Manchmal lohnt sich das Schwimmen mit dem Bestseller-Strom durchaus

Nein, dieses Buch lese ich nicht! Was derart gehypt wird, kann mich mal. Muss ich denn wirklich lesen, was scheinbar  alle lesen? Wenn ein Buch in aller Munde ist, löst das bei mir  erst einmal Abwehrreflexe aus. Also habe ich bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erst einmal auf Durchzug gestellt. Bis zum Tag X, als die „lies es!“-Botschaft von Christine Westermann durch den Äther direkt in mein Ohr rauschte.. Mhm, Christine Westermann hat sich in der Vergangenheit als die Frau mit den todsicheren Buchempfehlungen gezeigt. Na dann bitte, her mit dem Schicksal!
Und ja, Bingo!
Eine ganze Woche habe ich daran gelesen; langsam, denn ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte um Hazel Grace und Augustus kein Ende hat. Nach der Lektüre habe ich die Geschichte dann gleich meiner Lovelybooks-Freundin Streuner empfohlen, schwimme also seither beim Hype voll mit. Sie hatte es natürlich schon längst gelesen. Und was soll ich sagen; ihre Rezension sagt eigentlich alles.

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Vorhang auf für Streuner

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„Du hast mir mit deinen gezählten Tagen eine Ewigkeit geschenkt“

Mein erster Roman von John Green.
Mein zweiter Roman, in dem das Thema Krebs eine Rolle spielt.
Eigentlich mache ich, als Realitätsflüchtling, um solche Romane einen großen Bogen. Realität hab ich zu Hause genug und Literatur, die eventuelle Depressionen auslösen kann, gehört nur selten zu meinem bevorzugten Lesefutter. Manchmal macht mich aber die Inhaltsbeschreibung so neugierig, dass ich doch einen Versuch wage. So ging es mir schon bei „Die Bücherdiebin“ oder auch „Sieben Minuten nach Mitternacht“.
Und ich gestehe: auch einem gelegentlichen Hype kann ich mich nicht immer entziehen.
Dieses Buch hat jenseits des großen Teichs schon vor seinem Erscheinen einen riesengroßen Hype ausgelöst. Kommt ja eher selten vor, war aber ein sehr gelungener Schachzug des Autors.
Na gut – vor ein paar Wochen hat ein weiteres Buch einen noch viel größeren Hype ausgelöst. DER Wirbel lässt mich allerdings völlig kalt.
Nun aber zu diesem Buch:
Wie fast immer bin ich auch hier der Meinung, dass jedes Wort zum Inhalt ein Wort zu viel wäre. Lest euch die Inhaltsangabe oder den Klappentext durch und ihr wisst in groben Zügen, um was es geht. Den Rest lasst euch von John Green erzählen, der es auf so wunderbare Art und Weise schafft, seinen Charakteren Leben einzuhauchen. Ich habe nicht nur mit seinen Figuren mitgefühlt und mitgelitten.
– Ich war Hazel (mit dem Sauerstoffwagen im Schlepptau)
„Denn es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit sechzehn an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt.“
– Ich war die starke Mutter oder auch der weinende Vater.
– Ich war der tobende Isaac und ich war sogar die grausame Monica.
– Aber vor allem war ich Augustus, der sympathische Junge, der so gerne ein Held sein will.
Ich habe mich andauernd gefragt, was ich selbst mit einer Krebs-Diagnose tun würde. Den Kopf einziehen und nur noch heulen, heulen, heulen? Und wenn alle Tränen vergossen sind? Sammelt man dann neue? Oder versucht man mit der Krankheit zu leben und so etwas wie Normalität in seinen Alltag zu bringen? Fragen, die sich wohl jeder stellt, der dieses Buch liest, denn wir alle kommen irgendwann nicht an diesem Thema vorbei. Entweder weil wir selbst betroffen sind oder weil sich der Krebs Verwandte, Bekannte oder Freunde aussucht.
„Nicht mal der Krebs ist ein richtiger Schurke: der Krebs will auch nur überleben.“
Es gibt so viele tiefgründige Sätze in diesem Buch, die ich am liebsten auf ein Stück Papier pinseln und die Wände damit tapezieren möchte. Ein philosophischer, trotz des ernsten Themas humorvoller, aber auch ein sehr schmerzhafter Roman. Letzteres nicht nur für mich, sondern auch für meine Lesebrille, die just auf Seite zweihundertundirgendwas bei dem Versuch, den beiden Gießkannen in meinem Gesicht Einhalt zu gebieten, das Zeitliche gesegnet hat. Na ja – kein großer Verlust – war schon länger mal Zeit für eine neue Lesehilfe.
Mein Fazit mache ich mir diesmal ganz einfach und zitiere einen Satz von Seite 36:
„Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben.“
Lest es!
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Danke, Streuner, für diese so treffenden Worte. Und danke, Christine Westermann, für die Beseitigung der elfschen Abwehr!
Weitere Infos zu diesem Kleinod gibt es hier.
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Vorsicht! Lesen ist ansteckend…..

