Begeisterung pur!

“Von dem, was uns fehlt, genesen wir nie, wir arrangieren uns, erzählen uns andere Wahrheiten. Wir leben mit uns selbst und mit der Sehnsucht nach Leben, wie alte Leute.”

Gemma blickt zurück. Ein Anruf aus Sarajevo löst eine Reise in die Vergangenheit aus. Zusammen mit ihrem pubertierenden und nervtötenden Sohn, Pietro, begibt sie sich auf die Spuren ihrer Jugendliebe.

Sie lernt Diego während der olympischen -Winterspiele 1984 kennen. Gemma ist verlobt aber dass sie für Diego ihren Ehemann verlassen wird, steht da noch in den Sternen. Aber zu spät; Amor‘s Pfeil hat die beiden mitten ins Herz getroffen. Gemma und Diego werden unzertrennlich.

“Da stand er nun, der Trottel, mit seinen hervorstehenden Augen und dem zu großen Lächeln, das ihm die mageren Wangen zerriss. Wohin wird mich dieser Wahnsinnige bringen? In welche Hölle? In welches Paradies?”

Eine Weile sind sie sich selbst genug und führen ein einfaches Leben in Rom. Beruflich stellen sich bei beiden erste Erfolge ein. Aber irgendwann genügt das nicht mehr und sie wünschen sich ein Kind. Die Erkenntnis, das Gemma unfruchtbar ist, bringt das Paar  ins Trudeln.  Ein Adoptionsversuch in der Ukraine scheitert und Gemma und Diego reisen nach Sarajevo; dorthin wo alles begann. Während die Bomben fallen, kommt 1992 der so sehnlichst erwartete Sohn Pietro zur Welt. Gemma flieht mit dem Neugeborenen, nicht wissend, dass sie Diego niemals wiedersehen wird.

Mit „Das schönste Wort der Welt“ ist Margaret Mazzantini ein bittersüsser, energiegeladener und nicht zuletzt überraschender Roman gelungen. Da hat für einmal die wunderbare Gestaltung – das aussergewöhnliche Cover hat mich schon in der Buchhandlung angesprungen –  nicht zu viel versprochen.  Mein Fazit ist ganz einfach: Unbedingt lesen!

Für weitere Infos zu dieser aussergewöhnlichen Geschichte geht es hier lang.  

Berggorillas – Eine Hommage

Stundenlang kann man drin blättern; in diesem gewichtigen Bildband über die Welt der Berggorillas im ostafrikanischen Bergregenwald. Abgesehen von historischen Zitaten in deutscher, französischer und englischer Sprache lässt der Basler Zoologe Jörg Hess hier einfach die Fotografien sprechen. Für einen kleinen aber feinen Vorgeschmack auf das, was zwischen diesen Buchdeckeln steckt, geht es hier lang  . Wer diese Bilder sieht, wird erkennen, warum diese Geschöpfe schützenswert sind. Nach dem Lesen oder – besser formuliert – bewundern dieses aussergewöhnlichen Werks habe ich nicht wirklich viele Worte übrig. In meinem Haushalt erhält es auf jeden Fall einen dauerhaften Platz.

Verlegt wurde “Berggorillas – Eine Hommage” vom Basler Echtzeit-Verlag. Notabene ein Verlag, der noch vieles mehr zu bieten hat.  

Konkurrenz für die Queen der Tragikkomödie

Vorab: Mit Yoga habe ich nichts am Hut. Vor der Lektüre der Montagsmenschen nicht und auch danach nicht. Das aber hat dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch getan. Mit den Montagsmenschen hat Milena Moser bei mir voll ins Schwarze getroffen. Ihr Schreibstil erinnert mich stark an Marian Keyes, meine ganz persönliche Queen der Tragikkomödie.  Aber erst einmal zum Inhalt: Milena Moser rückt dem Montagskurs der Yoga-Lehrerin, Nevada, zu Leibe. Nevada, vegan, diszipliniert und überzeugt davon, dass sie ihre Schüler und Schülerinnen nur dann optimal betreuen kann, wenn sie selber die Stärke in Person ist, schwächelt. Ihr seit Kindheit gestählter – oder auch geplagter – Körper will einfach nicht mehr.

