Malorie Blackman – Himmel und Hölle

185822328_617730afd1In der Regel lasse ich mich von den Lobhudeleien auf den Buchumschlägen nicht verführen. Die Verlage müssen ihr Produkt ja anpreisen. Aber „… von den TIMES-Lesern zu den „100 Lieblings-büchern aller Zeiten“ gewählt“ hat mich dann doch aufhorchen lassen. Also gleich mal in der Bibliothek eingepackt und mitgenommen.
Nur so viel: In der von Malorie Blackman erschaffenen Trilogie geht es um die Zweiklassen-Gesellschaft der schwarzen Alphas und der weissen Zeros.  Zur detaillierten Inhaltsbeschreibung geht es hier lang  Die Protagonisten, das Alpha-Mädchen Persephone und der Zero-Junge Callum, erzählen ihre Geschichte abwechselnd aus ihrer eigenen Perspektive. Das hat den wunderbaren Effekt, dass beide einen  gleichermassen ans Herz wachsen. „Himmel und Hölle“ ist stellenweise recht vorhersehbar.  Was aber keineswegs störend ist, schliesslich handelt es sich hier nicht um einen Krimi. Hier geht es um etwas ganz anderes. Man nehme einen grossen Teil Gesellschaftskritik, einen ordentlichen Teil Spannung und einen Schuss Liebesgeschichte. Ja, das ist der Stoff, aus dem dieses Jugendbuch mit Pageturner-Qualität gesponnen wurde. Und wenn ich die Ohren spitze, höre ich den Fortsetzungsband „Asche und Glut“ schon ganz leise nach mir rufen. Bibliotheken sind was Feines…

Katharina Faber – Fremde Signale

Katharina-Faber-Fremde-Signale_smallDie Bücher vom Schweizer Bilger-Verlag haben mich bisher optisch immer sehr angesprochen. Aber das war es auch schon. Die Lust, eines auch wirklich mal zu lesen, war  nicht da. Die Geschichten interessierten mich einfach nicht. Bis eine Bibliothekarin mir in den höchsten Tönen von „Fremde Signale“ vorschwärmte. Also gut, dann nehme ich es eben mit. Mal etwas reinblättern kann ja nicht schaden. Zur Inhaltsbeschreibung geht es hier lang.

Melancholisch und gleichzeitig aufregend schreibt Katharina Faber von drei Schutzengeln und ihrem Schützling. Wie sie ihre Schutzbefohlene begleiten, unauffällig beschützen, ihr Gutes tun. Und während die einzelnen Stimmen der drei Engel erzählen, kommen wir auch ihnen näher. Ihrem Leben und ihrem Tod. Ihren Wünschen und Träumen.

„Was wir übermitteln, kommt nicht aus einem Alphabet. Unsere Zeichen gleichen in nichts den Zeichen einer Sprache. Und wenn wir uns an Menschen wenden mit unseren Signalen, so sind es für sie: fremde Signale. Herausgelöst aus dem Zeichennetz der Sprache. In ihre Menschentaubheit hinein. Schicken wir unsere Signale.“

Wer jetzt zwischen diesen Buchdeckeln esoterisches Gesülze vermuten sollte, liegt übrigens völlig falsch.

Fazit: Das ist es wohl, was man Erzählkunst nennt. Aussergewöhnlich, warmherzig, ganz gross.  Ja, man sollte auf Bibliothekarinnen hören…dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

Justin Cronin – Die Zwölf

Die gelesenen und noch nicht rezensierten Bücher stapeln sich. Die noch ungelesenen auch. Ein Kurswechsel ist nötig. Künftig wird hier deshalb nicht mehr ausführlich über Inhalte geschrieben. Vielmehr wird einfach Fazit gezogen. Das aber wie gewohnt absolut subjektiv und ehrlich.

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Den Anfang macht „Die Zwölf“ von Justin Cronin. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, um was es bei Cronin’s epischer Trilogie geht, empfiehlt sich ein Blick auf die Besprechung des ersten Bandes „Der Übergang“.

36265032z-1Alles beginnt im Jahre Null. Die Anlehnung an die Bibel ist offensichtlich. Mehr zu Autor und Inhalt gibt es auf der Verlagswebsite. Eine Warnung vorweg: Dieses Buch ist nichts zum nebenher lesen. Umfang und Anzahl der Protagonisten sowie die häufigen Zeitsprünge erfordern einige Konzentration. Wer diese aufbringt, kriegt ordentlich etwas geboten. So verwirrend die Geschichte stellenweise ist, so gekonnt hält Cronin seine Leserschaft bei der Stange. Nun ja, wer bleibt schon gern im Nebel hängen…. Das, gepaart mit dem Mix aus Fantasy und durchaus auch ein wenig Horror liest sich grossartig.

