Malorie Blackman – Himmel und Hölle

185822328_617730afd1In der Regel lasse ich mich von den Lobhudeleien auf den Buchumschlägen nicht verführen. Die Verlage müssen ihr Produkt ja anpreisen. Aber „… von den TIMES-Lesern zu den „100 Lieblings-büchern aller Zeiten“ gewählt“ hat mich dann doch aufhorchen lassen. Also gleich mal in der Bibliothek eingepackt und mitgenommen.
Nur so viel: In der von Malorie Blackman erschaffenen Trilogie geht es um die Zweiklassen-Gesellschaft der schwarzen Alphas und der weissen Zeros.  Zur detaillierten Inhaltsbeschreibung geht es hier lang  Die Protagonisten, das Alpha-Mädchen Persephone und der Zero-Junge Callum, erzählen ihre Geschichte abwechselnd aus ihrer eigenen Perspektive. Das hat den wunderbaren Effekt, dass beide einen  gleichermassen ans Herz wachsen. „Himmel und Hölle“ ist stellenweise recht vorhersehbar.  Was aber keineswegs störend ist, schliesslich handelt es sich hier nicht um einen Krimi. Hier geht es um etwas ganz anderes. Man nehme einen grossen Teil Gesellschaftskritik, einen ordentlichen Teil Spannung und einen Schuss Liebesgeschichte. Ja, das ist der Stoff, aus dem dieses Jugendbuch mit Pageturner-Qualität gesponnen wurde. Und wenn ich die Ohren spitze, höre ich den Fortsetzungsband „Asche und Glut“ schon ganz leise nach mir rufen. Bibliotheken sind was Feines…
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Justin Cronin – Die Zwölf

Die gelesenen und noch nicht rezensierten Bücher stapeln sich. Die noch ungelesenen auch. Ein Kurswechsel ist nötig. Künftig wird hier deshalb nicht mehr ausführlich über Inhalte geschrieben. Vielmehr wird einfach Fazit gezogen. Das aber wie gewohnt absolut subjektiv und ehrlich.

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Den Anfang macht „Die Zwölf“ von Justin Cronin. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, um was es bei Cronin’s epischer Trilogie geht, empfiehlt sich ein Blick auf die Besprechung des ersten Bandes „Der Übergang“.

36265032z-1Alles beginnt im Jahre Null. Die Anlehnung an die Bibel ist offensichtlich. Mehr zu Autor und Inhalt gibt es auf der Verlagswebsite. Eine Warnung vorweg: Dieses Buch ist nichts zum nebenher lesen. Umfang und Anzahl der Protagonisten sowie die häufigen Zeitsprünge erfordern einige Konzentration. Wer diese aufbringt, kriegt ordentlich etwas geboten. So verwirrend die Geschichte stellenweise ist, so gekonnt hält Cronin seine Leserschaft bei der Stange. Nun ja, wer bleibt schon gern im Nebel hängen…. Das, gepaart mit dem Mix aus Fantasy und durchaus auch ein wenig Horror liest sich grossartig.

Fazit: Grandios! Möge Justin Cronin sich mit dem dritten und letzten Teil etwas beeilen.dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

Ein wildes Herz von Robert Goolrick

Ein wildes Herz von Robert GoolrickVirginia, 1948. Eines Tages kreuzt er plötzlich auf in der beschaulichen Kleinstadt Brownsburg. Mit seinem alten ramponierten Pickup kommt Charlie Beale in der 538 Seelen-Gemeinde an und beschliesst, sich dort niederzulassen. Sein einziger Besitz scheinen nebst dem Auto die zwei Koffer zu sein; einer prallvoll mit Geld, der zweite enthält seine rasiermesserscharfen Schlachtermesser. Man muss wissen, Charlie Beale ist Metzger. Es dauert nicht lange, und er fängt an beim einzigen Metzger im Dorf zu arbeiten. Keiner schneidet die Steaks so perfekt wie er und die Hausfrauen schliessen ihn schnell ins Herz. Als er die auffallend schöne Sylvan kennen lernt, ist es um ihn geschehen. Wie ein Pinup-Girl sieht sie aus und passt so gar nicht in das verschlafene Nest. Sie ist mit dem reichsten – und hässlichsten – Mann in Brownsburg verheiratet. Auf welch ungewöhnliche Weise diese Ehe zustande kam, soll jeder selbst lesen. Es wäre eine wahre Schande, das an dieser Stelle zu verraten.
 
