Die hässlichste Frau der Welt von Margrit Schriber

ISBN 9783312004461, Fester Einband, 192 Seiten, Historische Romane, erschienen am 17.08.2009 bei Nagel & Kimche

Was schreibt man zu einem Buch, über das schon soviel rezensiert, philosophiert, spekuliert wurde. In anrührenden Worten , in Zitaten und in Inhaltwiedergaben . Das Ganze zum zigsten mal wiederholen? Um noch ergreifendere und noch weichere Worte ringen? Nee, nee keine Bange, aber ich erzähl euch mal was:
Zum ersten Mal fiel mir dieses Buch auf, als Mr. Rail von Lovelybooks es in seine Bibliothek stellte und ich das Cover einfach toll fand und ich setzte es auf meinen Merkzettel. Kurze Zeit später gab es die Testleserunde zum Buch….und irgendwie waren alle dabei, jeder begeistert wie erschrocken und gerührt und ich beschloss: Das Buch musst du jetzt auch mal lesen, damit du überhaupt noch mitreden kannst.
Schon die Beschaffung des begehrten Buches war nicht so einfach, da es in keinem der örtlichen Buchläden zu bekommen war…..also bestellen …und bei der Abholung am nächsten Tag war ich erstmal platt : „Oh. Das ist aber dünn.“ Und ich finde 19,90 Euro für ein mal grad 189 Seiten starkes Buch ziemlich happig.
Einige Tage zogen ins Land , bis ich denn endlich auch anfing zu lesen und ich holperte mich durch den Anfang. Das lag allerdings weniger am Buch, sondern wohl eher an mir, die sich erstmal in die Sprache und den Aufbau, den die Autorin sich gedacht hatte reinfinden musste und ich auch mit einigen Begriffen meine liebe Mühe hatte….mh…..nochmal durch die Rezensionen geblättert…anscheinend war ich so ziemlich die einzige der es so erging. Liegt wahrscheinlich auch an mir…..*lach….Thriller-Icy eben 😉
Ich las das Buch an drei Abenden und wurde zeitgleich von einigen lieben LB’lern in die Lesegruppe „gezerrt“….Ich schaute mich um, bekam Kenntnis vom „Eine Frau ohne Grab“ Projekt, bot mich spontan zum Mitmachen an ….und setzte mich, noch bevor ich das Buch durch hatte , sehr intensiv mit Julia Pastrana auseinander. Einen ganzen Tag. Stundenlang. Ich recherchierte, suchte, las und überlegte.
Allerdings gelang es mir dabei immer weniger die Julia aus dem Buch in Einklang mit der realen Affenfrau Julia Pastrana zu bringen.
Es taten sich ganz andere Fragen auf….Wird denn hier im Buch die Affenfrau nicht wieder genauso vorgeführt wie zu Lebzeiten? Wird ihre Hässlichkeit und ihr Leid, denn nicht , ob bewusst oder unbewusst dazu genutzt um Auflage zu erzielen? Und um das ganze noch zu steigern wird eine fiktive blutjunge Schönheit, die es in der Realität niemals gab, an Julias Seite gestellt um den Effekt noch zu verstärken….im Buch. Aber auch für die Realität ?
Seltsame Fragen die sich mir da aufeinmal auftun.
Verglichen mit den realen Berichten und historischen Fakten des Lebens von Julia Pastrana, wirkt ihr Leben im Buch geradzu beschaulich und etwas betulich beschrieben. Zwischen weichen Betten und warmen Pantöffelchen, Spitzhäubchen und schönen Kleidern lieben Julia und das Kind Rösli ihren Dompteur abgöttisch, eine Beziehung von Hörigkeit und Abhängigkeit aus der es kein entrinnen gibt und entwickeln eine zarte Freundschaft zu einander. ( Ich als Leser empfand diese Freunschaft nicht als über alle Maßen innig) Zur Vorstellung setzt sich Julia bereitwillig in ihren Käfig und macht alberne Faxen zur Belustigung der sensationsgierigen Massen.
Alles in allem allerdings ein Thema, dass auch in der heutigen Zeit erschreckend aktuell ist.
Das fiktive Rösli steht in der Geschichte stets im Vordergrund und entwickelt sich rasant : ist sie auf Seite 20 im Jahr 1855 zarte 12 Jahre alt, ist sie auf Seite 168 , im Jahr 1860 bei Julias Tod, also nur fünf Jahre später bereits 19 Jahre….die Reisen dauerten allerdings laut Buch rund drei Jahre.
Als ich das Buch zuklappe, nehme ich mir die zeit, in mich hinein zu horchen.
Bin ich erschüttert, entsetzt betroffen? zum einen : Nicht wirklich. Dazu blieb mir persönlich Julias Geschichte und Gefühlswelt zu sehr an der Oberfläche und verlor sich irgendwo zwischen Spitzenhäubchen und warmen Pantöffelchen………zum anderen :
Ja, aber weniger von dem Buch als wie von den realen Tatsachen um Julias Leben….auf die ich allerdings ohne dieses Buch niemals aufmerksam geworden wäre.
Und daher mein tiefer Dank an Margret Schriber

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