten Lieblingsstücke sind, bestimmen die anderen, was abgegeben werden muss.

Die Erzählerin der Geschichte muss als erste geben, was ihr sehr viel bedeutet: Ihre neuen grünen Sandalen. Das tut vielleicht weh! Aber wer gegeben hat, darf bestimmen, wer als nächster dran ist und was er dem Berg aus Bedeutung hinzufügen muss. Und das wird richtig hart. Letztendlich muss jeder bezahlen und schnell bekommt das Ganze einen ausgesprochen niederträchtigen Beigeschmack. Oder wie soll man es benennen, wenn der begnadete Gitarrespieler den Zeigefinger und das das süße Mädel ihre Jungfräulichkeit opfern muss? Die Erwachsenen sind blind für das, was sich bei den Kindern abspielt; der Berg aus Bedeutung wächst unaufhörlich bis zum bitteren Ende und mit ihm die Angst, das Pierre Anthon doch recht haben könnte.

„Nichts bedeutet irgendetwas, das weiss ich seit Langem. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“

Mit „Nichts was im Leben wichtig ist“ zeigt Janne Teller auf, wohin es führen kann, wenn Kinder alleingelassen werden mit ihren Sinn-Fragen. Ob in Buch oder Hörbuchform, die Geschichte hat etwas so ungeheuer Voyeuristisches, dass man kaum hinsehen bzw- hören kann. Sie entsetzt und fesselt gleichermassen und sie hallt nach. Bisher hat noch niemand ein Buch so eindringlich gelesen wie Laura Maire.  Sie trägt die Geschichte mit soviel Wut und Schmerz vor, dass sie nur auf mehrere Portionen verteilt anzuhören war.

Das Buch liesse sich schnell weg lesen, wäre es nicht so offensichtlich grausam und bedürfte es deshalb nicht wohl gesetzter Lesepausen. Und sind wir mal ehrlich: Kinder können wirklich grausam sein, das hat wohl jeder von uns selbst einmal in irgendeiner Art und Weise zu spüren bekommen.

Alleine hätte keine von uns eine Rezension über dieses Nichts schreiben wollen. Und so haben wir es wieder gemeinsam getan. Kein Heidenspass dieses Mal, aber ein wohltuender Abschluss.

Fazit: Mit Bedeutung ist nicht zu spassen. Mit dieser Geschichte auch nicht. Ob wir sie empfehlen können, wissen wir nicht. Wir selber würden sie allerdings nicht missen wollen.

Ich danke dem Verlag Hörbuch Hamburg, der mir dieses Hörbuch zur Verfügung gestellt hat. Für weitere Informationen zu dieser Produktion geht es hier lang.