Konkurrenz für die Queen der Tragikkomödie

Vorab: Mit Yoga habe ich nichts am Hut. Vor der Lektüre der Montagsmenschen nicht und auch danach nicht. Das aber hat dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch getan. Mit den Montagsmenschen hat Milena Moser bei mir voll ins Schwarze getroffen. Ihr Schreibstil erinnert mich stark an Marian Keyes, meine ganz persönliche Queen der Tragikkomödie.  Aber erst einmal zum Inhalt: Milena Moser rückt dem Montagskurs der Yoga-Lehrerin, Nevada, zu Leibe. Nevada, vegan, diszipliniert und überzeugt davon, dass sie ihre Schüler und Schülerinnen nur dann optimal betreuen kann, wenn sie selber die Stärke in Person ist, schwächelt. Ihr seit Kindheit gestählter – oder auch geplagter – Körper will einfach nicht mehr.

Nevada und ihre Schülerinnen und Schüler lernen wir nicht nur kennen sondern sie scheinen tatsächlich aus dem Buch zu klettern und sich breit zu machen. Da ist Marie. Ärztin und im wahren (Montagsmenschen-)Leben die zweite Ehefrau eines Soap-Stars auf absteigendem Ast. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob Gion wirklich eine gute Wahl war. Ganz abgesehen davon verhält sich seine pubertierende Tochter ganz einfach grässlich. Da ist Poppy, gescheiterte Ehefrau und Mutter zweiter Söhne, die bei ihrem Ex-Mann leben. Scheinbar glasklar eine Rabenmutter. Dass sie beruflich auf einem Abstellgleis steht, macht ihr Leben nicht wirklich runder. Und da ist Ted, Grundschullehrer und Wochenend-Papa, der von der Mutter seiner kleinen Prinzessin mal eben vor die Tatsache gestellt wird, dass sie beruflich ins Ausland geht und ihm gnädigst die Tochter überlässt.

Milena Moser schreibt herrlich unterhaltsam und ist doch nicht einfach nur unterhaltend. Sie kriegt den Kunstgriff hin, dass ihre Protagonisten ans Herz wachsen. Sie kriegt es hin, dass ich langsam lese um bloss nicht das kleinste Fitzelchen zu verpassen. Und sie kriegt es hin, dass Marian Keyes ein klein wenig zur Seite rücken muss um Platz zu machen für eine zweite Queen der Tragikkomödie. In einem Radiointerview hat Milena Moser gesagt, dass eine der Protagonistinnen sie noch nicht losgelassen hat. Dass aus ihr vielleicht eine weitere Geschichte gesponnen wird. Also bitte, spinnen Sie weiter, Milena Moser. Ich warte; nicht geduldig, aber ich warte!

Fazit: Lesen!

Dieser Titel wird von Nagel u & Kimche verlegt. Für nähere Informationen zu „Montagsmenschen“ geht es hier lang  . Das Buch wurde über “Blogg dein Buch” zur Verfügung gestellt. Wer sich die Montagsmenschen auf Amazon anschauen will, findet es hier  Ich persönlich empfehle natürlich immer den Gang in eine Buchhandlung mit Buchhändlerinnen aus Fleisch und Blut.