„Er wäre für sie gestorben, so wie er jetzt für sie lebte, für Sylvan und nur für Sylvan. Für sie würde er zu einem besseren Menschen werden, und er würde geduldig sein wie der bibliosche Hiob, er würde nichts sagen, keinen Druck ausüben, er würde alles wollen und nichts erwarten.“
Für den fünfjährigen Metzgerssohn, Sam, wird Charlie Beale  so etwas wie ein  zweiter Vater. Wie ein junger Hund begleitet der ihn bald auf Schritt und Tritt. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie liebevoll Charlie mit dem Kleinen umgeht. Sylvan erwidert Charlie’s Werben und eine amour fou nimmt ihren Lauf. Die anfänglich gemächlich anlaufende Geschichte nimmt bald ordentlich Fahrt auf und endet in einer Tragödie, die keiner vorhersehen kann. Ich habe das Buch an einem Wochenende beinahe in einem Rutsch weggelesen. Ein Pageturner,  wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.
 
„Es ist die Geschichte dieser Welt, und das Notizbuch eures kleinen Lebens, und wenn ihr zu Asche geworden seid und im tiefen Dunkel des Grabes liegt, wird es eure Geschichte erzählen.“
 
Fazit: Irrsinnig spannender Roman mit Figuren, die einen lange nicht mehr loslassen. 
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Claude Cueni – Der Henker von Paris

9783857874338Fast hätte ich es ungelesen in die Bücherei zurückgebracht. Denn die ersten fünfzig Seiten dieses historischen Romans über die Henker-Dynastie Sanson waren zäh. Nicht eben wegen des unschönen Themas an sich sondern wegen des Schreibstils. Die Sprache wirkte auf mich allzu hölzern. Also Buch einpacken und zurück in die Bücherei damit; das war zumindest der Plan. Hätte ich auf dem Weg dorthin nicht mangels Alternative noch ein wenig weitergelesen. Und wider Erwarten wurde die Sache wahnsinnig interessant. Das Buch wollte unbedingt fertig gelesen werden.

Claude Cueni’s Roman handelt von einem Mann, der aufgrund seiner Herkunft dazu verdammt ist, Henker zu werden. Der Beruf des Henkers wird von Vater zum Sohn weitergegeben; so war das schon immer und da interessiert nicht, dass Charles-Henri Sanson sich zum Arzt berufen fühlt. Es gibt kein Entrinnen. Weder für ihn noch für seinen Erstgeborenen.  Alleine während  dieser Revolution richtet Sanson unter anderem mit Hilfe der eiligst erfundenen Guillotine rund dreitausend Menschen hin. Das Volk ist in einem wahren Blutrausch und Sanson muss als sogenannter „Monsieur de Paris“ richten. Wer nun glaubt, dass es sich hier einfach um einen gruseligen Roman handelt, täuscht sich. Claude Cueni hat  gründlich recherchiert. Die Sanson-Henkersdynastie gab es tatsächlich. Und Charles-Henri Sanson war der letzte grosse Henker von Paris. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie er gelebt hat, dem sei dass vorliegende Buch ausdrücklich empfohlen.

Fazit: Interessantes Buch rund um ein wirklich grausiges Thema.  

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Schauriges aus dem norddeutschen Teufelsmoor

Die Häuser waren alt und verkrümmt, die Türen und Fenster niedrig, die Balken verzogen. Das Strassenpflaster war bucklig, und niemand fuhr aus reiner Freude durch unser Dorf. Sogar das Sonnenlicht schien anders, dunkler, niemals ohne Argwohn.

Layout 1Hemmersmoor ist ein abgelegenes kleines Dorf im norddeutschen Teufelsmoor. Schauriges geht dort vor sich. So viel Boshaftigkeit verteilt auf eine überschaubare Anzahl Einwohner findet sich wahrlich selten. Inzest, Mord, Selbstjustiz, Eifersucht und Gewalt wohin das Leserauge blickt. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines einzelnen Einwohners erzählt. Nicht ein einziges Fitzelchen schwarzen Humor findet sich zwischen diesen nur 207 Seiten dicken Buchdeckeln. Nein, in Hemmersmoor ist es wirklich zappenduster. Hinter jedem Fenster, jeder Türe gibt es fürchterliche Bosheit und Abgründe, die einen wahrlich nach Luft schnappen lassen. Zwischendurch aufkeimender Ärger über das übertrieben dichte Geschehen und über den fehlenden roten Faden im Roman, wird sogleich weggewischt durch den nächsten schon um die Ecke wabernden Schrecken. Noch selten hat der Inhalt so sehr zum Cover gepasst…

„Ich habe die Nacht nicht gern“, sagte er mit wichtiger Miene. „Die Sterne sind kalt und hinter ihnen hausen Engel, die deinen Atem rauben, um sich zu wärmen.“

Fazit: Nur geniessbar mit einer grossen Kanne heissen Tee, einer dicken Daunendecke und gut verschlossener Haustüre. Unter Berücksichtigung dieser drei Punkte ist Hemmersmoor empfehlenswert.