Nevada und ihre Schülerinnen und Schüler lernen wir nicht nur kennen sondern sie scheinen tatsächlich aus dem Buch zu klettern und sich breit zu machen. Da ist Marie. Ärztin und im wahren (Montagsmenschen-)Leben die zweite Ehefrau eines Soap-Stars auf absteigendem Ast. Sie ist sich nicht mehr sicher, ob Gion wirklich eine gute Wahl war. Ganz abgesehen davon verhält sich seine pubertierende Tochter ganz einfach grässlich. Da ist Poppy, gescheiterte Ehefrau und Mutter zweiter Söhne, die bei ihrem Ex-Mann leben. Scheinbar glasklar eine Rabenmutter. Dass sie beruflich auf einem Abstellgleis steht, macht ihr Leben nicht wirklich runder. Und da ist Ted, Grundschullehrer und Wochenend-Papa, der von der Mutter seiner kleinen Prinzessin mal eben vor die Tatsache gestellt wird, dass sie beruflich ins Ausland geht und ihm gnädigst die Tochter überlässt.

Milena Moser schreibt herrlich unterhaltsam und ist doch nicht einfach nur unterhaltend. Sie kriegt den Kunstgriff hin, dass ihre Protagonisten ans Herz wachsen. Sie kriegt es hin, dass ich langsam lese um bloss nicht das kleinste Fitzelchen zu verpassen. Und sie kriegt es hin, dass Marian Keyes ein klein wenig zur Seite rücken muss um Platz zu machen für eine zweite Queen der Tragikkomödie. In einem Radiointerview hat Milena Moser gesagt, dass eine der Protagonistinnen sie noch nicht losgelassen hat. Dass aus ihr vielleicht eine weitere Geschichte gesponnen wird. Also bitte, spinnen Sie weiter, Milena Moser. Ich warte; nicht geduldig, aber ich warte!

Fazit: Lesen!

Dieser Titel wird von Nagel u & Kimche verlegt. Für nähere Informationen zu „Montagsmenschen“ geht es hier lang  . Das Buch wurde über “Blogg dein Buch” zur Verfügung gestellt. Wer sich die Montagsmenschen auf Amazon anschauen will, findet es hier  Ich persönlich empfehle natürlich immer den Gang in eine Buchhandlung mit Buchhändlerinnen aus Fleisch und Blut.

“Wir können es schaffen, wenn wir rennen” von Shari Goldhagen

Bücher, die mich begeistern, rezensiere ich mit ebensolcher Begeisterung. In Fall von dieser Perle kann ich mir das allerdings sparen. Nina’s Rezension ist derart treffend, dass ich das Feld überlasse.  Vorhang auf für Nina:

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Die beiden Brüder Jack und Connor werden durch den Tod ihrer Eltern mit einem Schlag zu Vollwaisen. Gezwungenermassen übernimmt der ältere Bruder Jack die Verantwortung für seinen zehn Jahre jüngeren Bruder. Mit dieser Aufgabe total überfordert, stürzt er sich in seinen Job als Anwalt und wechselnde Frauengeschichten. Da ist kein Platz für seinen pubertierenden Bruder und all die offenen Fragen und das Gefühlschaos, welches der Lauf des Lebens hinterlässt. Jack scheint ständig auf der Such nach Bestätigung und Anerkennung. Auch seine erste grosse Liebe Mona schafft es nicht trotz ständigem Bemühen und Verständnis, Jack den nötigen Halt zu geben, da dieser gar nicht in der Lage ist dies anzunehmen und Mona stattdessen betrügt und verletzt.

In mehreren Zeitsprüngen lebt und leidet der Leser mit den beiden Brüder mit. Mit der Zeit zeichnet sich ab, dass ausgerechnet Connor, der ruhigere und unsichere der Beiden sein Leben in geordnete Bahnen bringt. Er heiratet und wird Vater, worauf Jack mit grossem Unverständnis reagiert und sich von seinem Bruder distanziert. Erst Jahre später, als Connor krank wird und Jack die Liebe zu Mona definitiv aufs Spiel gesetzt hat, treffen sich die Brüder wieder und sind endlich in der Lage die Liebe und den Halt einer Familie zu erkennen und zu leben.