“Ja, bin ich denn der Leo?” von Herbert Knappstein

Ach, du dicker Vatta, jetzt kommse auch noch mit mim Wörterbuch umme Ecke….. Woll – ein Wort erobert die Welt Eigentlich ist „Woll“ eher ein Wörtchen – ein kleines Wörtchen nur, aber mit einer immensen Bedeutung für die Menschen die es tagtäglich gebrauchen. Unbewusst, zu jeder Tageszeit und Gelegenheit passend. WOLL ist Sauerland – und das Sauerland hat seine eigene Sprache die uns der kleine aber feine Woll- Verlag mit „Ja, bin ich denn der Leo“ ans hochdeutsche Herz legt. Wenn der Sohnemann „auf seinem Fiffi mit Foffo durchs Geplänte pehst, dat eim de Sprickeln umme Ohren fliegen“ – wer bei solchen Aussagen aus dem Mund eines Sauerländers nur verständnislos den Kopf schüttelt, der sollte sich mit der Alltagssprache des Sauerlandes, die manchmal recht deftig aber immer direkt ist, beschäftigen. In dieser lebendigen Sprachkultur haben auch Begriffe aus dem nachbarlichen westfälischen Ruhrgebiet und solche aus dem Münsterland Pate gestanden. Außerdem finden wir Begriffe aus dem Jiddischen, der Gaunersprache und der modernen Jugendsprache wieder.

Wunderbare Fotografien setzen einige Worte besonders in Szene – da werden „Käsemauken“ und „Krawentzmann“ zum eindrucksvollen Hingucker. Dieses Sauerländer Wörterbuch zeigt die unglaubliche Fülle dieses speziellen Sauerländer Wortschatzes, wann und warum der Sauerländer an sich überhaupt WOLL sagt und – ach du dicker Vatter, dann kommse auch noch mit de Grammatik umme Ecke! Ja, der Sauerländer hat seine ureigene Grammatik die dem Imperfekt sehr abgeneigt ist, Verben mal endlich in eine sinnvolle Verlaufsform bringt und den zweiten Fall als quasi nicht existent betrachtet. Während es im Rest der Welt stark regnet, ist es im Sauerland schlichtweg „am plästern“. Und wer denkt, dass unsere deutsche Sprache arm an Schimpfwörtern sei…. Der fahre mal ins Sauerland – er wird eines besseren belehrt, wie uns der große Schimpfwörterteil, den dieses originelle Buch ebenfalls mitbringt, wortstark beweist. Auch die gängigen Redewendungen für jede Gelegenheit bringen Klarheit und können bei einem Aufenthalt im Sauerland gar als Verständigungshilfe dienen. Dieses Buch ist kein Nachschlagewerk des Hoch- oder Schriftdeutschen. Es ist auch kein Lexikon des „Sauerländer- Platts“, sondern bringt uns auf höchst unterhaltsame und kurzweilige Weise, in bester Wörterbuchmanier, die Alltagssprache im Sauerland näher. Jene Sprache, die diese Region so Liebens- und lebenswert macht. „Ja, bin ich denn der Leo“ – eine Liebeserklärung an die Heimat, ein „Rettungsschirm regionaler Sprachkultur“ (wie ein Leser betonte) und nicht zuletzt eine Hommage an die eigene Alltagssprache. Der Vorläufer dieses Buches – ein Poster mit den beliebtesten Sauerländer-Wörtern, die in einer großen Umfrage ermittelt wurden, hat mittlerweile Fans auf der ganzen Welt.

FAZIT: Woll – ein Wort und ein Buch auf dem Weg zum Kult!

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Elfe an Storch…..

Da will man nur mal wieder einen Cappuccino in bibliomaner Umgebung geniessen und schon kriegt man von der Lieblingsbuchdealerin wieder Inspirationen vorgesetzt…..

Vergesst sie, die Söckchen und Mützchen und Plüschbärchen als Mitbringsel zur ersten Baby-Besichtigung. Viel besser ist dieses Bilderbuch, das den Mamis und Papis auf hinreissende Art und Weise nahe bringt, warum ihre Minis – und sie selbst – Bücher brauchen. Eigentlich sollte der Storch  das Buch standardmässig gleich mitliefern…

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Dunkle Tannen und grüne Wiesen im Sonnenschein….

Ein unerwarteter Lesespass.