Wer schon länger bei Elfbox mitliest, weiss von meiner Begeisterung für „Die Monkey Wrench Gang“.  Sie blieb nicht folgenlos. Drei Mitglieder der Lesegruppe „die üblichen Verdächtigen“ aus dem Lande Lovelybooks haben sich der Gang ebenfalls an die Fersen geheftet. Lest selber, was dabei rausgekommen ist,

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Weltverbesserer mit Schraubenschlüssel

Da können die üblichen Verdächtigen nicht widerstehen.
Die Elfe war hingerissen, jetzt sind Rallus , Bri und Thursday dran. Eine Gemeinschaftsrezi von Rallus und Thursdaynext mit freundlicher Unterstützung von Bri.

„Jessas, dachte sie, krimineller Anarchismus muss ja eine langweilige Arbeit sein“ Nicht mit der Monkey Wrench Gang.
 Bei dieser ökoanarchistischen, aussergewöhnlichen, zutiefst amerikanischen 70er Jahre Bonnie und Clyde Geschichte mit absoluter Aktualität gilt :
“ Nur die Harten kommen in den Garten“ Im tiefsten Südwesten Amerikas nahe der Staatsgrenzen von Utah und Arizona steht ein Monument des Unfriedens.
Unfriedens für alle die die freie Natur lieben, die reine Luft und den wildfliessenden Fluss.
 Das Übel ist der Glen-Canyon Dam eine Staumauer die den Colorado River anstaut und den Lake Powell zum zweitgrößten Stausee der USA macht.
 Bei einer Touristenfahrt im unteren Colorado River treffen sich unsere 4 Freunde und eine Idee wird geboren, welche, pragmatisch amerikanisch eben, sogleich in Aktion mündet.
 Bewaffnet mit einer inneren Wut, einem Drang der Natur ihrem Recht zu verhelfen machen sich die 4 Idealisten auf den Weg die amerikanischen kapitalistischen Naturzerstörer aufzuhalten. 
Dabei darf aber NIEMALS ein Mensch zu Schaden kommen, soviel Umsicht muss sein! Wichtigstes Werkzeug hierzu, abgesehen von vier unterschiedlichen Motiven, die sich in einer gemeinsame Überzeugung der gezielten Sabotage wiederfinden: der Universalschraubenschlüssel und viel Sand!
 Mit diesen bewaffnet versucht die Gang den Lauf der Dinge umzudrehen und auch ein wenig ihre eigenen Problemen zu entfliehen. 
Gewaltfrei und effektiv zu bleiben ist dabei gar nicht so einfach, besonders mit einem vietkongerfahrenen Waffennarren.
Zweifel am Tun bleiben da nicht aus. „In der Stille der Wüste, unter einem sternenübersäten Himmel, der von den ersten Strahlen einer schnell ziehenden Sonne gefärbt wurde, starrten sie  –  drei kleine,  schwache, ängstliche Sterbliche  –  einander an.  Noch immer Zeit, dachte sie, noch – immer Zeit dachten sie alle. ….. 
Noch immer Zeit für nüchterne Gedanken, für Ordnung,  Schicklichkeit,  gesunden Menschenverstand;   für alles was gut und sicher und anständig ist, um Himmels willen!“  Gerade die bunte Mischung amerikanischer Charaktere ihre Überspitzung und die umwerfende Komik machen den besonderen Charme dieses Buches aus.
 Die Hauptfiguren entwickeln sich paralell zur Geschichte mit ihr und wer gute Dialoge und teils derben Witz zu schätzen weiß wird sie ebenso lieben lernen wie wir. Bonnie Abbzug,  die einzige Frau der Gang hat es auch nicht immer leicht. 
