Unterwegs mit einem der ganz grossen Schauspieler unserer Zeit

Sean Penn ist einer der ganz grossen Schauspieler der Gegenwart. Wo er mitwirkt, kommt in der Regel Meisterhaftes auf die Leinwand. Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich an seine brillante Darstellung des Matthew Poncelet in  ”Dead man Walking” denke. Zeit also, diesem Künstler mit einer Biografie auf den Pelz zu rücken.

Gut geschriebene Biografien sind eine interessante Sache. Genau so verhält es sich mit dieser. Die Art, wie Richard T. Kelly beim Verfassen dieses Buchs vorgegangen ist, scheint sehr unkonventionell und ich war skeptisch, ob sie mich zu packen vermag. Anstelle aus Recherchen das Leben Sean Penns‘ von Anfang bis heute aufs Papier zu bringen, besteht diese Biografie aus einer Aneinanderreihung von Aussagen, die Penn‘s Weggefährten und der Schauspieler selber gemacht hatten. Unter dem Titel „Besetzungsliste“ erfahren wir gleich auf den Seiten 7 bis 15 (!)  wer alles zu Wort kommen wird. Von A wie Woody Allen bis W wie Robin Wright werden sie zitiert. Und wer sich nun vorstellt, dass die ganze Sache furchtbar langweilig und zäh zu lesen ist, liegt mehr als daneben. Ich für meinen Teil habe das Buch innert zwei Tagen weggelesen. Und das ohne mich auch nur ein einziges Mal zu langweilen. Interessant sind auch die insgesamt 45 Schwarzweiss-Fotografien, die Sean Penn‘s Werdegang dokumentieren. Insgesamt eine ganz runde Sache, die Richard T. Kelly hier vorlegt.

Fazit: Wer Biografien mag und auch nur im entferntesten interessiert an Sean Penn‘s Werdegang ist, wird  an diesem Buch seine wahre Freude haben.

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das Ende einer sechzig Jahre dauernden Schreibblockade

Mit seinem Erstlingsroman „Nenn es Schlaf“ hatte Henry Roth im Jahr 1934 grossen Erfolg Er beschreibt die Kindheit von einem Sohn jüdisch-galizischer Immigranten der armen New Yorker East Side. Es soll unverkennbar autobiografische Züge tragen. Das Buch gehört heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur. Eine scheinbar echte Lücke in meiner bisherigen Lesekarriere. Sie wird auf jeden Fall noch geschlossen werden. Nach „Nenn es Schlaf“ folgten sage und schreibe sechzig Jahre Schreibblockade. Wohl der Alptraum aller Schriftsteller. Erst mit über achzig fliessen wieder Geschichten aus seiner Feder. „Ein Amerikaner“ stammt aus seinem Nachlass. Es wurde posthum von einem Redakteur des New Yorker bearbeitet und veröffentlicht.

Auch Roth‘s Alter Ego, der leidlich erfolgreiche Schriftsteller, Ira Stigman, leidet in „der Amerikaner“ unter einer Schreibblockade. Er lässt sich von seiner Freundin, Edith, selber eine Dichterin, aushalten. Er hofft, die richtige Umgebung könnte die Worte wieder fliessen lassen und begibt sich in die Künstlerkolonie „Yaddo“. Dort trifft er die Pianistin, „M“ hinter der sich wohl Muriel Parker, Roth‘s zweite Ehefrau verbirgt. Edith endgültig verlassen kann er nur mit einem heftigen Schnitt. Mit dem Ziel, Drehbuchschreiber zu werden, reist er nach New York. Ganz neue Seiten des Lebens lernt er kennen: Armut. Es sind die späten dreissiger Jahre. Im vorliegenden Buch geht es um eine ganz grosse Liebe einerseits und um Versagensängste andererseits.

„Ira meinte, über ein gewisses Prisma zu verfügen, das einfarbiges Licht in ein betörendes Spektrum brechen konnte„.

Die Geschichte liest sich nicht flüssig und ich bin etwas unschlüssig, ob sie mir als ganzes gefällt. Fakt ist, dass einzelne Kapitel begeistern. So zum Beispiel die Begegnung mit „M“ und die Trennung von Edith.

„Hast du überhaupt nur die allerkleinste Ahnung davon, was für einen grauenvollen Fehler du machst?“

Fazit: Etwas unschlüssig schwanke ich zwischen Begeisterung und Verwirrung. Wie dem auch sei,, “Nenn es Schlaf” steht jetzt weit oben auf meiner Wunschliste. 