Aus dem Klappentext:

Heidi, Deine Welt sind … die Zombies

Vorbei die Zeiten, in denen dunkle Tannen und grüne Wiesen im Sonnenschein die heile Welt von Heidi waren! Nun verbreitet sich ein Virus in der Idylle der schönen Alpenwelt. Menschen werden zu Zombies, die besonders gern in den abgeschiedenen Bergdörfern ihr Unwesen treiben. Und so muss Heidi erfahren, dass ihre Mutter Adelheid gar nicht tot ist, sondern als Vampir auf nächtliche Streifzüge geht! Beherzt greift Heidi zum Pflock und befreit mit Hilfe des Großvaters Almöhi die Untote von der Unsterblichkeit. Doch es gibt jemanden, dem das gar nicht gefällt: Marus, dem Blutsauger. Er war es, der sich Adelheid einst mit einem Biss gesichert hat und den es nun nach Rache dürstet für seinen Verlust. Und wenn er die Mutter schon nicht bekommen kann, dann doch vielleicht das Kind …

Die beliebteste Kinderbuch-Figur aller Zeiten trifft auf die trendigsten Wesen der Fantasy.

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Vorfrühling; der beste Ehemann von allen erblickt das Alpendrama beim gemeinsamen Sonntagsbrunch in der Lieblingsbuchhandlung und bestimmt es sogleich als Geschenk für seine Angebetete. Meine Begeisterung nach einem Blick darauf hält sich in Grenzen – das mit dem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul ist in einer gefestigten Beziehung fehl am Platz – und so kommt es, dass er sich das Heidi eben selber schenkt. Originell, denkt sich da die Elfe; denn der besagte beste Ehemann mag Bücher nicht wirklich….

Zeitsprung.

Frühling; ein verlängertes Wochenende mit dem Wohnmobil. Morgens, halb neun, weckt mich nicht etwa ein Frühstückchen; nein, es weckt mich ein laut lachender Ehemann. In den Händen hält er die Heidi, aus seinem Mund purzelt ein „das MUSST du lesen!“.

Zeitsprung.

Sommer; Packen für die grosse Reise mit dem Wohnmobil. Ja, auch das Heidi muss mit. Ich MUSS es ja unbedingt noch lesen. Der beste Ehemann von allen liegt mir ganz nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ damit in den Ohren. Na dann also bringe ich es hinter mich. Es sind schliesslich Ferien und da hat man auch mal etwas Zeit zu verschenken… Also lese ich….

Ich erspare euch hier die Einzelheiten. Nur so viel: Solltet ihr am Strand in Korsika eine kichernde Elfe gesehen haben, war das ich. Denn „Heidi und die Monster“ ist eine herrlich absurde Geschichte. Ob der Geissenpeter, die Klara oder der Alpöhi; sie alle sind mit an Bord. Ein monstermässiger Spass.

Fazit: Nicht wehren; lesen und mitkichern!

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Vorhang auf

Vorhang auf für eine neue Gastrezensentin auf Elfbox. Streuner hat sich ganz dem Genre Fantasy verschrieben und das sind auch ihre Rezensionen: Fantastisch!

Ihr Debüt bei uns gibt sie mit ihrer Rezension von


Denn es gibt Wunder, die müssen im Dunkeln geschehen…

Wenn Rumo, Walter Moers und Dirk Bach aufeinandertreffen, dann möchte ich schon fast die Hände falten und vor ihnen niederknien.
Nun ja – ist vielleicht ein bisschen arg schwülstig, aber ich habe gerade die letzte CD aus dem Laufwerk geholt und kann mich vor lauter Begeisterung nur schwer wieder einkriegen. 

Meine Erfahrungen im Hörbuchbereich sind noch sehr, sehr spärlich. Jahrelang habe ich mich geweigert ein Buch in gesprochener Form bei mir zu Hause einziehen zu lassen. War das ein Fehler?
 Nun – ich denke, es gibt Hörbücher und es gibt HÖR-ERLEBNIS-BÜCHER. Ein solches Erlebnisbuch ist Rumo & die Wunder im Dunkeln für mich. Unbeschreiblich mit welchen Emotionen Dirk Bach mich diese Geschichte erleben ließ. 