“ Ein Mann allein kann ja manchmal ziemlich blöd sein,  aber was die richtige,  waschechte Dummheit betrifft,  da ist wohl die Arbeit im Team unschlagbar“. „Die Hoffnung sprudelt ewiglich – in männlichen Keimdrüsen“, davon sind auch Seldom See Smith – abgeleitet von seinem seltenen Auftauchen bei seinen drei Ehefrauen und bekennender R-Mormone – und Hayduke betroffen. Die männlichen Träume von Doc ähneln Crumbs Frauenbild und Hayduke erscheint als eine Mischung aus Bukowski und Crumb, mit seinem tierischen Trieb und dem glorifizierten Alkoholismus.
Bonnie kommt mit ihren männlichen Gang-Kollegen dennoch bestens zurecht, weiß sie zu nehmen….. Man spürt und atmet die Liebe des Autors zu dieser ganz besonderen Flora und Fauna die er mit viel Sachkenntnis dergestalt beschreibt, dass man sich in die Wüste hineinversetzt fühlt.
Man atmet die Luft, spürt die Hitze,den Duft des Salbeis und kreist wie ein philosophischer Geier über dem Geschehen, so wie es die Geier des Canyon zuweilen bei der Arbeit der Gang tun.  Seine Figuren – selbst die Gegenspieler wie Bischof Love (!)  –  agieren aus purer Leidenschaft und weil sie von ihrem Tun überzeugt sind. 
Abbey läßt uns an dem Innenleben seiner Figuren teilhaben und so entsteht ein plastisches Bild auch des Amerikas der 70er Jahre.  
Fast überzeichnet er die Darstellung all der Maschinen,  des Fuhrparkes die in den „Genuss“ des Universalschlüssels kommen und danach ächzend, schnaufend und zitternd ihr Leben aushauchen, die Kolben verschmelzen und wie in einem Herzinfarkt auf den Boden sinken.
 Komplementiert wird die Gang durch die  (leider zu wenigen)  Zeichnungen des Untergrundzeichners Robert Crumb,  mit dem Abbey eng zusammen gearbeitet hat.  Ein durch und durch amerikanisches Buch was zu Recht nach seinem Erscheinen 1975 zum Kultbuch wurde, aber in den vielen Jahren nicht an Aktualität eingebüßt hat. 
Volle Punktzahl, beim Lesen ist dann doch öfters die Faust nach oben ausgerutscht: „YIAAAHHHH“ und der Drang mitzusabotieren wurde nur von der fesselnden Lektüre behindert die gegen Ende keinen Lesestopp mehr zuließ. Wie schon Günter Eich sagte: „Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
 Seid mißtrauisch gegen ihre Macht,
 die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
 Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, 
wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
 Tut das Unnütze, singt die Lieder,
 die man aus eurem Mund nicht erwartet!
 Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt“  Ein Buch welches unsere Herzen gefüllt hat!

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Scheint, als hätten thursdaynext, Rallus und Bri genau so viel Spass mit der Gang gehabt wie ich. Nun ja, ich habe nichts anderes erwartet…..

Milena Moser und die Träume der Blondinen

Wer schon etwas länger bei Elfbox reinspickt, mag sich vielleicht an meine Lobeshymne auf Milena Moser’s neuesten Wurf „Montagsmenschen“ erinnern. Wer weiss schon, ob gerade diese Hymne thursdaynext zu einem etwas älteren Roman aus Moser’s Schreibstube hat greifen lassen.  Auf jeden Fall war ich mir ziemlich sicher, dass sie ihren Spass daran haben wird. Denn ich kenne sowohl den Roman  als auch thursdaynext’s literarisches Beuteschema. Schön, dass sie ihr Leseerlebnis mit uns teilt.