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Flugzeugabsturz über dem peruanischen Urwald

Durch ein Radiointerview von Juliane Koepcke wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und so habe ich gleich zugegriffen, als es im Lande Exsila angeboten wurde.

An Heiligabend 1971 stürzt Juliane Koepcke aus 3000 Metern Höhe über dem peruanischen Urwald ab. Sie ist die einzige Überlebende dieses Flugzeugabsturzes. Elf Tage kämpft sie sich durch den Urwald bis sie zurück in die Zivilisation findet. Eine spannende Lektüre könnte dies sein. Wer allerdings, wie ich mit der Vorstellung rangeht, dass es in diesem Buch vor allem darum geht, wie ein Mensch eine solche Katastrophe überleben kann,  wird mit grosser Wahrscheinlichkeit  enttäuscht werden. Der Absturz und die darauf folgenden Tage bis zur Rettung werden sehr kurz und knapp abgehandelt. Über lange Strecken berichtet die Autorin im Stile eines Aufsatzes über ihre Kindheit, ihre Eltern, ihre Schulen, ihre exotischen Haustiere und so weiter und so fort. Zumindest wird die aufkommende Langeweile beim Lesen durch eindrückliche Fotografien etwas aufgelockert. Aber das hilft nur bedingt;  Ihr Aufwachsen vor dieser exotischen Kulisse, das Leben in einer Forscher-Familie und ihr heutiges Engagement für den Umweltschutz sind die eigentlichen Themen dieses Buchs. Dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Aber erwartet habe ich nunmal etwas anderes.

Fazit: Meine Erwartungen an eine spannende Lektüre haben sich nicht erfüllt.

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Ein Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Upperclass

Louis Auchincloss, begibt sich mit „Eastside Story“ auf eine eineinhalb Jahrhunderte dauernde Zeitreise durch die eigene familiäre Vergangenheit.

Zehn Kapitel, zehn Figuren, zehn ganz eigene Geschichten, die doch ineinander verzahnt sind. Louis Auchincloss Buch beginnt bei seinem schottischen Vorfahren, David Cornachon, der am Anfang des 19. Jahrhunderts nach New York migrierte. Der Tuchhandel machte ihn reich und bestimmte damit die Richtung, in die seine Nachkommen zu gehen haben. Festhalten an Erfolg und Vermehren von Besitz sind fortan Pflicht. Die Wünsche und Begabungen des Einzelnen zählen nicht. So wundert es nicht, dass auch Louis Auchincloss trotz seiner Leidenschaft zur Schriftstellerei erst einmal Anwalt wurde. Alles dreht sich um den Mammon. Und doch ab und an rebelliert ein Familienmitglied und bricht aus dem System aus.

Präzise und in eleganter Sprache berichtet Louis Auchincloss über das Leben der grossen Fische im kleinen und somit beschränkten Teich der amerikanischen Upperclass.  Gewürzt mit einem Hauch Melancholie, Humor und einer Prise Spott schreibt er über die Dynamik in dieser Gesellschaft, die so gerne unter sich bleibt, um dem zu entgehen, was sie am meisten fürchtet: Den Abstieg.

Fazit: Ein wahrer Leckerbissen für Liebhaber von Familiengeschichten

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vom Hunger nach Leben

Vorab: Die TV-Serie Ally McBeal hatte ich mir nie angeschaut, die Schauspielerin Portia de Rossi war mir deshalb kein Begriff. Warum habe ich also überhaupt zu diesem Buch gegriffen? Auf diese Frage gibt es eine ganz einfache Antwort. Auf dem Cover-Rückseite wird Jonathan Safran Foer zitiert mit: „Atemberaubend ehrlich, brutal und wunderschön“. Klare Worte also. Nun muss man wissen, dass Safran Foer‘s Buch „Tiere essen“ mich nachhaltig beeindruckt hat. Wenn er das Buch von Portia Rossi also derart anpreist, kann es nicht verkehrt sein, sich das mal näher anzuschauen. Und was soll ich sagen: Er hat recht mit dieser Aussage.