„Wir können es schaffen, wenn wir rennen“ ist ein Meisterwerk, welches den Leser bis zur letzten Seite fesselt und auch darüber hinaus nicht so schnell wieder loslässt. Shari Goldhagen gelingt es in beeindruckender Art und Weise die Gefühle, Ängste und Unsicherheiten der Protagonisten auszudrücken, so dass ich mitgelitten und gefühlt habe. Die ganze Zeit während dem Lesen begleitete mich eine Traurigkeit und Unverständnis über die Unfähigkeit der beiden Brüder Liebe und Unterstützung annehmen zu können. Ich bin sehr beeindruckt!

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Danke, Nina, für diese Gastrezension! Die Perle “Wir können es schaffen, wenn wir rennen” ist im Bücherbrocky auf mich zugerollt. Nina und ich gehen dort öfters hin. Mit grossen Taschen, sehr grossen Taschen…….

zwei Kinder halten durch

Die alleinerziehende Mutter von Oskar und Lilli wird stationär in die Psychiatrie eingewiesen. Oskar ist sieben Jahre und Lilli neun Jahre alt. Die Fürsorge trennt die Geschwister und bringt sie Pflegefamilien unter, die unterschiedlicher nicht sein können.

Monika Helfer lässt die tapferen Kinder ihren neuen Alltag abwechselnd in Ich-Form erzählen. In kurzen knappen und schmerzlich emotionslosen Sätzen beschreiben Oskar und Lilli, wie ihr Leben nun aussieht. Es mutet traurig an, dass Oskar seine Pflegeeltern nur die Lehrers nennt. Eine echte Beziehung scheint nicht zu entstehen. Ausser zur der pflegebedürftigen Oma, die denn auch mit Namen – Oma Erika – genannt wird. Zu ihr, die innerhalb der Familie genauso einsam ist wie Oskar, wird rasch ein Band geknüpft.

Lilli hat es ein wenig besser getroffen. Ihre Pflegemutter Rut, bemüht sich sehr um sie. Nichts desto trotz hat Lilli schrecklich Sehnsucht nach ihrem kleinen Bruder. Halt versucht sie bei ihrem täglichen Gebet zur Muttergottes zu finden.

Die Geschichte um Oskar und Lilli hat eine leise Traurigkeit, die stellenweise fast in Hoffnungslosigkeit abgleitet. Niemand scheint so recht zu wissen, wohin diese schwierige Reise geht und ob es überhaupt irgendwann und irgendwo ein Ankommen geben wird.

„Bitte, Muttergottes, mach, dass es dich gibt.“

Als Oma Erika stirbt und Oskar als ihren Alleinerben einsetzt, gibt es einen Lichtblick. Oskar holt seine Lilli ab und zusammen mit dem Lastwagenfahrer Bruno fahren sie in eine Zukunft, die ungewiss und doch so viel besser sein wird, wie all das, was bisher war.

Fazit: Eine traurige Geschichte mit einem etwas unbefriedigenden Ende. Ich hätte gerne gewusst, ob Oskar, Lilli und Bruno, der Lastwagenfahrer, am Ende der Reise ihr Glück finden werden.

Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang: 

schwergewichtig und wunderschön

David Mazzucchelli‘s „Asterios Polyp“ ist nicht nur äusserlich ein echter Brocken. Die Geschichte, die sich darin verbirgt ist ganz schön gewichtig. Protagonist dieser aussergewöhnlich gezeichneten Graphic Novel ist der hochangesehene New Yorker Architekt namens Asterios Polyp. Dass seine Entwürfe nie gebaut werden, ist nicht wirklich von Belang. Als ein Egomane wie er im Buche steht, trieft er im Kontakt mit anderen Menschen förmlich vor Herablassung; bis ganz unvermittelt der Blitz einschlägt…..