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Blondinenträume, nur der Titel suggeriert ein klassisch, leichtes Frauenbuch, tatsächlich ist es eine intelligente Gesellschaftssatire, wurde bereits 1994 veröffentlicht, was bedeutet , dass die in der Sozialsiedlung wohnenden Frauen und Kinder noch nicht völlig von den einschlägigen Privatsendern verdummbeutelt wurden. Stattdessen wird noch Tageszeitung, von verzweifelten Frauen auch gerne die Hilfe Kolumne von Frau Donata gelesen.
Deren Ratschläge um den Mann bei Laune und Stange zu halten gestalten sich wie folgt:
„Drei Dinge braucht der Mann: frischgepressten Orangensaft, oralen Sex und ungeteilte Bewunderung.“ Etliche Frauen in Blondinenträume scheinen diesen Ratschlag nicht beherzigt zu haben. Sie sind ohne Mann, alleinerziehend und der Männermangel ist ihr Hauptmakel, denn glücklich ohne ein männliches Pendant können sie nicht sein. Jene welche ihren Göttergatten noch besitzen empfinden sich als priviligiert, auch wenn er nur jammert und kränkelt, säuft oder schlägt und schauen auf die unbemannten „Versagerinnen“ die „selbst schuld sind“ herunter.

Lotti, alkoholabhängig, lebensweise mit Psychoballast im Gepäck,  kümmert sich als Tagesmutter um die Kinder der „Versagerinnen“. Da taucht ein Mann im sozialen Wohnungsbau auf. Alleinerziehend, glückverheissend, nur von Frau Lotti kritisch beäugt …

Milena Moser beschreibt humorvoll, bösartig , aber immer augenzwinkernd und nie verletzend, detailliert bis zu den aussagekräftigen Klamotten, das Leben und Denken der Frauen und lüftet den Vorhang. Leidet man als Leserin anfangs unter deren grenzenloser Naivität und Dummheit, erfährt man doch die Hintergründe und den Ursprung derselben und beginnt die Figuren mit all ihren Macken liebzugewinnen. Ausnahme der MANN. Den wiederum schnappt sich Frau Lotti und benutzt ihn um das Leben ihrer xy Chromosom abhängigen Geschlechtsgenossinen zu verbessern.
Wie sie das bewerkstelligt? Lest selbst. Es lohnt sich. Mich hat das Buch, mit seinem feinen hintersinnigen Humor, mehr Verständnis für vermeintlich minderbemittelte Geschlechtsgenossinen gelehrt.
Und immer dran denken: Männer machen nur auf Augenhöhe Spass!

thursdaynext

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Mir wurde das Buch vor Jahren von der besenschwingenden, zwergepflegenden und auch sonst ganz wunderbaren Katharina Zaugg empfohlen. Das elfsche Fazit betreffend die Blondinenträume lautet somit: Danke, Milena Moser! Danke, thursdaynext! Danke Katharina Zaugg.

Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang. 

geteiltes Leid ist halbes Leid

959 Seiten sind ein ganz schöner Brocken. Aber dicke Wälzer haben mich noch nie abschrecken können; schon gar nicht, wenn die Inhaltsangabe so viel verspricht wie diese.

Lucy Marsden ist neunundneunzig Jahre alt, als sie sich entschließt, einem jungen Besucher ihre Lebensgeschichte und die ihres Mannes auf Band zu diktieren. Sie berichtet, wie William More Marsden im Alter von dreizehn Jahren zusammen mit seinem gleichaltrigen Freund Ned Smythe in den Dienst der Konföderiertenarmee – der Rebellen, wie sie auch genannt werden – gepreßt wird. Sie erzählt, wie Ned wenig später auf schreckliche Weise zu Tode kommt und wie William Marsden sein Leben lang unter diesem Jugendtrauma leidet. Sie schildert, wie sie dem damals schon fünfzigjährigen Bürgerkriegsveteranen Marsden mit fünfzehn Jahren begegnet und ihn bald darauf heiratet. Wie sie den Rausch der Liebe und die Hölle der Ehe kennenlernt. Wie sie neun Kinder gebärt und wieder verliert. Wie ihr Castalia, die ehemalige Sklavin ihres Gatten, als Haushälterin zugeteilt wird und wie sie über alle Rassenschranken und Vorurteile hinweg versucht, deren Freundschaft zu gewinnen. Sie berichtet vom Warten auf den Tod. Und davon, wie sie ihm immer wieder ein Schnippchen zu schlagen versucht.