In „Das schwere Los der Leichtigkeit“ berichtet Portia de Rossi von ihrem Leben mit Magersucht und Bulimie. Der Erfolg mit ihrer Rolle in der Kult-Serie „Ally McBeal“ gibt ihrer schon vorher vorhandenen Essstörung weiteren Schub und sie versucht mit immer skurrileren Ernährungsplänen und exzessiver Bewegung ihrer Panik Herr zu werden. Dass sie versucht, ihre Homosexualität vor der Öffentlichkeit zu verbergen, sorgt für noch mehr Druck. Bis zum völligen Zusammenbruch. Portia de Rossi wiegt noch 38 Kilogramm, als sie sich endlich ernsthaft professionelle Hilfe holt.

Portia de Rossi lässt ihre Leser sehr nahe an sich heran. Ihr Buch ist keines, das sich so leicht weglesen lässt. Und gerade deshalb hat es eine grosse Leserschaft verdient.

Fazit: Absolute Leseempfehlung.

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Doris Lessing in Bestform!

Doris Lessing hat mit „das fünfte Kind“ eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Da bleibt es nicht aus, dass ich sofort zugreife, wenn ein gut erhaltenes Buch von ihr im Bücherbrocky zum Verkauf angeboten wird.

„Alfred und Emily“ besteht aus zwei Teilen. Eine wunderbare Idee, hat die Autorin im ersten Teil umgesetzt. Sie hat die Biographie ihrer Eltern umgeschrieben. All die schrecklichen Erfahrungen mit Krieg und Entbehrung streicht sie und beschenkt die beiden stattdessen mit einem Leben, wie die beiden es sich erträumt hätten. So wird aus ihrem Vater ein erfolgreicher Farmer in England und aus ihrer Mutter eine Frau, die ihr Leben der Wohltätigkeit widmet.

Im zweiten Teil berichtet sie über die rauhe Wirklichkeit, welches trostlose Leben die Familie im Süd-Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, führte. Schon damals waren Geschichten ein wichtiger Teil im Leben von Doris Lessing. Das Leuchten in ihren Augen, wenn ein Paket mit Büchern die armselige Farm erreichte, blitzt einen förmlich aus den Seiten entgegen. Die Liebe zu Büchern scheint ihr in die Wiege gelegt worden sein.

Der scharfe Wechsel von Teil eins in Teil zwei des Buchs, ist harter Tobak. Aber einmal in Süd-Rhodesien angekommen liest sich die Geschichte sehr flüssig. Doris Lessing‘s Schreibstil ist unnachahmlich und vermag das anzukurbeln, was gemeinhin Kopfkino genannt wird.

Fazit: Doris Lessing in Bestform. Grossartig!

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Kleinvieh bis zum Abwinken

Ein überzeugter Stadtmensch zieht seiner Partnerin zuliebe aufs Land und wird sukzessive zum Futter- und Streicheleinheiten-Spender eines wahren Kleintierzoos. Wie ist es denn nun so, das durch langohrige und gefiederte Freunde verschärfte Landleben?

Alles begann mit einem Kaninchen; einem äusserst kriegerischen Kaninchen wohlverstanden. Und es endet – zumindest bis zum Abschluss dieses Buchs – mit 38 (!) verschiedenen tierischen Mitbewohnern. Sittiche, Enten, Gänse, Katzen und so weiter. Die Leserschaft lernt sowohl die kulinarischen als auch sonstigen Vorlieben der Haus- und Hoftiere kennen – ja auch Kaninchen mögen Schlaflieder – und fragt sich wohl gelegentlich, wie viele Tiere denn noch in den ländlichen Haushalt einziehen werden. Und genau da ist meines Erachtens der wunde Punkt dieses Buchs. Was zuviel ist, ist einfach zuviel: Tiere, Tiere und nochmals Tiere. Nicht, dass ich Tiere nicht grundsätzlich mag; aber ich hatte wohl einfach andere Erwartungen an das Buch: Oder kann es wirklich sein, dass das Leben des Ehepaars nur aus Tieren und ihren Züchtern, Zubehör-Lieferanten und Ärzten besteht? Auch wenn Bob Tarte’s Schreibstil witzig ist; hätte ich schon gern etwas mehr aus dem Leben des Landneurotikers und seiner Angetrauten erfahren.

Fazit: Leider nicht mehr als eine nette Lektüre für nebenbei. Wer allerdings plant, aufs Land zu ziehen und sein Leben einer Horde Kleinvieh zu weihen, für den könnte das Buch eine Quelle der Inspiration sein….