Er flüstert und winselt – er wimmert und heult – er brummt und schnurrt – er jubelt, kräht, singt und schreit, dass einem die Ohren klingen und ich mit einem Dauergrinsen oder auch schaurigem Gruseln überhaupt nicht mehr die Stop-Taste drücken mag.
Er verleiht jeder Figur im Roman, mit einer ganz auf diesen Charakter zugeschnittenen Stimme, eine unverwechselbare Persönlichkeit. Wirklich grandios!
Ich bin mir sicher, dass mir das gedruckte Buch auch sehr gut gefallen hätte. Genauso überzeugt bin ich aber auch, dass es erst durch Dirk Bach zum Rundum-Wohlfühl-Erlebnis für mich wurde.

Meine Lese- bzw. Hörempfehlung:
 Viele verbinden Walter Moers mit dem TV-Käpt’n Blaubär. Ja, der stammt von ihm und auch diese Figur mag ich. Aber alles was ich bisher von ihm gelesen habe (Die Stadt der träumenden Bücher, Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär und Rumo)  fällt nicht in die Kategorie Kinderbuch. Vor allem bei Rumo geht es sehr blutrünstig und niemals zimperlich zu. Das ist nichts für Kinder und auch nichts für zartbesaitete Leser. Zu letzteren gehöre ich eigentlich auch, aber im Genre Fantasy macht mir das ganze Blutvergießen nur wenig bis überhaupt nichts aus.

 Auch Dirk Bach mochte ich schon immer (vor allem als Lukas aus der TV-Serie). Es soll Menschen geben, die jetzt nicht so viel mit ihm anfangen können. Lassen Sie mich sagen, dass Sie hier einen ganz anderen Dirk Bach erleben, als den, den sie aus dem Dschungelcamp oder den Comedy-Sendungen kennen. 

Das Genre “humorvolle Fantasy“ muss einem allerdings sympathisch sein, wenn man dieses Buch genießen will. Walter Moers hat unzählige abgedrehte Ideen, die er, mit Hilfe seines Sprechers Dirk Bach, dem Hörer mit einer solchen Sprachgewalt um die Ohren haut, dass einem hin und wieder schwindelig werden kann. 

Wer jetzt sagt: „Na gut – damit komme ich klar“, dem kann ich nur empfehlen, sich das Hörbuch zu besorgen, sich ein gemütliches Plätzchen zu suchen und mit Rumo auf die große Suche nach dem silbernen Faden zu gehen. 
Viel Spaß beim Hören!

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Danke, Streuner, für diese wunderbare Rezension. Wer jetzt Lust auf Rumo und sein Heimatland Zamonien bekommen hat, darf hier lauschen und dort hinschauen. Ich habe diesem HÖR-ERLEBNIS-BUCH übrigens schon längst gelauscht. Falls da draussen jemand im Besitz des legendären “Vergiss-mich-Pulvers” ist, bitte ich um sofortige Lieferung. Ich würde es nämlich wahnsinnig gerne nochmals zum ersten Mal hören.

Fräulein Jensen und die Liebe von Anne Hansen

 

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Hannah Jensen verliebt sich schnell, rasend schnell. Dass die jeweiligen Subjekte ihrer Begierde unerreichbar scheinen, macht die Sache nicht einfacher. Weder der Hauptdarsteller des Musicals, das sie sich kürzlich angeschaut hat, noch der Löwendompteur vom letzten Zirkusbesuch sind vor ihren Gefühlswallungen sicher. Ihrer Freundin Pia platzt der Kragen. Sie mag sich Hannah’s Gesülze einfach nicht mehr anhören und ringt dieser ein Versprechen ab:  Zehn ihrer potentiellen Märchenprinzen wird sich Hannah näher anschauen. Wenn sie dann ihren Mann noch immer nicht gefunden hat, muss sie anfangen sich für ganz normale Männer zu interessieren.

Los geht’s!