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Wer hätte auch geahnt, dass dieses Buch gefühlte 2000 Seiten lang ist. Ein höchst seltsames Lese-Erlebnis; denn der beiläufig plappernde Erzählstil war nicht nur so gar nicht nach meinem Geschmack sondern hat mich zeitweilig regelrecht genervt; Dennoch war kein Loskommen von dieser Geschichte;  fast kam es mir vor, als sässe Lucy Marsden mir  im Lehnstuhl gegenüber und verlange mit strengem Blick absolute Aufmerksamkeit. Sehr schräg. Was ein Geschenk, dass es da eine Leidensgefährtin gab. Thursdaynext hat das Buch zufällig zeitgleich angefangen zu lesen. Hier eine kleine Kostprobe unseres Austauschs:

.… kam der Anfang dich ob der Sprache auch so schwer an ? Durchhalten !!!

… .bei der Rebellenwitwe halte ich noch etwas durch. Aktuell auf Seite 300. Die Sprache wird leider nicht besser *seufz* Aber die Geschichte ist noch zu gut, um abzubrechen. Aber ich kann für nichts garantieren…

… Habe die Witwe nach der Hälfte erstmal weggelegt , die Sprache ist einfach nicht zum drangewöhnen

… beruhigt , dass du sie ebenfalls mühselig findest 😉  Die Sprache ist abscheulich! Das Blöde ist , die Geschichte an sich interessiert mich. Mal sehen, ob ich einfach mal überblättere und den Rest mit 99 im Altersheim lese.

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Vorhang auf für Thursdaynext’s Rezension zur Rebellenwitwe.

„Dann ist er gestorben. Hat sein müssen.“

Lucille Marsden, aufgewachsen in einer Kleinstadt in Carolina, 15 jährig verheiratet mit einem traumatisierten“Rebellenheld“ der Konförderierten, mittlerweile im Altersheim einsitzend erzählt von ihrem Leben.

Pragmatisch dramatisch und mit, von Humor geprägtem, unbeugsamen Überlebenswillen 
schildert sie ihre 99 Erdenjahre auf 958 Seiten.
Ausschweifend, in scheusslich authentischer Sprache. Mehrmals war ich versucht das Buch ad acta zu legen. Genervt von Stil und Inhalt. Es kam immer wieder zurück und krächzte „Lies mich!“

Lucille gebar neun Kinder. Trotz einer Hochzeitsnacht die mehr einer Vergewaltigung glich, einer nie aufgehobenen Distanz, bedingt durch seelische Kriegsverletzungen und das (zu ihrer Zeit) noch erhebliche Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern, liebte sie ihren Cap. Manchmal. 
Wie in einer langjährigen Ehe üblich mal mehr, mal weniger. 
Geduldig und mitleidig erträgt sie seine Marotten, die Waffensammlung unter dem Bett, das nächtliche Kriegsalbträumen, die sexuelle Gier.

Cap scheint es wert gewesen zu sein. Mir, die ich im 21. Jahrtausend lebe, ist allerdings immer noch nicht verständlich weswegen. 
Vielleicht machte das die Faszination dieses Buches aus. Verstehen zu wollen, warum die träumerisch pragmatische Lucy ihren Alten nicht gleich nach der ersten bezogenen Prügel
 um die Ecke gebracht, sondern ihn jahrzehntelang mitgeschleift und erduldet hat. 
Humor, Sex, Erzählkunst und Helfersyndrom erscheinen als Begründung einfach nicht ausreichend.
 Captain Willi Marsden starb übrigens auf zwei verschiedene Arten!

Selbst Castalia, Lucilles anfängliche Feindin und später beste Vertraute, die in Nerz gehüllte ehemalige Marsden Sklavin, ertrug diesen nie ganz aus dem Krieg zurückgekehrten Macho, unter dessen Mutter und Herkunftsfamilie sie und zig andere vor der Befreiung gelitten haben.

