Ein schöner Tag zum Sterben – Als Bundeswehrärztin in Afghanistan von Heike Groos

Nachdem ich ein Radiointerview mit der Autorin gehört hatte, war für mich klar, dass ich dieses Buch auf jeden Fall lesen will. Und das habe ich getan.

Als Oberstabsärztin der Bundeswehr hat Heike Groos viele Monate am Hindukusch gedient. Was sie dort erwartet hat, hätte sie sich in ihren schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen können. Flirrende Hitze, Staub der bis in die letzten Poren zu dringen scheint und rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Nie zu wissen, was sie bei einem Vorfall genau erwartet, wie schwer die Kameraden verletzt sind, ob ihre ärztliche Kunst ausreicht, zermürbt. Genauso wie die bürokratischen Mühlen, in der Bürohengste absurde Entscheide treffen.

Als auf einen Bus, der deutsche Soldaten auf dem Weg zum Heimaturlaub ein Selbstmordattentat verübt wird, ist Heike Groos eine der ersten, die vor Ort ist. Die rettet und doch nicht alle retten kann. Vier junge Soldaten sterben. Und mit ihnen ein Stück von allen, die dieses Grauen miterleben mussten.

Und doch; Afghanistan steht nicht nur für Schrecken. Dieses Land hat auch wunderschöne Seiten. Die Landschaft mit ihren hohen, schneebedeckten Bergen, die gleissende Sonne, die zeitweise alles rundherum in Gold zu tauchen scheint, der orientalische Duft von Zimt und Kardamom und die bunten Märkte mit ihren liebenswerten Menschen. All das wächst ihr ans Herz und ist die andere Seite der Medaille.

Heike Groos lebt heute mit ihren drei jüngsten Kindern in Neuseeland. Als sie in ihrer neuen Wahlheimat im Rahmen ihrer Tätigkeit als Ärztin in einer Klinik gebeten wird, einen Vortrag über ihre Erfahrungen in Afghanistan zu halten, kommt der Zusammenbruch. Sie fällt in eine tiefe Depression aus der sie nur mit viel Mühe wieder auftaucht.

Die Autorin switcht in ihrem Buch zwischen den verschiedenen Zeiten vor, zwischen und während den beiden Einsätzen in Afghanistan bis zum Auftauchen nach ihrem Zusammenbruch. In einer Mischung aus Reportage und Seelenstriptease berichtet sie mal in nüchternem Ton und mal voller Emotionen.

Fazit: sprachlich anspruchslose aber interessante Reportage.

Wir danken dem Verlag S. Fischer, der uns diesen Titel zur Verfügung gestellt hat. Für weitere Informationen geht es hier lang.


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Ein Kommentar zu “Ein schöner Tag zum Sterben – Als Bundeswehrärztin in Afghanistan von Heike Groos

  1. sprachband sagt:

    Hut ab und Respekt an alle Ärzte da draußen!

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