Als freiberufliche Journalistin hat Hannah es natürlich nicht allzu schwer an die Prinzen ranzukommen. Sie vereinbart ganz einfach einen Interview-Termin mit ihrem potentiell Angebeteten. In jedem Kapitel rückt sie einem anderen „Opfer“ auf die Pelle. Immer bewaffnet mit ihrem Handy, schliesslich muss sie immer mal schnell  Telefonsupport bei Pia einholen können…..

Und so macht sie sich auf die Socken. Jedes Kapitel dreht sich um einen neuen Mann. Vom Blitz der Erkenntnis, dass genau DER es sein könnte, bis zum letztendlichen Fazit, das nach dem Kennenlernen gezogen wird.

„Fräulein Jensen und die Liebe“ habe ich nicht in einem Rutsch gelesen. Nach dem fünften, sechsten potentiellen Traummann drohte dann doch etwas Langeweile aufzukommen. Dass ich es trotzdem fertig gelesen habe, hat zwei Gründe. Erstens der herrlich humorvolle Schreibstil der Autorin. Zweitens war ich viel zu neugierig auf die Herren, die da noch kommen. Denn damit die Autorin die Glückssuche ihrer Protagonistin wirklichkeitsnah erzählen konnte, hatte sie sich tatsächlich mit all diesen mehr oder weniger prominenten Männern zum Interview getroffen. Ich bin bestimmt nicht die einzige Leserin, die nach jedem Kapitel mal kurz gegoogelt hat, wie der Kerl aussieht und was sie wohl an ihm findet.  Diese Möglichkeit hat dem Lesen natürlich noch ein gewisses Extra verliehen.

Fazit: Witzige Unterhaltung für zwischendurch.

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Ich bin dann mal offline von Christoph Koch

Ganz und gar nicht offline habe ich mir dieses Buch als eBook auf meinen Reader gepackt. Irgendwie schräg….

Ein Umzug bringt es an den Tag. Christoph Koch hängt mehr am Internet als ihm lieb ist. Dass der DSL-Anschluss nicht gleich wie gewohnt läuft, bringt ihn in Rage. Und dass es ihn so sehr in Rage bringt, beunruhigt ihn. Eine Idee ist geboren. Er will eine festgelegte Zeitspanne gänzlich ohne Internet und Handy leben, sich gründlich über diese Materie informieren und am Ende ein Buch darüber schreiben. Er interviewt Fachpersonen aus Psychiatrie und Neurologie, aber auch Menschen, die sich der modernen Kommunikation ebenso verweigern.  

Schon die Anfänge seines Versuchs stellen ihn vor viele Fragen; Wen soll er vorab über den Versuch informieren? Wie werden die Freunde reagieren? Die Frage, ob Freundschaften seinen Versuch überhaupt überleben, macht ihm schon etwas Bauchweh…. Und wie soll er ohne Google & Co. überhaupt recherchieren?

Mit dem vorliegenden Buch geht Christoph Koch der Frage nach, wer hier eigentlich wen beherrscht. Der Mensch die digitale Welt? Oder ist es nicht vielleicht umgekehrt? Wie viel Zeit gewinnen wir und wie viel Zeit lassen wir uns durch diese Technologie stehlen? Garniert mit viel Humor erfahren wir Wissenswertes rund um das Leben mit und ohne die eierlegende Wollmilchsau Internet und dürfen uns am Ende die Frage stellen, ob wir an unserem Umgang damit vielleicht da und dort etwas ändern könnten….

Fazit: Gleichermassen aufschlussreich und unterhaltsam; und ein klein wenig beängstigend. 

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Subs von Thor Kunkel

Eine schicke Villa in Grunewald; ein Schönheitschirurg, eine Rechtsanwältin und eine verschwundene polnische Perle. Das ist der Stoff mit dem Thor Kunkel’s Roman beginnt.