Die stärksten Stellen waren für mich immer jene, in welchen Lucy ihren Alltag mit den Kindern, das Leben in der Kleinstadt, die Entwicklung in den verschiedenen Jahrhunderten 
schildert. 
Trotz des „tu und tät“-Erzählstils bunt, anschaulich und augenzwinkernd weise.
 Auch die Überlebenstips fürs Altersheim (vielleicht kann man sie mal brauchen) waren beeindruckend .
Wie sie sich ihre Neugier auf das Leben erhalten konnte, ist bewundernswert erzählt. 
Die Kriegserlebnisse des 13 jährigen Willie Marsden, dem späteren Cap, bleiben dagegen blass. 
Castalias und Lucilles innere Stärke prägt dieses Buch. 
Der verloren gegangene Süden schimmert durch, ebenso wie das Leid welches der Bürgerkrieg einer ganzen Generation Amerikaner angetan hat.

So faszinierend der Lebenstil des alten Südens war. Es ist gut, dass er unterging und mit ihm die Sklaverei. Auch dies wird in der „Rebellenwitwe“ klar herausgearbeitet. 
Jeder Krieg gründet auf finanziellen Interessen. Der amerikanische Bürgerkrieg wurde nicht geführt 
um die Sklaverei abzuschaffen, dieser Grund war vorgeschoben um die wirtschaftlichen Begehrlichkeiten des Nordens zu kaschieren. Die Abschaffung der Sklaverei war lobenswerter Nebeneffekt, edelte aber eben diesen genauso dreckigen, blutigen, grausamen Krieg der darin allen anderen gleicht.

Die Faszination von Allan Gurganus Roman liegt eben darin die Kleinigkeiten der Geschichte herauszuarbeiten . 
Versüßt mit feststehenden alltäglichen Lebensweisheiten, welche man sich immer mal wieder ins Gedächtnis rufen sollte . Man wird sie benötigen.

Fazit: Ein Roman der nervt, plagt und dennoch nicht loszuwerden ist.
Bewertung schwierig. Mehr als drei Wochen mit vielen Unterbrechungen hat mich dieses 
Buch begleitet. 
Vier Sterne werden es nun doch. Für fünf war es eine zu große Plage und drei sind definitiv zuwenig.

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Ich habe dieser Rezension nichts, aber auch gar nichts hinzuzufügen. Danke thursday für diese treffenden Worte. Es war mir eine Freude, mit dir gemeinsam zu leiden….

sie sind mitten unter uns – die rosaroten Tütüs

Erneut geben wir das Wort an Streuner und dieses Mal berichtet sie von einem Buch, das ich selber noch nicht gelesen habe. Nach dieser Rezension ist mir die Möglichkeit, dieses Buch ungelesen an mir vorbeiziehen zu lassen für immer verwirkt…..

Was piept denn da?
Ehrlich? Ich habe das Cover gesehen und dachte: Meine Güte, wie kitschig ist das denn? Das soll Fantasy sein? Das wirst du bestimmt nicht lesen. Sieht ja aus wie Rosa-Tütü und aus dem Tütü-Alter bin ich raus – eindeutig und endgültig!
 Aber das Rosa-Tütü gab keine Ruhe. Fast täglich bin ich drüber gestolpert. Schon wieder eine begeisterte Leserin. Mein inzwischen nur noch halbherziger Widerstand bröckelte. Ja, ich weiß – ich bin ein schwacher Charakter! 

Na gut!

Überredet!

Was schert mich die Altersempfehlung? Zwölf bis fünfzehn war ich schließlich auch mal.
Ich will dieses Buch lesen! Ist man nicht immer so alt, wie man sich fühlt? OK – manchmal fühle ich mich auch mindestens so alt, wie ich bin. Aber wirklich nur manchmal!

 Stop! Ich schweife vom Thema ab. Hier geht es schließlich um das Buch. 

Kurz zum Inhalt: 
Ich lese ja oft, dass eine Rezension IMMER mit einer Inhaltsangabe beginnen soll. Find ich persönlich ja nicht so prickelnd. Ganz ehrlich? Die lese ich bei Rezensionen NIE, da bin ich konsequent, obwohl ich auch hin und wieder mal eine schreibe. So viel zu meiner Konsequenz. Ich scrolle also bis zum Ende und suche nach dem persönlichen Fazit zum Buch. Das lese ich allerdings komplett. Egal wie umfangreich es ausfällt. Es kommt auch schon mal vor, dass mir das persönliche Fazit viel besser gefällt, als das daraufhin gekaufte Buch. Ich hoffe, euch geht es hier nicht genauso. 