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Eine Romanbiographie erobert uns im Sturm – eine weitere Gemeinschaftsrezension mit Bri’s Literatouren

Hadley Richardson war die erste Frau von Ernest Hemingway. Auf Grundlage schon bestehender Biografien und authentischer Briefwechsel, verwoben mit Fiktion hat die amerikanische Autorin Paula McLain eine hinreissende Romanbiografie gewoben. Erzählt wird die Geschichte aus Hadley’s Sicht. Kurz nach dem ersten Weltkrieg lernen sich die beiden in Chicago kennen und lieben. Die Briefe, die sie sich schreiben, gehen ohne Umwege unter die Haut und machen klar, warum Hemingway einer der stahlendsten Sterne am Literaturhimmel wurde.

“Du bist im Zug, und ich bin hier, und alles ist leerer, seit du weg bist. Sag mir, gibt es dich wirklich”

Bald darauf zieht das Paar nach Paris und mischt sich unter die Bohèmiens. Geld ist ein knappes Gut und die erste Bleibe ist ein wahres Loch.

„Es war schmutzig und prachtvoll, voller Ratten und Rosskastanienblüten und Poesie”.

Beinahe besessen arbeitet Hemingway daran, seine sprudelnden Gedanken zu Papier zu bringen, während Hadley sich um den vergleichsweise profanen Alltag kümmert. Ein Sohn kommt zur Welt. Bei Hem stellen sich erste Erfolge ein. Hadley, die etwas älter als Hem ist, wirkt wie ein Ruhepol. Sie ist einerseits voller Angst, den Künstler zu sehr einzuschränken, andererseits zeigt sie ihm deutlich, dass sie nur eines will: Ihn für sich. Eine Verbindung, die so nicht funktionieren kann. In einer Zeit, in der Frauen erst beginnen, auf eigenen Füßen zu stehen, ist Hadley eher noch der Typ Frau, der nicht so recht etwas Eigenes für sich beansprucht.

Ihre Angst vor Verlust ist deutlich spürbar und doch ist sie voller Vertrauen zu ihm. Hem ist ein schöner Mann, mit Schlag bei den Frauen und dennoch braucht er seine Hadley, um das zu werden, was er einmal sein wird: einer der größten amerikanischen Schriftsteller Amerikas und Nobelpreisträger für Literatur.

“Nimmst Du mich mit Hash? Kommst du nun endlich und gibst mir was von dem todsicheren Zeug, das Du bist?”

Wer kennt sie nicht, die Geschichte über Hems erste Ehefrau, die auf der Fahrt zu ihm all seine Manuskripte (auch die Kopien) im Zug liegen lässt – sie werden gestohlen und sind für immer verloren. Ein Schlag, den Hem nach Meinung vieler nie so ganz verkraftet und der auch für die Entzweiung zwischen ihm und Hadley verantwortlich gemacht wird. Paula McLain hat hierfür eine andere Lesart, die der Getrude Stein: Hätte Hadley die Manuskripte nicht verloren, wäre Hem nie der geworden, der er später war. Sie gab ihm die Möglichkeit eines Neuanfangs, den er optimal genutzt hat. Ein Dank an McLain für die Rehabilitierung der Frau, die mehr war als nur Hemingway’s “erste”.

“Madame Hemingway”  hat uns mit seiner betörend schönen Sprache mehr als unterhalten und bewegt. Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art mit einer Protagonistin, die sich in unsere Herzen geschlichen hat und einem facettenreichen Ernest Hemingway. Wir werden Paula McLain auf jeden Fall im Auge behalten.

Fazit: Unbedingt lesen! Ein MUSS.

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Papa Bernd von Bernd Siggelkow, Wolfgang Büscher und Markus Mockler

Es gibt wohl kaum jemanden im deutschsprachigen Raum, der noch nie etwas von der  „Arche gehört hat.  Diesem Zufluchtsort für Kinder aus – wie es politisch korrekt genannt wird – sozial schwachen Familien; wo sie Nahrung für Körper und Seele erhalten. In Deutschland, wo die Bürokratie teilweise absurde Züge annimmt, ist die “Arche“  mit ihrem niederschwelligen, unbürokratischen Angebot genau das, was diese Kinder brauchen. Ein Frühstück vor und ein warmes Mittagessen nach der Schule, sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Hausaufgabenhilfe und vieles mehr; vereinfacht gesagt, Menschen, die sich für sie interessieren. Die Kinder stehen immer im Zentrum und wenn das bedeutet, dass Eltern in Kochkursen beigebracht werden muss, dass Pommes Frites aus Kartoffeln gemacht werden, dann ist das eben so.