Chirurgen operieren, Rechtsanwältinnen schlagen sich mit Paragraphen herum und Haushaltsperlen sorgen für Glanz und Gaumenschmaus. Aber was, wenn die Perle sang- und klanglos verschwindet,  das schmucke Haus langsam einstaubt und der sich selbst befüllende Kühlschrank noch nicht erfunden ist?  Der Mann des Hauses nimmt die Sache in die Hand und schaltet ein witzig gemeintes Stelleninserat. Wer hätte denn damit gerechnet, dass sich tatsächlich Menschen ganz ernsthaft als „Sklaven“ bewerben? Die eloquent vorgetragene Erklärung von Bewerber Bartos – seines Zeichens Altphilologe –  ist durchaus stimmig.

„Den Jahren der sozialen Apartheid wird eine neue feudalistische Zeit folgen, die neuen Privatbesitztümer wird man ohne Sklaven gar nicht mehr bewirtschaften können. Man könnte etwas überspitzt sagen, die Berufung zum Sklaven hat Zukunft!”

Unvermittelt findet sich das erfolgsverwöhnte Ehepaar als Sklavenhalter wieder. Mit Bartos und seiner Gefährtin Lana steht den beiden ab sofort ein „rund um die Uhr-Verwöhnprogramm“ der Luxusklasse zur Verfügung. Aber was ein guter Sklave ist, sorgt dafür, dass seine Herren alles bekommen, was ihnen zusteht; und weil das mit nur zwei Sklaven nicht zu schaffen ist, besorgt Obersklave Bartos kurzerhand weitere Sklaven. Hinter dem Haus entsteht ein ganzes Sklavendorf. Während die Herrin durchaus mit Skrupeln kämpft, geniesst der Herr des Hauses seine Rolle als Sklavenhalter sehr. Spätrömische Dekadenz macht sich breit.  Aber wer hat in dieser Gemeinschaft eigentlich die Fäden in der Hand?

Sklaverei gibt es doch heute nicht mehr; schon gar nicht in Europa? Falsch!  Im Buch verstreute Zeitungsmeldungen belehren uns eines Besseren. Von diesen ganz krassen Beispielen mal abgesehen, kommen Menschen, die in sogenannt  prekären Arbeitsverhältnissen leben, in der Realität  wesentlich schlechter weg als die beiden Sklaven in „Subs“. Immerhin haben Bartos und Lana Kost und – äusserst mondänes – Logis …

Fazit: Gesellschaftskritischer und äusserst unterhaltsamer Roman bei dem einem das Lachen zeitweilig im Hals stecken bleibt. 

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Das brauche ich bis vorgestern von Brigitte Scherer

Willkommen in der wunderlichen Welt der Chefs

„Die vorlaut plappernde Sklavin ist verkauft! An den Mann mit den großen Zähnen!, dachte sich Brigitte, als sie den Job als Assistenz des Abteilungsleiters bei Alpha Prime bekam. Und sie hatte keine Ahnung, wie recht sie behalten sollte … “ Schwungvoll und treffend beschreibt Brigitte Scherer den Arbeitsalltag einer Assistentin. Und spricht damit allen aus der Seele, die jemals einen Chef hatten: Man müsste dringend ein paar Dinge klären, aber der Chef ist nie zu fassen. Und an allem, was nicht klappt, sind selbstverständlich die unfähigen Mitarbeiter schuld. Brigitte Scherer schafft ein Lesevergnügen für alle, die unter Vorgesetzten à la Stromberg zu leiden haben. Und gegen all das hilft wohl nur eines: selbst Chef werden und alles anders machen!