„und jetzt steht Asterios im Regen und beobachtet, wie sein Zuhause abbrennt…..“

Was bleibt einem intellektuellen Grosskotz, wenn ihm der Teppich unter den Füssen weggezogen wird und er sich im freien Fall bewegt? Asterios kauft sich mit seinem letzten Geld eine Fahrkarte. Wohin ist ihm völlig egal und so landet er letztendlich in der Provinz wo er unerkannt ein ganz einfaches Leben beginnt. Ein Leben das ihm ganz neue Erfahrungen bringt und ihm eine Ahnung davon verschafft, worauf es im Leben vielleicht wirklich ankommen könnte. In einem gekonnten Mix von Bildern, Farben und Text in wechselnden Schriften entwickelt die Geschichte rund um Asterios Polyp einen ganz eigenartigen Sog, der nicht mehr loslässt. Ein Buch, das in allen Punkten überzeugt und mit dem der Eichborn-Verlag einmal mehr zeigt, wie man schöne Bücher macht.

Fazit: Ein wahres Kunstwerk, das sich einen dauerhaften Platz in meinem Bücherregal erobert hat.

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Spannung und Poesie zwischen zwei Buchdeckeln

Ja, ich lese sie, die Empfehlungen auf der Website meiner Lieblingsbuchhandlung. Inspiriert davon habe ich doch gleich zugegriffen, als auf der Tauschbörse Exsila „eine fast perfekte Affäre“ im Angebot war.

Sechs Jahre dauert die Affäre zwischen dem angesehenen Richter, Juan Manuel Rementeria und Amalia Griffin, Ehefrau eines reichen Geschäftsmannes. Bis der Richter Amalia erschiesst. Der einzige Zeuge kann seine Beobachtungen nicht melden weil ansonsten auffliegen würde, dass er war, wo er niemals hätte sein dürfen.

Spannung und Poesie gleichermassen; das sind die Fäden, aus dem diese Geschichte gewoben ist. Das vorliegende Buch ist der zweite Roman der Chilenin Elizabeth Subercaseaux. Der erste „eine Woche im Oktober“ steht bereits auf meinem Wunschzettel.

Fazit: Elizabeth Subercaseaux steht künftig auf dem elfschen Radarschirm.

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wenn das Monster erscheint; sieben Minuten nach Mitternacht

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Wer meint, Lesen sei eine einsame Sache, irrt gewaltig.  Wir, die Lesen als wahre Leidenschaft betreiben,  tauschen uns aus und tauchen förmlich ab in das Geschehen zwischen den Buchdeckeln. Im besten Fall endet dieses gemeinschaftliche Lesen in einer ebensolchen Besprechung. Wie die vorliegende, in der thursday und ich uns mit “sieben Minuten nach Mitternacht” beschäftigt haben.

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Sieben Minuten nach Mitternacht, wacht Conor aus einem Albtraum auf. Um ihm aus seinem ganz persönlichen Albtraum in der Realität herauszuhelfen, braucht es ein Monster.
 Es erscheint.

Wir sind lange um dieses Buch mit fragendem Blick herumgeschlichen. Sollen wir das wirklich lesen? Denn was hochgejubelt wird – und dieses Buch hat beim Lovelybooks-Leserkompass 2011 immerhin den 2. Preis bei der Kategorie “Kinder- und Jugendbuch” gewonnen – reizt uns in der Regel nicht. Aber dass Patrick Ness richtig gut schreiben kann, wissen wir;  Immerhin hat thursday die Teile eins und zwei seiner New World-Trilogie mit Begeisterung gelesen. Die Elfe hinkt noch etwas hinterher und hat Teil zwei und drei noch vor sich. Für manche, die schon alle gelesen haben, ein beneidenswerter Zustand…..

Aber jetzt zu “sieben Minuten nach Mitternacht”:

Die Geschichte baut auf dem Plot der 2007 an Krebs verstorbenen Siobhan Dowd, auf. Ness lernte diese nie persönlich kennen, schätzte ihre Bücher aber sehr.