Scheinbar aus dem Nichts hat Pfarrer Bernd Siggelkow – einst selber in einer armen und zerrütteten Familie aufgewachsen –  zusammen mit seiner Frau Karin „die Arche“ ins Leben gerufen. Fünfzehn Jahre nach seiner Gründung gibt es sie an inzwischen zwölf verschiedenen Standorten in Deutschland und einem Ableger in der Schweiz. Alles basierend auf christlicher Nächstenliebe ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

In „Papa Bernd“ wird eindrucksvoll beschrieben, wie Bernd Siggelkow aufwuchs und wie es zur Gründung und Verbreitung dieser heute unverzichtbaren Organisation kam. Gegen welche Windmühlen er gemeinsam mit seinem immer grösser werdenden Team kämpfte und mit welchem Enthusiasmus er weitermacht.  Dass er von Deutschlands Politikern dafür viel Lob bis hin zu Orden erhält, ist eigentlich grotesk. Denn während diese über Erhöhung der Hartz IV-Sätze für Kinder im Cent-Bereich diskutieren, rüstet „die Arche“ auf.

Fazit: Ein interessanter Blick auf den Menschen Bernd Siggelkow und die von ihm geschaffenen Zufluchtsorte  für die vernachlässigten Kinder mitten in einem der reichsten Länder der Welt.  Absolut lesenswert!

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Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead

„Wir waren eine Cosby-Familie, auf dem Papier vorbildlich. Der Vater Arzt, die Mutter Anwältin. Drei Kinder, alle auf Privatschulen, mit sauberen Fingernägeln und guten Manieren“

Es ist sein letzter Sommer auf Sag Harbor, der afroamerikanischen Enklave auf Long Island und wir sind dabei. Ich-Erzähler, Benji, nimmt uns mit an den Ort, wo die schwarze New Yorker Mittelschicht sich in Entspannung übt. Während die Eltern sich mal hier mal dort mit eigenen Freunden zum Cocktail treffen, grillieren und tun, was Erwachsene eben so tun, haben Benji und sein Bruder Reggie ganz anderes im Sinn. Erst mal muss erkundet werden, wer alles schon eingetroffen ist, welche Sneaker jetzt angesagt sind oder wie der diesjährige Gruss – so kompliziert, als hätte ein Profi-Choreograph ihn entwickelt – untereinander aussieht. Es sind die 80er-Jahre, die Anfänge von Hip Hop und Rap zeichnen sich ab.  Eine eingeschworene Gemeinschaft sind die Jungs, die schon viele Jahre während ihrer Ferien auf Sag Harbor zusammen rumhängen, Streiche aushecken, sich mit Ferienjobs erstes eigenes Geld verdienen und nun auch erste Versuche unternehmen herauszufinden, wie die Mädels ticken.  Herrlich liebenswert ist Benji –  dieses Jahr möchte er bitteschön Ben genannt werden,  schliesslich ist er schon fünfzehndreiviertel Jahre alt und hat endlich seine Zahnspange hinter sich gelassen – in der Beschreibung von sich selbst:   „Ich war nicht der Typ, mit dem man herummachte, um jemanden eifersüchtig zu machen. Ich war der Typ, mit dem man herummachte, damit einen jemand bemitleidete, so in der Art von „Sieh mal, wie tief ich gesunken bin, seit du mich verlassen hast“, dazu noch ein leerer Blick und eine allgemeine Aura von Erniedrigung.“

Er lässt uns teilhaben an seinen kleinen und grösseren Siegen und ebensolchen Niederlagen. Immer mit einem scheinbaren leichten Grinsen auf den Lippen und wissend, dass bald der Ernst des Lebens droht und jetzt nochmal so richtig genossen werden muss, was ist. Voll sprudelnder Lebenslust und ausgestattet mit einem unvergleichlichen Humor ist „Der letzte Sommer auf Long Island“ eines dieser Bücher, das seine Leser in einem Zustand von leiser Fröhlichkeit zurücklässt. 

Fazit:  Mein erstes aber bestimmt nicht letztes Buch von Colson Whitehead.

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