Fazit: Grandios! Möge Justin Cronin sich mit dem dritten und letzten Teil etwas beeilen.dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

Ein wildes Herz von Robert Goolrick

Ein wildes Herz von Robert GoolrickVirginia, 1948. Eines Tages kreuzt er plötzlich auf in der beschaulichen Kleinstadt Brownsburg. Mit seinem alten ramponierten Pickup kommt Charlie Beale in der 538 Seelen-Gemeinde an und beschliesst, sich dort niederzulassen. Sein einziger Besitz scheinen nebst dem Auto die zwei Koffer zu sein; einer prallvoll mit Geld, der zweite enthält seine rasiermesserscharfen Schlachtermesser. Man muss wissen, Charlie Beale ist Metzger. Es dauert nicht lange, und er fängt an beim einzigen Metzger im Dorf zu arbeiten. Keiner schneidet die Steaks so perfekt wie er und die Hausfrauen schliessen ihn schnell ins Herz. Als er die auffallend schöne Sylvan kennen lernt, ist es um ihn geschehen. Wie ein Pinup-Girl sieht sie aus und passt so gar nicht in das verschlafene Nest. Sie ist mit dem reichsten – und hässlichsten – Mann in Brownsburg verheiratet. Auf welch ungewöhnliche Weise diese Ehe zustande kam, soll jeder selbst lesen. Es wäre eine wahre Schande, das an dieser Stelle zu verraten.
 
„Er wäre für sie gestorben, so wie er jetzt für sie lebte, für Sylvan und nur für Sylvan. Für sie würde er zu einem besseren Menschen werden, und er würde geduldig sein wie der bibliosche Hiob, er würde nichts sagen, keinen Druck ausüben, er würde alles wollen und nichts erwarten.“
Für den fünfjährigen Metzgerssohn, Sam, wird Charlie Beale  so etwas wie ein  zweiter Vater. Wie ein junger Hund begleitet der ihn bald auf Schritt und Tritt. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie liebevoll Charlie mit dem Kleinen umgeht. Sylvan erwidert Charlie’s Werben und eine amour fou nimmt ihren Lauf. Die anfänglich gemächlich anlaufende Geschichte nimmt bald ordentlich Fahrt auf und endet in einer Tragödie, die keiner vorhersehen kann. Ich habe das Buch an einem Wochenende beinahe in einem Rutsch weggelesen. Ein Pageturner,  wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.
 
„Es ist die Geschichte dieser Welt, und das Notizbuch eures kleinen Lebens, und wenn ihr zu Asche geworden seid und im tiefen Dunkel des Grabes liegt, wird es eure Geschichte erzählen.“
 
Fazit: Irrsinnig spannender Roman mit Figuren, die einen lange nicht mehr loslassen. 
Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang. dce2882e2eeb0642b159fc88e9fd030a_low

Grace McCleen – Wo Milch und Honig fliessen

wo-milch-und-honig-fliessenDie zehnjährige Judith ist ein einsames Kind.  Sie lebt alleine mit ihrem streng religiösen Vater. Judith’s Mutter starb bei ihrer Geburt. Auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, ist bald ersichtlich, dass die Geschichte im Umfeld der Zeugen Jehovas spielt. Die Mission ihres Vaters ist klar: Die Menschheit vor dem drohenden Weltuntergang  zu bekehren. Dass Judith in der Schule eine Aussenseiterin ist, wundert nicht. Sie wird gemobbt und ist mit ihren Sorgen vollkommen allein. Um dem öden Alltag zu entfliehen, bastelt sich Judith in ihrem Zimmer aus Fundstücken sehr fantasievoll eine eigene kleine Welt und nennt sie das Land der Zierde.

„Vom Glauben verstehe ich etwas. Die Welt in meinem Zimmer ist daraus gemacht. Aus Glauben habe ich die Wolken genäht. Aus Glauben habe ich den Mond und die Sterne ausgeschnitten. Mit Glauben habe ich alles zusammengeklebt und zum Leben erweckt. Weil der Glaube wie Fantasie ist. Er sieht etwas, wo nichts ist, er macht einen Sprung, und plötzlich fliegt man.“

Als ein Mitschüler sie am Freitag so sehr bedroht, dass sie panische Angst davor hat, am Montag zur Schule zu gehen, passiert etwas Unglaubliches. Sie betet um Schnee; viel Schnee. So viel, dass am Montag die Schule ausfällt.  Um ihren sehnlichsten Wunsch zu visualisieren, lässt sie es auf ihre Fantasiewelt schneien.

Kurz darauf fällt Schnee und das in solchen Mengen, dass das normale Leben erst einmal still steht. Judith ist überzeugt davon, dass sie selbst es war, die es hat schneien lassen. Scheinbar hat sie die Büchse der Pandora geöffnet denn von da an lässt sie immer wieder Dinge geschehen. Allmachtsgefühle entwickeln sich. Das ist beängstigend und faszinierend zugleich. Wem soll sie davon erzählen, wo doch niemand da ist, der ihr zuhört? Wer würde ihr glauben?