“Ich hatte damals das Gefühl – und habe es bis heute -, als sei mir ein Staffelstab in die Hand gedrückt worden, als habe eine einzigartige Schriftstellerin mir ihre Geschichte mit den Worten übergeben:
 “Jetzt bist du dran. Lauf los. Stifte Unruhe”. Genau das hat “Sieben Minuten nach Mitternacht” bei Bücherelfe und thursday getan!

Der Roman erschüttert. Kratzt an den Tabuthemen Krebs und Tod. 
Zerrt die Sprachlosigkeit, die entsteht und auf alle Beteiligten übergreift, wenn jemand davon betroffen ist, schmerzhaft ans Licht und zeigt auf, wie 
durch eben dieses Verschweigen das Leid noch viel unsäglicher wird.
 Ness beherrscht die einfache klare Sprache meisterlich und führt gerade damit in Abgründe. Er zeigt auch auf, wie entscheidend es ist, dass bei einer solchen Katastrophe eine Person den „Fels in der Brandung-Part“  übernimmt und die Übersicht behält. In Conor’s Geschichte hat die Grossmutter diese Funktion inne. Mit scheinbarer Gleichmut hilft sie Conor letztendlich das Schreckliche zu ertragen.

„Du und ich, Conor“, sagte sie, „wir passen nicht besonders gut zusammen, oder?“. „Nein“, sagte Conor. „Ich glaube nicht.“  „Ich auch nicht.“ Sie bog so schnell um eine Kurve, dass Conor sich am Türgriff festklammern musste, um aufrecht sitzen zu bleiben. „Aber wir werden es lernen müssen, weisst du“, sagte sie. Conor schluckte. „Ich weiss“. Ein Schluchzen brach aus ihr heraus. „Ja, nicht wahr?“, sagte sie. „Natürlich weisst du das”.

“Sieben Minuten nach Mitternacht” ist brutal, schonungslos obwohl oder gerade weil das instinktive Gefühl des Lesers mit Sätzen,  die zwischen den Zeilen stehen, direkt angesprochen wird.

Ein großes Lob an Jim Kay, den Illustrator , der mit seinen sensiblen, aus- und eindrucksvollen schwarzweißen Monsterzeichnungen das Beklemmende zauberisch skizzierte.

Ob gerade die Zielgruppe, Jugendliche,  damit klarkommt . Wir können es nicht beurteilen.
 Uns hat das Buch gebeutelt, durch den Wolf gedreht und nicht losgelassen. Extrem schmerzvolles Lesen, welches den Kopf auch während der Nichtlesezeit mit der ganzen sich auftuenden Gefühlspalette beschäftigt hielt, war das Ergebnis.

Am Ende wird Ness mit diesem Satz das gesamte Buch einfangen: “Wenn du die Wahrheit aussprichst,” flüsterte das Monster ihm ins Ohr, “wirst du allem ins Auge blicken können, egal was passiert”.

Alleine lassen sollte man sein Kind mit diesem Buch nicht!  Für ein Kind, das aktuell mit einer solchen traumatischen Situation konfrontiert ist, könnte es hilfreich sein. 
Vielleicht. Einmal gelesen wird man es jedenfalls nie mehr aus dem Kopf schaffen können. 
Und das ist gut so!

Fazit: 5 Sterne, Strike Mr. Ness! 

Für weitere Infos inkl. Leseprobe zu diesem Titel geht es hier lang.

Zwei an einem Tag von David Nicholls

Einmal mehr hatte hier Christine Westermann eine Perle in meine Richtung geschickt. Und einmal mehr muss ich ihr recht geben.

