Bis zur letzten Seite – ja, das Nachwort ist hier inklusive gemeint – hat dieses Buch mich gefesselt. Nicht gefesselt im Sinne von gebannter nervenzerreissender Spannung sondern gefesselt wie ein gut recherchierter Zeitungsbericht oder ein 1a-Dokumentarfilm. Was ja nicht wundert; schliesslich ist „Homicide“ von einem arrivierten Journalisten geschrieben worden.
“Wenn nur mal jemand aufschreiben würde, was hier in einem Jahr so los ist, da könnte ein verdammt gutes Buch draus werden”. Genau das hat David Simon getan und der Mordkommission im us-amerikanischen Baltimore mehr als nur über die Schulter geschaut. Ein ganzes Jahr war er hautnah dabei und hat wie ein Schwamm aufgesogen wie der Alltag dort aussieht.
Das Resultat ist ein Buch ohne Knalleffekt, ohne Höhepunkte, ohne Showdown im Sinne wilder Verfolgungsjagden mit “Cop fängt den bösen Mörder und buchtet ihn ein”-Garantie. Nein, hier wird mit Sorgfalt gearbeitet. Akribisch werden Spuren, so klein sie auch sein mögen, ausgewertet. Unter Druck der Öffentlichkeit, der Vorgesetzten, der Politik.
Die Detectives bekommen beim Lesen irgendwie etwas ganz Persönliches und wirken schon nach kurzer Zeit wie alte Bekannte. Es hat etwas Sorgfältiges, wie sie ihren Job machen. Wobei Job das falsche Wort ist; sie kommen mir schon fast vor wie Uhrmacher, die unbeirrt und mit grosser Kreativität an ihrer Uhr basteln und versuchen, sich von Nebengeräuschen nicht irritieren zu lassen.
„Homcide“ diente als Vorlage für die erfolgreiche Fernsehserie „Homicide: Life on the Street“.
Mit 828 Seiten ist „Homicide“ ein ganz schöner Wälzer. Wer sich deswegen davon abhalten lässt, verpasst viel. Sehr viel. Ich für meinen Teil hätte noch hunderte von Seiten weiterlesen können.
Fazit: Ungeheuer spannend ohne gruselig zu sein. Absolute Leseempfehlung!
Für weitere Infos zu “Homicide” geht es hier lang. Am 23.2.12 kommt „The Corner“ auf dem Markt. Ich warte schon ungeduldig darauf und bin sehr gespannt, ob meine mit dem vorliegenden Buch sehr hoch geschraubten Erwartungen erfüllt werden können.

Na da bin ich mal froh, dass ich das schon in der Mache habe *gg*. Schöne Rezi, wenn auch doch nicht gemeinsam, wegen meiner langsamen Lesegeschwindigkeit …
Ich hab’ mir von Homicide sehr viel versprochen, aber leider waren meine Erwartungen wohl etwas zu hoch. Ich konnte es zwar nicht weglesen bevor ich durch war, aber so richtig richtig große Spannung ist eben auch nicht aufgekommen. Eigentlich schade weil ich den Schreibstil sehr mochte.