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Sieben Minuten nach Mitternacht, wacht Conor aus einem Albtraum auf. Um ihm aus seinem ganz persönlichen Albtraum in der Realität herauszuhelfen, braucht es ein Monster.
Es erscheint.
Wir sind lange um dieses Buch mit fragendem Blick herumgeschlichen. Sollen wir das wirklich lesen? Denn was hochgejubelt wird – und dieses Buch hat beim Lovelybooks-Leserkompass 2011 immerhin den 2. Preis bei der Kategorie “Kinder- und Jugendbuch” gewonnen – reizt uns in der Regel nicht. Aber dass Patrick Ness richtig gut schreiben kann, wissen wir; Immerhin hat thursday die Teile eins und zwei seiner New World-Trilogie mit Begeisterung gelesen. Die Elfe hinkt noch etwas hinterher und hat Teil zwei und drei noch vor sich. Für manche, die schon alle gelesen haben, ein beneidenswerter Zustand…..
Aber jetzt zu “sieben Minuten nach Mitternacht”:
Die Geschichte baut auf dem Plot der 2007 an Krebs verstorbenen Siobhan Dowd, auf. Ness lernte diese nie persönlich kennen, schätzte ihre Bücher aber sehr.
“Ich hatte damals das Gefühl – und habe es bis heute -, als sei mir ein Staffelstab in die Hand gedrückt worden, als habe eine einzigartige Schriftstellerin mir ihre Geschichte mit den Worten übergeben:
“Jetzt bist du dran. Lauf los. Stifte Unruhe”. Genau das hat “Sieben Minuten nach Mitternacht” bei Bücherelfe und thursday getan!
Der Roman erschüttert. Kratzt an den Tabuthemen Krebs und Tod.
Zerrt die Sprachlosigkeit, die entsteht und auf alle Beteiligten übergreift, wenn jemand davon betroffen ist, schmerzhaft ans Licht und zeigt auf, wie
durch eben dieses Verschweigen das Leid noch viel unsäglicher wird.
Ness beherrscht die einfache klare Sprache meisterlich und führt gerade damit in Abgründe. Er zeigt auch auf, wie entscheidend es ist, dass bei einer solchen Katastrophe eine Person den „Fels in der Brandung-Part“ übernimmt und die Übersicht behält. In Conor’s Geschichte hat die Grossmutter diese Funktion inne. Mit scheinbarer Gleichmut hilft sie Conor letztendlich das Schreckliche zu ertragen.
„Du und ich, Conor“, sagte sie, „wir passen nicht besonders gut zusammen, oder?“. „Nein“, sagte Conor. „Ich glaube nicht.“ „Ich auch nicht.“ Sie bog so schnell um eine Kurve, dass Conor sich am Türgriff festklammern musste, um aufrecht sitzen zu bleiben. „Aber wir werden es lernen müssen, weisst du“, sagte sie. Conor schluckte. „Ich weiss“. Ein Schluchzen brach aus ihr heraus. „Ja, nicht wahr?“, sagte sie. „Natürlich weisst du das”.
“Sieben Minuten nach Mitternacht” ist brutal, schonungslos obwohl oder gerade weil das instinktive Gefühl des Lesers mit Sätzen, die zwischen den Zeilen stehen, direkt angesprochen wird.
Ein großes Lob an Jim Kay, den Illustrator , der mit seinen sensiblen, aus- und eindrucksvollen schwarzweißen Monsterzeichnungen das Beklemmende zauberisch skizzierte.
Ob gerade die Zielgruppe, Jugendliche, damit klarkommt . Wir können es nicht beurteilen.
Uns hat das Buch gebeutelt, durch den Wolf gedreht und nicht losgelassen. Extrem schmerzvolles Lesen, welches den Kopf auch während der Nichtlesezeit mit der ganzen sich auftuenden Gefühlspalette beschäftigt hielt, war das Ergebnis.
Am Ende wird Ness mit diesem Satz das gesamte Buch einfangen: “Wenn du die Wahrheit aussprichst,” flüsterte das Monster ihm ins Ohr, “wirst du allem ins Auge blicken können, egal was passiert”.
Alleine lassen sollte man sein Kind mit diesem Buch nicht! Für ein Kind, das aktuell mit einer solchen traumatischen Situation konfrontiert ist, könnte es hilfreich sein.
Vielleicht. Einmal gelesen wird man es jedenfalls nie mehr aus dem Kopf schaffen können.
Und das ist gut so!
Fazit: 5 Sterne, Strike Mr. Ness!
Für weitere Infos inkl. Leseprobe zu diesem Titel geht es hier lang.