Dexter und Emma lernen sich am Ende des Studiums kennen. Emma selber sieht sich eher als Mauerblümchen während Dexter ein Womanizer ist wie er im Buche steht. Er ist ungemein attraktiv, er ist cool und zu allem Übel ist er sich all dessen bewusst. Jedes weibliche Wesen, das nicht bis drei auf den Bäumen ist, nimmt er mit. Und genauso schnell, wie er sie verführt hat, genauso schnell wendet er sich schon der Nächsten zu. Emma weiss, dass eine Affäre mit Dexter ihr das Herz brechen würde. Deshalb lässt sie die Finger davon und die beiden werden beste Freunde; echte beste Freunde. Zwanzig Jahre gehen ins Land und jeweils am 15. Juli, dem Jahrestag des Kennenlernens, werden wir Zeuge davon, wo Dexter im Leben steht und was bei Emma passiert. Mir als Leserin ist sehr schnell klar, dass die beiden füreinander bestimmt sind. Dass sie ständig aneinander vorbeilaufen, treibt mich mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung. „Jetzt macht doch endlich“, möchte ich die beiden anschreien. Aber es hilft nichts; da muss ich durch. Ob sie sich am Ende finden? Lest selber.

„Zwei an einem Tag“ ist eine der besten Liebesgeschichten, die mir bisher unter die Augen gekommen ist. Witzig, betörend und poetisch. Sowohl Emma als auch Dexter haben sich auf ihre ganz eigene Art in mein Herz geschlichen und ich habe die beiden am Ende des Buches nur sehr ungern verlassen. Bei aller Beweihräucherung muss ich aber doch eines kritisieren: Die Kurve zu einem stimmigen Ende hat David Nichols meiner Meinung nach nicht gekriegt. Aber weil alles davor so umwerfend geschrieben war, sei ihm das verziehen. Dieses Buch war mein erstes, aber ganz bestimmt nicht mein letztes Buch von David Nichols.

Diese wunderbare Geschichte wurde inzwischen sehr gelungen verfilmt. Da bleibt es nicht aus, dass Kein & Aber die Gunst der Stunde nutzt und mit einer kleinformatigen Sonderausgabe aufwartet. Und was für eine! Fast 800 Seiten in Dünndruck, gebunden in leuchtend orangefarbenes Leinen. Dass auch an ein Lesebändchen gedacht wurde, ist ein kleines aber feines Detail.  Wer noch nicht im Kino war – unbedingt nachholen (!) – kann auf dem dezenten Umschlag dieser Sonderausgabe einen Blick auf die Darsteller von Em und Dex – Anne Hathaway und Jim Sturgess – werfen. Optisch ein wahres Juwel für das Bücherregal.

Es soll ja Leserinnen und Leser geben, die es grundsätzlich ablehnen, Verfilmungen von geliebten Büchern anzuschauen. Ich gehöre nicht dazu und gebe diesen – nicht immer aber immer öfter –  eine Chance. Bei “Zwei an einem Tag” hat sich das gelohnt.

Fazit: Danke, Herr Nicholls. Danke, Frau Westermann!

Für weitere Infos zur Sonderausgabe von “Zwei an einem Tag” geht es hier lang.

Wem dieser Titel gefällt, den könnte auch “Elf Leben” von Mark Watson begeistern.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

„Ich bin das Christkind“, sagte er leise. „Was?“, lachte sie auf. „Wer bist du?“ „Das Christkind“. Josh schaute sie ernst an. Mit einem Blick, der keinen Zweifel duldete.

Nur 89 Seiten dick ist dieses rotsamtene Büchlein mit goldener Aufschrift. Darin versteckt sich eine anrührende aber keineswegs kitschige Geschichte.

Es ist Dezember, als die mit beiden Beinen fest am Boden stehende Anne auf der Strasse den etwa zwölfjährigen Josh kennenlernt. Sie kann sich nicht erklären, was an diesem Jungen sie so sehr berührt. Dass er freundlich und bestimmt darauf besteht, das Christkind zu sein, findet sie bestenfalls originell. Aber Josh scheint anders zu sein; anders als alles was Anne bisher begegnet ist. Mit stiller Beharrlichkeit hält er an seiner Aussage fest; bis die harte Schale Annes irgendwann Risse bekommt.

Fazit: Eine kurze Geschichte mit Tiefgang; Das perfekte Mitbringsel im Advent für alle, die gerne zwischen den Zeilen lesen.

Für weitere Infos zu diesem Titel geht es hier lang.