Die obige Inhaltsangabe erinnert an Helen Weisberger’s „der Teufel trägt Prada“.   Dieser Eindruck täuscht allerdings. Wo in Weisberger’s Werk die Teufelin wahrhaftig teuflisch scheint und die Assistentin sich dauernd am Rande der Panik  bewegt, weht im vorliegenden Buch ein ganz anderer Wind. Der Vorgesetzte hat nichts Bösartiges an sich, sondern benimmt sich einfach wie ein kleiner hilfloser knopfaugiger Plüschbär, der ständig und immerdar von seiner Assistentin rund um all die gefährlichen Abgründe des Geschäftslebens gelotst wird; Brigitte’s Arbeitsstelle hängt vom Erfolg ihres Chefs ab. Ihr Eigeninteresse, dass der seine Arbeit gut macht, ist also durchaus gross. Dass in der aus Sicht der Assistentin tagebuchartig geschriebene 212 Seiten umfassende Geschichte  bis auf eine einzige Ausnahme nur männliche Führungskräfte vorkommen, wirkt etwas verstaubt Allerdings macht die eine am Ende noch auftretende Chefin das mit ihrem dezidierten Auftreten mehr als wett.

Fazit: Anspruchsloses aber herrlich unterhaltsames Buch für zwischendurch.

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Die Monkey Wrench Gang von Edward Abbey

Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich durch die heftige und kontroverse Diskussion im Literaturclub. Da musste ich mir doch glatt selber ein Bild von machen. Und, voilà hier ist es.

Grundsätzlich erst einmal ein Lob an den Walde und Graf-Verlag für die Gestaltung. Das Buch macht nicht nur äusserlich, sondern mit dem ungewöhnlichen Schriftbild und den Illustrationen von Robert Crumb auch schon beim ersten Durchblättern richtig Lust aufs Lesen. Gleich auf der ersten Seite werden die vier Protagonisten mit Bild und Text kurz vorgestellt. So erfahren wir, dass Doc Sarvis nicht nur ein echter Dr. med. sondern des Nachts auch ein angesehener Abfackler von Plakatwänden ist und das Bonnie Abbzug eine Frau der Tat ist („Reden, reden, reden, das ist alles, was ihr könnt. Ihr labert zu viel und macht zu wenig“.) Aber ich will hier mal nicht zu viel verraten… Über meinen ersten Eindruck hatte ich ja am 30. März schon geschrieben. Da war auch dieser witzige Trailer dabei. Wer sich das nochmals reinziehen will, bitte hier lang.

Die Monkey Wrench Gang ist eine wilde Geschichte vierer Naturliebhaber, die sich nur einem verschrieben haben: Mutter Natur zu schützen. Und wenn  Entscheidungsträger die Mutter mit Schildern, Brücken, Staudämmen oder sonstigen Monströsitäten belästigen, sehen sie sich verpflichtet….  Es wird abgefackelt, gesprengt, sabotiert wo immer nötig. Wobei sie jeweils sorgfältig darauf achten, dass weder Menschen noch Flora und Fauna zu Schaden kommen.

Es kommt, wie es kommen muss; schon bald haben die vier einen ganzen Tross von Verfolgern und die ganze Sache nimmt ordentlich Fahrt auf. „Ich sehe Lichter“, sagt Bonnie. „Ich auch, Süsse, und ich würde sagen, das ist ein zarter Hinweis darauf, dass wir besser weiterdüsen sollten.“

Zugegeben, ein Weilchen hat es schon gedauert, bis ich in der Geschichte drin war. Aber – ich kann rückblickend gar nicht sagen ab welchem Kapitel, geschweige denn ab welcher Seite – hat sich das Lesen mehr und mehr zu einem riesigen Spass entwickelt. Die vier Helden, pardon, die drei Helden und die Heldin,  bei ihrer ganz eigenen Art von Naturschutz zu begleiten und ihre zeitweilig recht absurden Diskussionen und Gedanken zu belauschen war höchst unterhaltsam. Dass dieses Buch nach der Erstveröffentlichung im Jahr 1975 als Kultklassiker eingestuft wird, wundert mich jedenfalls nicht.

Fazit: Diesmal gibt es sogar zwei:

  1. Ein witziges, rasantes Katz- und Mausspiel und ein Heidenspass!
  2. Ein Verlag, den ich schon alleine wegen der wunderbaren Gestaltung des Buchs im Auge behalten werde.

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