Ich schweife schon wieder ab. Muss an dem Buch liegen, über das ich nun, den eventuell noch vorhandenen Lesern, endlich was erzählen will.

Wie es mir gefallen hat? – Prima! Sieht man ja auch unschwer an meiner Bewertung.
Anspruchsvoll? – Nö, aber unterhaltsam. Für Männer? – Eher nicht. Obwohl…wer weiß schon so genau, wie Männer ticken? Liebesgeschichte? – Piep piep …. was denn sonst? Bei dem Cover (das übrigens passt, wie die Faust aufs Auge) erwartet wohl auch keiner einen gesellschaftskritischen Roman oder blutigen Horrorschocker. Apropos Cover. Die spielen in diesem Buch auch eine sehr große Rolle. Nein – nicht die, die ihr jetzt meint. Neugierig? Oh ja, ich sehe das Fragezeichen auf eurer Stirn direkt vor mir.

Wem das noch nicht reicht,  dem empfehle ich die Inhaltsbeschreibung, die Leseprobe oder die bereits vorhandenen Rezensionen.

Mein Fazit kurz und knapp: 
Ein locker leichter, humorvoller, jugendlich geschriebener Fantasyroman (der erste Band einer Trilogie) mit sympathischen Charakteren, einer abwechslungsreichen Story und vielen Pieps. 
Ihr wisst nicht, was ein Piep ist?  Tja, kann ich da nur sagen – so ging es mir auch. Da hilft wohl nur eins: Das Buch besorgen, lesen und euch gemeinsam mit mir auf die Fortsetzung freuen.

 Viel Spaß wünsche ich euch!

Für weitere Informationen zu diesem Titel geht es hier lang. 

Danke, Streuner, für diese wunderbare Rezension.  Ich mache mich jetzt mal auf den Weg in meine Lieblingsbuchhandlung und suche das rote Tütü…. 

Vorhang auf

Vorhang auf für eine neue Gastrezensentin auf Elfbox. Streuner hat sich ganz dem Genre Fantasy verschrieben und das sind auch ihre Rezensionen: Fantastisch!

Ihr Debüt bei uns gibt sie mit ihrer Rezension von


Denn es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen…

Wenn Rumo, Walter Moers und Dirk Bach aufeinandertreffen, dann möchte ich schon fast die Hände falten und vor ihnen niederknien.
Nun ja – ist vielleicht ein bisschen arg schwülstig, aber ich habe gerade die letzte CD aus dem Laufwerk geholt und kann mich vor lauter Begeisterung nur schwer wieder einkriegen. 

Meine Erfahrungen im Hörbuchbereich sind noch sehr, sehr spärlich. Jahrelang habe ich mich geweigert ein Buch in gesprochener Form bei mir zu Hause einziehen zu lassen. War das ein Fehler?
 Nun – ich denke, es gibt Hörbücher und es gibt HÖR-ERLEBNIS-BÜCHER. Ein solches Erlebnisbuch ist Rumo & die Wunder im Dunkeln für mich. Unbeschreiblich mit welchen Emotionen Dirk Bach mich diese Geschichte erleben ließ. 

Er flüstert und winselt – er wimmert und heult – er brummt und schnurrt – er jubelt, kräht, singt und schreit, dass einem die Ohren klingen und ich mit einem Dauergrinsen oder auch schaurigem Gruseln überhaupt nicht mehr die Stop-Taste drücken mag.
Er verleiht jeder Figur im Roman, mit einer ganz auf diesen Charakter zugeschnittenen Stimme, eine unverwechselbare Persönlichkeit. Wirklich grandios!
Ich bin mir sicher, dass mir das gedruckte Buch auch sehr gut gefallen hätte. Genauso überzeugt bin ich aber auch, dass es erst durch Dirk Bach zum Rundum-Wohlfühl-Erlebnis für mich wurde.

Meine Lese- bzw. Hörempfehlung:
 Viele verbinden Walter Moers mit dem TV-Käpt’n Blaubär. Ja, der stammt von ihm und auch diese Figur mag ich. Aber alles was ich bisher von ihm gelesen habe (Die Stadt der träumenden Bücher, Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär und Rumo)  fällt nicht in die Kategorie Kinderbuch. Vor allem bei Rumo geht es sehr blutrünstig und niemals zimperlich zu. Das ist nichts für Kinder und auch nichts für zartbesaitete Leser. Zu letzteren gehöre ich eigentlich auch, aber im Genre Fantasy macht mir das ganze Blutvergießen nur wenig bis überhaupt nichts aus.