Die Autorin lässt einen sehr rasch Zugang finden zu diesem besonderen Kind, das versucht, seine Schwierigkeiten alleine zu bewältigen. Ihr Glaube wirkt  unerschütterlich. Die Geschichte entwickelt einen Sog, der das Buch nur schwer weglegen lässt. Unhörbar scheint im Hintergrund eine Bombe zu ticken. Äusserst spannend.  Die erwartete Explosion tritt aber nicht ein.  Das ist es auch, was ich am Ende des Buchs bemängle. Die Autorin hat in diesem Punkt meiner Meinung nach die Kurve zu einem stimmigen Ende nicht gekriegt.  Das letzte Drittel der Geschichte hat mich regelrecht gelangweilt. Das allerdings wird mich nicht davon abhalten, die Autorin im Auge zu behalten. Denn ihre plastische Erzählweise macht Lust auf mehr.  Grace McCleen’s  zweiter Roman ist in Arbeit. Ich werde ihn bestimmt lesen.

Fazit: Anfangs sehr poetisch und spannend, gegen Ende aber leider ziemlich langweilig.

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Claude Cueni – Der Henker von Paris

9783857874338Fast hätte ich es ungelesen in die Bücherei zurückgebracht. Denn die ersten fünfzig Seiten dieses historischen Romans über die Henker-Dynastie Sanson waren zäh. Nicht eben wegen des unschönen Themas an sich sondern wegen des Schreibstils. Die Sprache wirkte auf mich allzu hölzern. Also Buch einpacken und zurück in die Bücherei damit; das war zumindest der Plan. Hätte ich auf dem Weg dorthin nicht mangels Alternative noch ein wenig weitergelesen. Und wider Erwarten wurde die Sache wahnsinnig interessant. Das Buch wollte unbedingt fertig gelesen werden.

Claude Cueni’s Roman handelt von einem Mann, der aufgrund seiner Herkunft dazu verdammt ist, Henker zu werden. Der Beruf des Henkers wird von Vater zum Sohn weitergegeben; so war das schon immer und da interessiert nicht, dass Charles-Henri Sanson sich zum Arzt berufen fühlt. Es gibt kein Entrinnen. Weder für ihn noch für seinen Erstgeborenen.  Alleine während  dieser Revolution richtet Sanson unter anderem mit Hilfe der eiligst erfundenen Guillotine rund dreitausend Menschen hin. Das Volk ist in einem wahren Blutrausch und Sanson muss als sogenannter „Monsieur de Paris“ richten. Wer nun glaubt, dass es sich hier einfach um einen gruseligen Roman handelt, täuscht sich. Claude Cueni hat  gründlich recherchiert. Die Sanson-Henkersdynastie gab es tatsächlich. Und Charles-Henri Sanson war der letzte grosse Henker von Paris. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie er gelebt hat, dem sei dass vorliegende Buch ausdrücklich empfohlen.

Fazit: Interessantes Buch rund um ein wirklich grausiges Thema.  

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Wenn der Filmtrailer in die Buchhandlung lockt…

der-wolkenatlas„Wir müssen nur den Mund halten und ruhig zuhören – und siehe da, schon ordnet uns die Welt unsere Gedanken…“

Manche Filme locken mit wirklich fantastischen Trailern. Allerdings locken sie mich weniger ins Kino als in die Lieblingsbuchhandlung oder – wie hier geschehen – in die kleine aber feine Bücherei um die Ecke. Denn was auf der Leinwand spektakulär sein soll, ist zwischen den Buchdeckeln bekanntlich noch wesentlich spektakulärer; meistens jedenfalls.  Und so habe ich mich auf die Reise ins Unbekannte gemacht,  mich auf David Mitchell’s kunstvoll gewobenen Sprachteppich gesetzt und bin losgeflogen. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin in die ferne Zukunft.  668 Seiten lang und stellenweise ganz schön turbulent war meine Reise mit dem Wolkenatlas. Statt einer eingehender Besprechung zu diesem Erlebnis, verweise ich an dieser Stelle an die grossartige Gemeinschaftsrezension auf Bri’s Literatouren.  Aber Vorsicht; die Begeisterung ist ansteckend. Am besten die Besprechung nicht Sonntags lesen, denn dann ist Ruhetag bei den Buchhandlungen und die Zeit bis zum Montag dürfte sich zähflüssig gestalten.

Ich für meinen Teil werde mir demnächst die Verfilmung zu Gemüte führen. Denn das muss dann doch noch sein. Der Trailer ist einfach zu gut…

Fazit: Mehr als ein Buch. Im Wolkenatlas steckt ein ganzes Universum!

Bücherelfe

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