Für weitere Infos zu diesem schaurigen Roman geht es hier lang.dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

DAS Antikriegsbuch schlechthin

9783716026625Nein, dies sind nicht die Memoiren eines Vietnam-Veteranen. „Matterhorn“ ist ein Roman. Und doch, ist er für Karl Marlantes weit mehr als das. In den 661 Seiten stecken seine Erinnerungen, seine Albträume, all das Unaussprechliche, das niemand hören wollte. 2010 in den USA erschienen, war „Matterhorn“ wochenlang auf den Bestsellerlisten und hat unzählige Preise eingeheimst.

Im Zentrum des Geschehens steht der 19jährige Second Lieutnant Waino Mellas. Er erhält den Befehl, an einem Hügel, genannt „Matterhorn“ an der Grenze zu Laos und Nordvietnam eine Feuerunterstützungsbasis auszubauen. Ein Befehl, der den jungen Männern alles abverlangt. Kaum geschafft, führt ein weiterer Befehl Mellas‘ Truppe vom „Matterhorn“ weg. Diese zweite Mission, die Nachschublinien der Vietcong zu unterbrechen, führt die schon erschöpften Männer direkt durch die Hölle und zurück. Nachdem klar ist, dass die Vietcong „Matterhorn“ besetzt haben, folgt der wahnwitzige Befehl, die zuvor selber ausgebaute Stellung zurückzuerobern. Koste es, was es wolle.

Er dachte an den Dschungel, der um ihn herum schon wieder nachwuchs, um die Narben zu bedecken, die sie geschlagen hatten. Er dachte an den Tiger, der tötete, um zu fressen. War das böse? Und Ameisen? Sie töteten ebenfalls. Nein,der Dschungel war nicht böse. Ihm war alles gleichgültig. Genau wie der Welt an sich.

Hier geht es nicht einfach um abscheuliche Verbrechen, die Menschen einander im Krieg  antun. Hier geht es auch um das unmenschliche Leben in der grünen Hölle. Um Blutegel, Krankheiten, Erschöpfung. Um tödliche Raubtiere, um Rassenkonflikte innerhalb der Truppe und um die permanente Panik, dass der nächste Schritt der letzte sein könnte. Anfangs habe ich mir die zugegebenermassen idiotische Frage gestellt, ob „Matterhorn“ in erster Linie ein Männerbuch ist. Die Frage war schon für mich nach wenigen Kapiteln beantwortet. „Matterhorn“ ist vor allem ein Menschenbuch. Das Wort „Vietnamkrieg“ weckt bei vielen die Assoziation mit Filmen, die die Kinokassen ordentlich klingeln liessen. Filme dieser Art sind gar nicht meins und ich habe keinen davon als Ganzes angeschaut, denn sie strahlen für mich etwas Kriegsverherrlichendes aus. Mit „Matterhorn“ hat Karl Marlantes etwas Gegenteiliges geschafft. Einen wahrhaftigen Antikriegsroman. Ich habe grössten Respekt vor diesem Mann.

Fazit: Beeindruckend! Ein Roman, der lange nachhallt und dem ich eine grosse Leserschaft wünsche. Im Mai 2013 erscheint ebenfalls im Arche Verlag Karl Marlantes zweites Buch „Was es heißt, in den Krieg zu ziehen“. Meine Aufmerksamkeit ist ihm jetzt schon sicher.
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Für weitere Infos inkl. Leseprobe und Interview von Karl Marlantes geht es hier lang. 

Wenn das eigene Kind spurlos verschwindet, verschwindet auch das eigene Leben

Bram Mannheim, glücklicher Ehemann, hingebungsvoller Vater, erfolgreicher Professor in Princeton. Dorthin hat es Bram und seine Ehefrau Rachel gezogen, nachdem der gemeinsame Sohn Bennie in seinem Kindergarten in Tel Aviv nur knapp einem Anschlag entgangen war. Vom gefährlichen Pflaster Tel Aviv weg in den sicheren Hafen Princeton. Und dann verschwindet Bennie spurlos, einfach so. Er ist vier Jahre alt.
Wenn das eigene Kind spurlos verschwindet, verschwindet auch das eigene Leben. Nichts ist mehr wie es war. Gar nichts. Bram bricht mit allem was sein Leben bisher ausgemacht hat. Er will einfach nicht glauben, dass Bennie nie mehr zurückkommt. Er gibt nicht auf, niemals. Und er wird fündig. Nach vielen, vielen Jahren. Was er findet, ist erschütternd.
„Das Recht auf Rückkehr“ ist ein fesselndes Buch. Die einzelnen Figuren sind sehr gut herausgearbeitet und wenn die Geschichte auch reine Fiktion ist, so ist es doch vorstellbar, dass so etwas passieren könnte.
 
Fazit: Für mich war es das erste Buch von Leon de Winter. Das letzte wird es bestimmt nicht gewesen sein.
 
Weitere Informationen zu diesem Titel gibt es hier