 Auch Dirk Bach mochte ich schon immer (vor allem als Lukas aus der TV-Serie). Es soll Menschen geben, die jetzt nicht so viel mit ihm anfangen können. Lassen Sie mich sagen, dass Sie hier einen ganz anderen Dirk Bach erleben, als den, den sie aus dem Dschungelcamp oder den Comedy-Sendungen kennen. 

Das Genre „humorvolle Fantasy“ muss einem allerdings sympathisch sein, wenn man dieses Buch genießen will. Walter Moers hat unzählige abgedrehte Ideen, die er, mit Hilfe seines Sprechers Dirk Bach, dem Hörer mit einer solchen Sprachgewalt um die Ohren haut, dass einem hin und wieder schwindelig werden kann. 

Wer jetzt sagt: „Na gut – damit komme ich klar“, dem kann ich nur empfehlen, sich das Hörbuch zu besorgen, sich ein gemütliches Plätzchen zu suchen und mit Rumo auf die große Suche nach dem silbernen Faden zu gehen. 
Viel Spaß beim Hören!

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Danke, Streuner, für diese wunderbare Rezension. Wer jetzt Lust auf Rumo und sein Heimatland Zamonien bekommen hat, darf hier lauschen und dort hinschauen. Ich habe diesem HÖR-ERLEBNIS-BUCH übrigens schon längst gelauscht. Falls da draussen jemand im Besitz des legendären „Vergiss-mich-Pulvers“ ist, bitte ich um sofortige Lieferung. Ich würde es nämlich wahnsinnig gerne nochmals zum ersten Mal hören.

Holundermond von Jutta Wilke

Wir freuen uns sehr, dass Gastrezensentin Nina mal wieder literarisch für Elfbox unterwegs war. Und es sieht so aus, als wäre Jutta Wilke’s Erstlingsroman „Holundermond“ ganz nach ihrem Geschmack gewesen. Vorhang auf für die Eindrücke von Nina:

Klappentext: „Wie verwunschen wirkt das alte Kloster im sanften Licht des Mondes.

Doch Nele ahnt, dass hinter seinen dicken Mauern ein Geheimnis lauert, das eng mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters verknüpft ist.“

Die Trennung ihrer Eltern kommt für Nele völlig unerwartet und trifft sie wie ein Schlag, Bestürzt nimmt sie zur Kenntnis, dass Jan, ihr Vater, ausziehen will. Hinzu kommt, dass er nicht wie versprochen seine Ferien mit ihr verbringt, sondern ganz dringend für einen wichtigen Arbeitsauftrag nach Wien reisen muss. Nele will dies nicht akzeptieren und entscheidet kurz entschlossen, versteckt in Jan’s Auto mitzureisen.

In Wien angekommen, werden die beiden herzlich empfangen von Vivian und Flavio, zwei Bekannten von Jan, und schnell fühlt sich Nele wohl in der neuen Umgebung. Es stellt sich heraus, dass ihr Vater, tätig als Historiker, die mysteriösen Diebstähle wertvoller Kirchenreliquien im Kloster Mauerbach untersuchen soll. Doch plötzlich nehmen die Dinge ihren Lauf und Nele ahnt, dass ihr Vater einem gefährlichen Geheimnis auf der Spur ist. Als dieser nach einem Treffen mit seinem Arbeitskollegen spurlos verschwindet, macht sie sich gemeinsam mit Flavio auf die Suche nach ihm und daran das grosse Geheimnis um die gestohlenen Gegenstände zu lüften.

Fazit: Das Erstlingswerk der Kinderautorin Jutta Wilke liest sich flüssig und in einer angenehmen Sprache. Die Ereignisse überschlagen sich und der Leser folgt dem Verlauf der Geschichte mit grosser Spannung. Interessante historische Details werden eingeflochten und die Geschichte bleibt bis zum Schluss nicht vorhersehbar. Spannung pur, vor allem für Teenager, aber auch für Erwachsene.

Für weitere Informationen zu „Holundermond“ geht es hier lang.